1989 lobte die S-Bahn einen Graffiti-Wettbewerb aus, um den jungen Graffiti-Sprühern legale Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. Gleichzeitig ging es auch darum, die komplett illegal voll gesprühtes Wartehäuschen am S-Bahnhof Langenfelde und Diebsteich attraktiver zu gestalten.Foto: : Werner „Mr.W“ Skolimowski /ESWB

Das penibel recherchierte Buch „Eine Stadt wird bunt“ über das Entstehen der Hamburger Graffiti-Szene

Von KP Flügel. „Dieses Buch ist so krass, es ist die Geschichte von uns allen hier in Hamburg, die etwas mit Graffiti und Rap zu tun haben“, sagt Jan Delay in einem Clip auf seinem offiziellen Instagram-Account. Gemeint ist das Anfang Dezember erschienene Werk „Eine Stadt wird bunt“. Beim Durchblättern weist der Hip-Hop-Styler auf die über 1.300 Fotos hin. In einer so noch nie dagewesenen Fülle zeigen sie die Vielfalt der Graffitimotive, die damals angebracht wurden. „Alles ganz krass chronologisch und pedantisch geordnet“ sei das Buch von den vier Herausgebern.

Das sind Mirko Reisser (Daim), Frank Petering (Frankster), Andreas Timm (Cario) und Oliver Nebel (Davis). Jan Delay: „Ganz dicke probs (Anm. Hip-Hop-Jargon für ‚proper respect‘, zu deutsch: ‚Hut ab, Respekt‘). Ich bin absolut geflasht. Es ist der ganz große Hammer.“ Wenn jemand das beurteilen kann, dann ist er es, der als Jugendlicher selbst das ein oder andere Motiv gesprayt hatte. Im Buch ist zu lesen, Graffitis seien für ihn immer noch eine Art Hobby.

„Narrenhände?“ im Altonaer Museum

Auf 560 Seiten gewährt das Buch überraschende Einblicke über das Entstehen und die Entwicklung der Graffiti- und Hip-Hop-Kultur in Hamburg. Interessant zu verfolgen, wie dieser kulturelle Eingriff in den Stadtraum einerseits als Vandalismus wahrgenommen und andererseits auch als neue Kunstform anerkannt wurde. Gewürdigt wird auch die Arbeit der Sonderkommission Graffiti der Bahnpolizei, die die Sprayer sowohl verfolgte als auch versuchte, ihnen legale Spray-Aufträge zu vermitteln.

Einem breiteren Publikum wurde die Szene erstmals in der Illustrierten „Stern“ im September 1989 bekannt. Im Buch schildert Christine Plößer, die einige Sprayer in der Marktstraße angesprochen hatte, wie die Reportage „Graffiti – Die Kunst aus der Dose“ zustande gekommen war.

Bereits 1991 widmete sich das Altonaer Museum der Graffiti-Kultur mit der Ausstellung „Narrenhände?“ und dem Zusatz: „Fotografien von Fritz Peyer“. Torkild Hinrichsen, damals Leiter der Abteilung Kulturgeschichte, kommt zu Wort. Um Graffiti ausstellen zu können, musste er die Popularität des damals bereits über 70-jährigen Fritz Peyer ausnutzen. Denn eine Ausstellung dieses bekannten Theaterfotografen, war für Altona eine Attraktion. Hätten die Verantwortlichen allerdings geahnt, dass auch Sprayer beteiligt werden würden, hätte es bestimmt kein grünes Licht gegeben. Der 2001 verstorbene Peyer hatte bei seinen Streifzügen durch Ottensen das Aufkommen von Graffiti fotografisch eingefangen.

>> Eine Stadt wird bunt – Hamburg Graffiti History 1980 – 1999; Double-H Verlag, 69,90 Euro.

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