aut einer Vereinbarung der Stadt Hamburg mit Bäderland sollen 95 Prozent der Viertklässler den Seepferdchen-Abschluss schaffen, davon mindestens 70 Prozent Bronze. Von diesen Zahlen scheint man im Moment weit entfernt zu sein. Foto: Panthermedia

Wegen Corona: Hamburgs Grundschüler haben rund 50 Prozent ihres Schwimmunterrichts verpasst

Die Zahlen sind erschreckend: 24 Kinder bis 15 Jahre sind laut DLRG-Statistik deutschlandweit im ersten Halbjahr 2020 ertrunken – sechs mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon waren über 50 Prozent im Vor- und Grundschulalter. Schon 2017 hatte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft berichtet, dass über 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen können.
Durch die Corona-Pandemie dürfte sich dieser Trend noch einmal verstärkt haben: „Besonders erschreckend finde ich, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen der Schwimmfähigkeit der Kinder und dem sozialräumlichen Umfeld gibt“, sagt Katarina Blume, FDP-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksversammlung Altona. Recherchen der FDP-Politikerin zufolge verlassen fast 100 Prozent der Kinder die Grundschule Windmühlenweg in Groß Flottbek als sichere Schwimmer, während die Quote an der Schule Barlsheide (Osdorf) lediglich 23 Prozent beträgt. Zusammen mit der Partei Die Linke und der CDU hat die FDP in der Bezirksversammlung aus diesem Grund einen entsprechenden Antrag verabschiedet. Tenor: Hamburg muss dringend eine „Schwimmlernoffensive“ starten.

Das Thema „Schwimmen lernen“ hat innerhalb der letzten zwei Jahre schon häufiger auf der Tagesordnung von Bezirk und Bürgerschaft gestanden. So etwa brachte eine Anfrage der Linken zutage, dass aufgrund pandemiebedingter Lockdowns (März bis August 2020 sowie Dezember 2020 bis Mai 2021) rund die Hälfte des Schwimmunterrichts für Grundschüler ersatzlos weggefallen ist. Nicht nur das: Als der Betrieb wieder losging, habe man Gruppen, die zuvor zusammen schwammen, getrennt unterrichtet. Zudem seien die Wasserzeiten auf jeweils 35 Minuten gekürzt worden, um Kontakte zu minimieren.

Doch wie könnte eine Schwimmlernoffensive aussehen? Laut Michael Dietel, Sprecher von Bäderland, hat es bereits etwas Ähnliches gegeben: „Während der Sommermonate, von Juni bis August, haben wir zum Beispiel die Becken weitgehend für Kinderschwimmkurse freigehalten.“ Zudem weist der Sprecher darauf hin, das alle Kinder, die zum Ende der vierten Klasse keinen Seepferdchen- oder Bronze-Abschluss geschafft haben, kostenlose Gutscheine fürs Schwimmen lernen erhalten. „Dies war schon immer so – ganz unabhängig von der Corona-Pandemie“, sagt Dietel.

FDP-Frau Blume glaubt nach wie vor, dass dringend etwas geschehen muss. „Nur wenn wir jetzt gegensteuern, verhindern wir eine Generation von übergewichtigen Nichtschwimmern“, sagt sie. Schwimmen lernen gehöre für sie „praktisch zur Daseinsfürsorge“.

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