So sieht der Moorhof in Rissen von außen aus. Foto: Jörg Marwedel

Von Jörg Marwedel. Sein Telefon hat Hauke Jaacks (59) auch im Kuhstall dabei. Es könnten ja wichtige Anrufe kommen bezüglich der Zukunft seines „Moorhofs“, dem Milchbauernhof in Rissen. Dass er überhaupt noch dort anzutreffen ist, scheint auf den ersten Blick überraschend, denn sein Pachtvertrag ist am 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Doch vorerst tut er mit seiner Frau Swantje und den Mitarbeitern weiter die Dinge, die zu tun sind: „Ställe ausmisten, Tiere füttern und zweimal am Tag ,unsere Mädels‘ melken.“

So hat er es bei Facebook unter dem Hashtag #Moorhof beschrieben mit dem Zusatz, man hoffe „weiter auf ein Wunder“. Ansonsten will er zur aktuellen Lage derzeit ebenso wie die Behörden öffentlich nichts sagen, auch nicht zu seiner Zukunft. Denn es läuft seit dem 8. Dezember 2021 sein Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt, die den Verkauf von 16 Hektar Land (auf dem sein Hof und die Kuhställe stehen) an den Rissener Immobilienentwickler Lars-Oliver Breuer genehmigte. Das Gericht hatte seine Klage in erster Instanz abgewiesen, weil er als Pächter dazu kein Recht habe.

Onlinepetition wird im Rathaus übergeben

Dabei hat er sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit einer Eingabe auf seine Situation aufmerksam gemacht. Von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Landwirtschaftssenator Jens Kerstan (Grüne) fordert er, dass sie sich mit ihm zusammensetzen, um Lösungsmöglichkeiten für den Erhalt des Betriebes zu finden. Bis vergangenen Dienstag hatten 103 000 Menschen die Onlinepetition für den Erhalt des Hofes, die am Donnerstag im Rathaus übergeben wird, unterschrieben.

Jaacks Lebenswerk ist ein 130 Hektar großer Betrieb mit 340 Kühen, der etwa 10 Prozent des Hamburger Milchbedarfs abdeckt. Geplant war zudem die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft. Doch der seit September 2019 aktenkundige Verkauf des Areals stellt das Vorhaben massiv in Frage, weil es andere Flächen in der Nähe kaum gibt.

Die Problematik kam mit dem Bescheid der Wirtschaftsbehörde, Breuers Antrag zum Kauf dieses Grundstücks durchzuwinken, obwohl auch Jaacks die Immobilie kaufen wollte. Normalerweise hätte der Landwirt, der das Land seit 2004 gepachtet hatte, laut „Grundstücksverkehrsgesetz“ den Zuschlag kriegen müssen. Doch da die neuen Besitzer dort eine Pferdepension mit neuen Gebäuden errichten wollen, ging das juristisch durch, da ein solcher Hof ebenfalls als landwirtschaftlicher Betrieb gilt.

Stephan Jersch, Bürgerschaftsabgeordneter der Linksfraktion und Fachsprecher für Landwirtschaft und Tierschutz hat sogar eine Kleine Anfrage in die Bürgerschaft gestellt und einen „Runden Tisch“ gefordert. Er will eine Diskussion darüber, ob eine Pferdepension einem Milchbetrieb gleichzustellen ist. Für ihn sei das eher Freizeit als Landwirtschaft.

Umweltsenator Jens Kerstan hätte sich „mehr engagieren können“, findet Jersch. Immerhin habe das „Agrarpolitische Konzept 2025“ die Stärkung der Landwirtschaft auf Hamburger Stadtgebiet zum Ziel. Nicht nur Jersch, sondern auch die Werner-Bonhoff-Stiftung finden, „dass Agrarfläche immer mehr zur Spekulationsmasse wird“.

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