Die Ehrenamtlichen machten den Heidbarghof hamburgweit bekannt: (v. l.) Nicole Müller, Erika Timmermann, Ludger Kussel, Ursula Albrecht, Hinrich Langeloh, Heike Röhlecke, Marie Luise Reckewell, Helga Böge, Maggie Blenke, Karin Lienhardt und Heinrich Lienhardt.Foto: Ekkehard Schultze

Heidbarghof: Hinrich Langeloh zieht sich nach 20 Jahren zurück – künftig mehr Veranstaltungen für Ältere?

Von Jörg Marwedel. Derzeit ist der Heidbarghof geschlossen. Es gibt wegen Corona mal wieder keine Veranstaltungen. Aber es ist nicht nur die Pandemie, die Sorgen macht. Es geht generell um die Zukunft des Kulturzentrums im denkmalgeschützten Reetdachhaus der Elisabeth-Gätgens-Stiftung an der Langelohstraße. Im Dezember trat nach über 20 Jahren der ehrenamtliche Geschäftsführer Hinrich Langeloh zurück, der auch für das kulturelle Programm zuständig war.

Sein Vorwurf: man habe beschlossen, den Kulturetat von 20.000 auf 5.000 Euro pro Jahr zusammenzustreichen, obwohl die „Kultur das wichtigste Aushängeschild der Stiftung“ sei. Den Entschluss habe man bei einer Vorstandssitzung getroffen, an der er wegen Krankheit nicht teilnehmen konnte. Seit seinem Rücktritt sei im fünfköpfigen Vorstand der Stiftung „überhaupt kein Kulturschaffender“ mehr.

Langeloh veranstaltet jetzt wieder „Crossdorf“

Das sieht der Vorsitzende Erich Becker allerdings anders. „Wir sind alle Kulturmenschen“, sagt er und kündigt an, man werde „satzungskonform“ weiter Kultur anbieten. Der Ausstieg Langelohs ist das vorläufige Ende eines Kulturkampfes am Heidbarghof.

Während der Dudelsackspieler Hinrich Langeloh Folkmusik als „Leuchtturm“ des Hauses aufbaute und namhafte Bands aus Kanada, Schottland und der Bretagne anheuerte, setzte sich im Vorstand zunehmend die Meinung durch, man müsse die Vorstellungen der 1982 verstorbenen Elisabeth Gätgens wieder mehr in den Vordergrund rücken. Und das seien vor allem Dichterlesungen, Kammerkonzerte, niederdeutsche Vorträge und mehr Veranstaltungen für ältere Menschen.

Das derzeitige Problem der Stiftung sind tatsächlich die Finanzen. Zwar hat man in den Jahren Rücklagen bis 400.000 Euro gebildet, aber die Renovierung des Hofes und eines Hauses in Blankenese sollen 700.000 Euro kosten. Und da laut Becker in der Satzung steht, man dürfe keine Kredite aufnehmen, gibt es ein finanzielles Loch. Oder, wie es Becker sagt: „Ohne Infrastruktur gibt es auch keine Kultur, und Kultur ist teuer.“

Verloren gegangen ist bei dieser Auseinandersetzung ein Geschäftsführer, der auch für die Ton- und Lichttechnik zuständig war und vor der Pandemie für 20.000 Euro fast 60 Veranstaltungen pro Jahr stemmte – von Folkkonzerten über Jazzfrühschoppen bis zu Klassik, Theater und Vorträgen.

Nun sind viele Ehrenamtliche mit Hinrich Langeloh weitergezogen und veranstalten die dritte Auflage des Stadtteilkulturfestivals „Crossdorf“ (30. Januar bis 13. Februar). Man darf gespannt sein, wieviel Kultur im Heidbarghof für 5.000 Euro im Jahr übrigbleibt. Erich Becker sagt: „Wir werden eine gesunde Mischung finden.“

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