So sieht der Haupteingang zum Wildgehege bisher aus: Kassenhäuschen oder öffentliche Toiletten gibt es nicht. Foto: jm

Von Jörg Marwedel

Die Wienerin Monika Fiby hat in den USA Landschaftsökologie studiert und berät vor allem Zoos und Tierparks. Jetzt hat sie das 2019 von der Bezirksversammlung Altona in Auftrag gegebene Gutachten zur Zukunft und Entwicklung des Wildgeheges Klövensteen vorgestellt.
60 Seiten umfasst das Schriftstück. Fiby hat drei Szenarien entwickelt, die unter den Stichworten „Artenschutz“, „Naturpädagogik“ und „Wildgatter“ beschrieben sind.
Der erste Vorschlag: Heimische Tiere wie Wisent, Habichtskauz, Luchs, Fischotter, Vielfraß, Schwarzstorch, Schreiadler, Steinkauz, Moorente oder Kiebitz werden wie in einem üblichen Wildpark beherbergt, um die Arten zu schützen. Das bisher außen liegende Rothirschgehege würde bei dieser Variante hinter den Zaun verlegt, der Sandmoorweg müsste umgeleitet werden.
Beim zweiten Modell, Thema Naturpädagogik, sollen Tierpfleger zeigen, wie man die Tiere hält, füttert und trainiert. Unterkünfte müssten zum Teil neu gebaut werden. Auch ein Kino oder Naturtheater wäre denkbar.
Die billigste Version ist das dritte Modell, ein „Wildgatter“. Dabei sind nur fünf Tierarten erlaubt und es müsste aus rechtlichen Gründen dem Zweck der Fleischproduktion dienen.

Zunächst muss investiert werden
Für die beiden ersten Varianten müsste die Stadt erstmal kräftig investieren: Die jährlichen Kosten betrügen jeweils etwa 1,4 Millionen Euro. Ein einfacher gestaltetes Wildgatter würde dagegen nur rund 675.000 Euro kosten und danach jährlich 715.000 Euro für die Bewirtschaftung. Fiby wies darauf hin, dass ein Zaun um das Gelände nach den Zoorichtlinien vorgeschrieben ist und man dann nur noch durch offizielle Eingänge in das Wildgehege dürfe.
Ob dieser neue Vorstoß, das Gehege „zukunftstauglich“ zu machen, anders endet als 2018? Damals war der Förderverein Klövensteen mit einem damals so genannten Masterplan mit Wolfsgehege, Wisentzucht und einem 1.500 Quadratmeter großen Waldhaus bei einem Bürgerbegehren gescheitert. Auch diesmal gibt es Gegenwind.
Die Initiative „Klövensteen soll leben“ und der Nabu stellen sich gegen Fibys Gutachten. „Expansive Zookonzepte“ seien beim massiven Artensterben „nicht mehr zeitgemäß“, glaubt der Nabu, stattdessen solle man die Naturräume schützen.
Die Linke will dagegen auf keinen Fall eine „Kommerzialisierung des Wildgeheges“. Sprecherin Heike Schoon bemängelte zudem, dass der Schutz des Naturraums um das Wildgehege (etwa das Schnaakenmoor) in dem Gutachten ausgelassen wurde.
Außerdem ist die Finanzierung ein Problem: Das Bezirksamt Altona könne die Sanierung so oder so nicht alleine bezahlen, woraufhin FDP-Fraktionschefin Katarina Blume Gespräche mit dem Finanzsenator vorschlug.
Jens-Joachim Sturzenbecher vom „Förderverein Klövensteen“ mahnt dagegen, es müsse schnell saniert werden, möglichst sofort, sonst könne das Gehege nicht mehr geöffnet bleiben. Ohnehin seien – auch wegen „verschärfter Anforderungen an die Tierhaltung“ und einem erheblichen Sanierungsrückstand“ – Zutrittskontrollen, geregelte Öffnungszeiten und Personalaufstockung notwendig, behauptet Blume.

1 KOMMENTAR

  1. Für mich als Anwohner stellt sich die Frage warum ist das Gehege so heruntergekommen.
    Die Försterrei Klövensteen hat viel Holz und fachliches Personal um das Gehege instand zu halten und zwar kostengünstig.
    Über die letzten Jahrzehnte sind viele Dinge außer Acht gelassen worden.
    Ist der jetzige Zustand vielleicht bewusst herbeigeführt um solche Schlagzeilen zu lesen.
    Welche Interessen stehen dahinter…der damalige Masterplan hatte es schon in sich.
    Alles ist am Ende auf immer größer und größer werden ausgelegt.
    Wünsche mir einfach nur ein Stück Natur für jeden Bürger.
    Weniger Tiere weniger kosten mehr Augenmerk auf die Dinge die im Wald zu finden sind.
    In voller Hoffnung das kleine Paradies so bleibt .

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