Vertreter der Initiative vor den Garagen am Tönninger Weg: Die Mitglieder haben sich inzwischen rechtlichen Beistand geholt und wollen ihr Anliegen notfalls vor Gericht durchfechten. Foto: cvs

OSDORF. Der Tönninger Weg gehört nicht gerade zu den breiteren Wohnstraßen Hamburgs: Entgegenkommende Autos blockieren sich oft gegenseitig, überdies sind sämtliche Parkplätze – links wie rechts – in der Regel belegt. Bald wird sich das Parkproblem nochmal verschärfen: Der Bauausschuss Altona hat ein Wohnungsbauvorhaben erlaubt, wofür ein Garagenhof mit 38 Stellplätzen weichen müsste. Allerdings sieht der aktuell gültige Bebauungsplan (Osdorf 39) an dieser Stelle überhaupt keine Wohnungen vor, sondern lediglich einstöckige Garagen.
Eine Anwohnerinitiative mit derzeit 64 Mitgliedern geht nun gegen das Projekt auf die Barrikaden. „Ein Skandal“, sagt Mitglied und Anwohner Daniel Stern. „Damit wird das Interesse von Investoren über das der Bürger, Anwohner und Eigentümer gestellt.“

Vier weitere Grundstücke könnten bebaut werden
Der betroffene Garagenhof befindet sich nördlich der Einmündung zum Vogt-Groth-Weg – direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht bereits ein fertiger Wohnblock mit dreieinhalb Stockwerken. Ein weiterer (viereinhalb Stockwerke), an der Ecke zur Langelohstraße, ist im Bau. Damit nicht genug: Laut Wohnungsbauprogramm Altona von 2020 könnten in nächster Zeit nochmal vier Grundstücke in unmittelbarer Umgebung mit Wohnblocks bebaut werden – und jedesmal würden etliche Parkplätze ersatzlos wegfallen. Die Initiative hat ausgerechnet, dass man rund 1,4 Kilometer Abstellfläche auf der Straße schaffen müsste, um den Verlust zu kompensieren. Schon jetzt haben die Anwohner arge Probleme: „Ich frag‘ meine Frau inzwischen zwei- bis dreimal pro Tag, wo sie das Auto abgestellt hat“, sagt Martin Lagoda.

Neubau am Tönninger Weg: In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es bereits mehrere Neubauten und fast fertige Häuser. Foto: CVS

Seltsam: Laut Kaufverträgen aus den 60er-Jahren wurde den Bewohnern und Eigenheimern damals ein Recht auf einen Garagenplatz verbrieft. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Sven Hielscher hält dieses Recht jedoch nicht mehr für zwingend gültig. „In solchen Fällen – und wenn es stadtentwicklungspolitisch von Vorteil ist – kann die Ausweisung des B-Plans auch übergangen werden“, erklärt der CDU-Bauexperte, der sich klar für eine Wohnbebauung ausspricht.
Kann ein B-Plan also auch mal ignoriert werden? Das Bezirksamt Altona bestätigt diese Interpretation: „Begründet wird dies damit, dass dies der Schaffung dringend benötigten Wohnraums dient und städtebaulich als vertretbar zu erachten ist“, so Amtssprecher Mike Schlink. Da sich links und rechts des Parkplatzes ebenfalls zwei- bis dreigeschossige Wohnhäuser befänden, würde das Bauvorhaben sogar „vermittelnd“ wirken.

 

3 KOMMENTARE

  1. Ich finde, es ist unfassbar, was jedem Eigentümer, der sich in Hamburg auf Bebauungspläne verlässt, passieren kann. Keine Stadtentwicklung, sondern Nachverdichtung zugunsten von Partikularinteressenten. Ein Skandal, dass man so alleine gelassen wird von den Behörden.

  2. Ich gebe Herrn Stern in seinem Kommentar recht! Darüber hinaus wird jedem Bürger das Leben schwer gemacht bei jedem Antrag. Investoren wird nicht nur hier, sondern auch in anderen Stadtteilen alles genehmigt – ungeachtet von B-Plänen, Gesetzen und Genehmigungsverfahren, die ihre demokratische Daseinsberechtigung haben!

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