Alles abgeholzt. „Wir waren total überrascht“, sagt Kleingärtner Manfred Schnitzke. Foto: cvs

Landesbund der Gartenfreunde lässt Bäume roden: Kleingärtner verärgert

Der schmale Streifen im Eingangsbereich des Kleingartenvereins (KGV) Veermoor erinnert ein bisschen an ein Schlachtfeld: Rund 20 Meter hohe Buchen, Linden und Ahornbäume – einfach weg. Das dichte Brombeergebüsch – verschwunden. Auch einige dicke Lebensbäume mit einem Stammdurchmesser von geschätzt 50 Zentimetern mussten dran glauben. Stattdessen einige mannshohe Kleinholzstapel mit den kläglichen Überresten der ehemaligen Vegetation.

„Es sieht wüst aus“, sagt Kleingärtner Manfred Schnitzke (85). Der Rentner, Gründungsmitglied des vor 60 Jahren aus der Taufe gehobenen Vereins, ist verärgert. „Was soll das?“, fragt er. „Warum wissen wir hier nichts davon?“ Üblicherweise würde man die Mitglieder im Vorfeld solcher Rodungsaktionen befragen. Nun sei es zu spät. „Das war eine richtige grüne Lunge in der Stadt“, meint Schnitzke. „Es muss doch etwas stehenbleiben für Vögel und Insekten.“

20 zusätzliche Parzellen am Swatten Weg

Hintergrund der überraschenden Fällungen ist eine „Verdichtungsaktion“ des Landesbunds der Gartenfreunde Hamburg: Aufgrund des starken Zulaufs von Interessenten sucht der LGH derzeit im gesamten Stadtgebiet nach verfügbaren Erweiterungsflächen. Am Swatten Weg in Lurup sollen die vorhandenen 285 Parzellen um 20 weitere aufgestockt werden.

Nach Auskunft von LGH-Geschäftsführer Dirk Sielmann werden die Maßnahmen von der öffentlichen Hand bezahlt. „Die Tatsache, dass die Stadt Hamburg die Erweiterung finanziert, ist für uns eine Art Lebensversicherung“, erklärt Sielmann, der für die SPD in der Bezirksversammlung Mitte gewählt wurde. Denn auf die Weise würden die Gärten auf lange Sicht Gärten bleiben – und nicht etwa zur Bebauung freigegeben werden. „Der Bedarf ist inzwischen so groß, dass wir die Wartelisten geschlossen haben“, so der LGH-Chef. Stand heute müsse man fünf bis sechs Jahre auf eine Parzelle warten. Insbesondere in Altona und Eimsbüttel sei die Nachfrage riesig. Gegen den Vorwurf, die örtlichen Laubenpieper seien nicht eingeweiht gewesen, wehrt sich Sielmann. „Wenn der Verein dagegen ist, wird auch nichts unternommen!“

Offiziell ist man beim LGH sogar auf Öko-Kurs: So werden innerhalb der nächsten fünf Jahre – unter anderem auch beim KGV Veermoor – einzelne Flächen „naturnah“ umgestaltet. Geplant sind Hecken sowie Blumen- und Streuobstwiesen. Zusätzlich sollen Wege nicht mehr so gründlich gemäht und vom Unkraut befreit werden, um Lebensraum für bodenbrütende Insekten zu schaffen.

Ein paar Zahlen: In Hamburg gibt es derzeit 311 Kleingartenvereine mit über 33.500 Parzellen. Die Gesamtfläche einschließlich „Rahmengrün“ (Parkwege und ähnliches) beträgt über 14 Quadratkilometer. Das entspricht knapp zwei Prozent des Stadtgebiets.

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