Die Brandschützer aus Moorwerder vor ihrer Wache .Foto: cvs
Hier wird kräftig angepackt: Mitglieder der FF Moorwerder nehmen ein ausrangiertes Auto auseinander. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Moorwerder. Die Brandschützer aus dem ländlichen Osten der Elbinsel haben an diesem Tag einen besonderen Auftrag: Der schwarze, 19 Jahre alte Opel Corsa auf dem Hof – gespendet von einem Feuerwehrangehörigen – dient als Übungsobjekt für schweres Gerät. Mit Spreizer (dient dem Verbreitern von Öffnungen), Federkörner (um Glasscheiben splitterfrei zu entfernen) und Blechaufreißer (dessen Bezeichnung wohl selbsterklärend ist) macht sich das Team der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Moorwerder ans Werk.
„Sehr realistisch“, findet Wehrführer Stefan Fenske diese Übung. „Wir werden oft zu Unfällen auf der Autobahn gerufen.“ Mal sei ein Gemüselaster umgekippt, ein anderes Mal habe es vielleicht ein Karambolage mit mehreren Pkws gegeben. „Da müssen wir mit unseren Spezialwerkzeugen schnell zur Hand sein!“
Die 1920 gegründete Dienststelle Moorwerder gehört zu den älteren FF der Hansestadt. Vor zwei Jahren wurde sie 100 Jahre alt – wegen Corona konnte allerdings noch nicht gefeiert werden. Spitzenreiter in Sachen Alter ist übrigens die FF Krauel in Kirchwerder mit fast 150 Jahren. Dass ausgerechnet die dörflichsten Brandwachen Hamburgs die längste Geschichte vorweisen können, liegt vielleicht auch daran, dass sie in früheren Zeiten – auf dem schlecht erschlossenen Dorfe mit seinen vielen reetgedeckten Häusern – absolut unverzichtbar waren.
Und noch in anderer Hinsicht ist die FF „Moorwärder“ – wie sie einst geschrieben wurde – ein Unikum: Lediglich 24 aktive Mitglieder im Alter zwischen 24 und 61 Jahren zählt die Belegschaft aktuell (Fenske: „Das ist fast schon kriminell wenig!“) – auf der anderen Seite gibt es wohl kaum eine Dienststelle in Hamburg, die noch seltener alarmiert wird. Im Durchschnitt sind es rund 30 Einsätze pro Jahr. Trotzdem: Unverzichtbar, sagt Stefan Fenske, sei die FF Moorwerder nach wie vor: „Weil wir nicht nur Brände löschen und Autos aufschneiden, sondern auch Feste ausrichten und zur Dorfgemeinschaft beitragen!“ Bei einer „Strukturuntersuchung“ von 2010 entgingen die Moorwerderaner jedenfalls nur knapp dem Rotstift der Innenbehörde. Der Grund ist noch derselbe wie damals: Die Kollegen aus Harburg und Wilhelmsburg brauchen im Ernstfall einfach zu lange, um an Ort und Stelle zu sein.

Drei Fragen an Wehrführer Stefan Fenske

Welcher Einsatz aus Ihrer Vergangenheit ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?
Das war 2006, als eine 600 Quadratmeter große Lagerhalle – unter anderem mit Oldtimern – in Flammen aufgegangen war. Die Zentrale hatte „FEU4“ ausgegeben – das bedeutet Großbrand. Unglücklicherweise war es ein Freitagnachmittag, alle Bereitschaftszüge standen erstmal im Stau – ich selbst auch. Wir haben dann eine 500 Meter lange Schlauchleitung bis zur Elbe gelegt und konnten gerade noch verhindern, dass ein benachbartes Reetdachhaus mit abgebrannt ist.
Das stand zwar zehn Meter entfernt, aber allein schon durch die Hitze fing das Stroh an zu kokeln! Weil es unser Gebiet war, haben wir uns nicht ablösen lassen. Alles in allem waren wir zwölf Stunden lang vor Ort – acht am ersten Tag und vier am nächsten Morgen, um die letzten Glutnester zu löschen.

Als Mitglied der FF muss man jederzeit einsatzbereit sein – auch nachts. Welche Tricks haben die Feuerwehrleute auf Lager, um im Ernstfall innerhalb von fünf Minuten auf der Matte zu stehen?
Das kommt auf den Einzelfall an. Laut Vorschrift müssen die Mitglieder im Einsatzgebiet leben und haben allein schon deshalb nicht allzu lange Wege. Ich selbst zum Beispiel habe immer mein Fahrrad an der Hauswand stehen, obwohl ich nur ein paar Schritte entfernt wohne – aber damit geht es eben noch ein paar Sekunden schneller. Am wichtigsten ist die Routine: Jacke an, rein in die Stiefel, Motor anlassen – das klappt irgendwann fast automatisch.

Warum sollte man sich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren?
Man kann interessante Fortbildungen machen, zum Beispiel den Bootsführerschein. Wir haben eine nette, gesellige Truppe, die sich immer über Neuzugänge freut! Und noch ein Anreiz: Jedes Jahr nehmen wir an internationalen Feuerwehrwettbewerben teil. Das bedeutet, man kommt viel herum, kann sich sportlich betätigen und knüpft Kontakte ins Ausland.

Hintergrund
Die Hansestadt verfügt über 86 Dienststellen der Freiwilligen Feuerwehr (FF). Insgesamt engagieren sich hier etwa 2.500 Ehrenamtliche. In Hamburg untersteht die FF der Innenbehörde.
Zu den Aufgaben der FF zählen die Unterstützung der Berufsfeuerwehr bei Bränden, bei der Notfall- sowie Wasserrettung, und wenn etwa technische Hilfe gefordert ist. Außerdem werden die Mitglieder im Katastrophendienst (etwa Hochwasser) eingesetzt. Einige Hamburger Wachen werden aufgrund ihrer Ausstattung mit Sonderaufgaben (Wasserversorgung, Bergung, Dekontamination) betraut.
Derzeit gibt es hamburgweit 58 Jugend- und vier „Mini“-Feuerwehren.
Voraussetzung für die Aufnahme ist neben dem Lebensalter (der aktive Dienst endet üblicherweise mit dem 60. Geburtstag) eine theoretische und praktische Grundausbildung in Feuerwehrtechnik, Fahrzeug- und Gerätekunde, technische Hilfeleistung und Sanitätsdienst. Die Ausbildung geht über 120 Unterrichtstunden und endet mit der sogenannten „Truppmannprüfung“.
Weitere Ausbildungen im Bereich Kraftfahrzeuge, Sanitätsdienst oder auch Deichverteidigung sind möglich.

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