Die Ottenser Bedürfnisanstalt wurde 1928 vom Architekten und Altonaer Bausenator Gustav Oelsner entworfen.. Fotos: Louisa Schwope

Ottenser Bedürfnisanstalt zeigt Fotos von Louisa Schwope

Das Lieblingsmotiv von Louisa Schwope ist gleichzeitig das erste Bild, das sie für ihren Instagram-Kanal aufgenommen hat: ein Ausschnitt der Fassade der Paul-Gerhardt-Kirche in Bahrenfeld. Auf den ersten Blick wirkt das Foto recht unspektakulär: Lauter Klinker in verschiedenen Rottönen, die so angeordnet sind, dass sie zum Teil plastisch aus der Wand herausragen. Ein Regenfallrohr mit grüner Patina. Der Schatten eines Baums, dessen organische Linien sich auffallend schief und krumm über die akkurat gemauerte Ziegelwand ausbreiten. „Ich bin ein haptischer Typ“, berichtet die studierte Kunsthistorikerin und Sammlerin stadtgeschichtlicher Kleinode. „Hier kann man Baugeschichte anfassen!“ Ab Samstag, 18. Dezember, sind rund 20 ihrer „Fotografischen Begegnungen mit Hamburger Denkmälern“ in der Bedürfnisanstalt, Bleickenallee 26a, zu sehen (s. u.). Die Ausstellung heißt genauso wie Louisa Schwopes Instagram-Seite: denkmalanhamburg.

Der Startschuss für das Internetprojekt der gebürtigen Berlinerin fiel vor rund einem Jahr, als sie gerade am Chilehaus vorbeiradelte und dessen Architektur bewunderte. Als ehemalige Kunstvermittlerin in mehreren Berliner Ausstellungen bekam sie Lust, ihre Begeisterung mit anderen zu teilen. „Ich wünsche mir, auch bei anderen Aufmerksamkeit für Häuser und ihre Geschichten wecken zu können“, sagt sie.

Ungefähr eine neue Hamburger „Perle“ wöchentlich postet Louisa Schwope seither auf ihrem Kanal – meist sind es um die vier Fotos und ein Text dazu. Nicht nur geschichtlichen Hintergrund („den kann man sich selbst ergoogeln“), sondern auch, was sie persönlich damit verbindet. Mindestens zwei bis drei Stunden Zeit – inklusive Fotobearbeitung – kostet sie das pro Eintrag.

Zu ihren Motiven zählen einige recht bekannte Bauten (Springerhaus), aber auch wenig beachtete Raritäten, wie etwa das „Motel Hamburg“ an der Hoheluftchaussee, das mit seinen knallbunten Garagentoren und dem grünen Weinlaub völlig aus der Zeit gefallen scheint. Immer wieder sind es Details, die im Fokus stehen: eine Spiegelung im Fenster, die Form der Fliesen oder der Deckenverkleidung – und Backsteine in allen Formen und Farben. Auch die Bedürfnisanstalt selbst gehört aus dem Grund zu den portraitierten Ausstellungsstücken.

Vernissage: Sa, 18. Dezember, 17 Uhr

Weitere Öffnungszeiten: So, 19. Dezember, 12-21 Uhr, Mo-Do, 20. bis 23. Dezember, 17-21 Uhr

Während der Öffnungszeiten ist die Künstlerin anwesend. „Schaufenster-Ausstellung“ bis Do, 30. Dezember.

 

Bedürfnisanstalt

Der kleine Klinker-Pavillon an der Ecke Bleickenallee/Hohenzollernring wurde 1928 von dem Hamburger Architekten und Bausenator Gustav Oelsner für die Verkehrs-Aktiengesellschaft Altona (VAGA) entworfen. Bis zur Stilllegung der Hamburger Straßenbahn in den 1970er Jahren diente er als Wartehäuschen und öffentliche Toilette. Im Erdgeschoss befand sich darüber hinaus ein Kiosk. Mit seiner knappen, kubischen Form und der rotbraunen Klinkerverkleidung gilt das Gebäude als charakteristisch für die Moderne der 1920er-Jahre. Inzwischen steht es unter Denkmalschutz.

Nach ihrer Schließung war die Bedürfnisanstalt lange Zeit dem Verfall preisgegeben. 2001 wurde sie saniert und zu einem Atelierraum ausgebaut. Dabei wurden die WCs im Kellergeschoss entfernt, eine Treppe eingebaut und die Hauptfassade mit einer Stahlglaskonstruktion geschlossen.

In den ersten Jahren nach ihrer Wiedereröffnung nutzen Studierende der HfbK (Hochschule für bildende Künste) die Bedürfnisanstalt für eigene Ausstellungen. Seit 2008 werden die insgesamt 34 Quadratmeter großen Räume jedermann gegen eine geringe Gebühr für Kunstprojekte aller Art zur Verfügung gestellt. Die Öffnungszeiten richten sich nach dem oder der jeweiligen Aussteller/in. Sonntags von 14 bis 18 Uhr sind die Türen in jedem Fall geöffnet. cvs

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