Ian Dury lässt es im Film „Brennende Betten“ lodern. Foto: Impuls Film / Deutsche Kinemathek.:

Eine Stadt sieht einen Film: „Brennende Betten“ läuft in 16 Hamburger Kinos

Von KP Flügel. In 16 Hamburger Kinos wird am Sonntag, 12. Dezember, der 1987 unter anderem im Schanzenviertel gedrehte Film „Brennende Betten“ der Regisseurin Pia Frankenberg im Rahmen der Reihe „Eine Stadt sieht einen Film“ gezeigt. Die Hauptrolle spielte der in den 1980er-Jahren populäre Ian Dury. Mit seinen Songs „Hit Me With Your Rhythm Stick“ und „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ hatte er punkig angehauchte Dancefloor-Hits gelandet.

Sabine Jesse-Kniesel war Kostümbildnerin des Films. Sie hatte gerade ein Studium zur Kostüm- und Mode-Designerin an der Armgartstraße abgeschlossen. Mit der Regisseurin war sie privat bekannt. „Pia Frankenberg war eine sehr moderne Frau mit einem guten Zeitgespür. Sie wusste, welche Trends angesagt waren und verfügte über gute Kontakte in alle Kulturszenen. So spielte Frances Tomelty, die damalige Frau des Police-Sängers Sting, eine Hauptrolle.“

„Als Pia mich fragte, ob ich Lust hätte, die Kostüme für ihren Film zu machen, antwortete ich, dass ich noch nie einen Film ausgestattet hatte“, erinnert sich Sabine Jesse-Kniesel. Das sei ihr aber nicht so wichtig gewesen. Viel entscheidender war, dass Pia Frankenberg in ihr eine Person gesehen hatte, die ausgleichend mit schwierigen Persönlichkeiten umgehen konnte. „Die Regisseurin kannte mich als Frohnatur. Ian Dury, so hieß es, sei nicht einfach im Umgang. Mit ihm kam ich aber gut zurecht, auch wenn er durchaus launig, einen sehr englisch-trockenen und manchmal sarkastischen Humor hatte. Das war typisch Achtzigerjahre!“

Zeitgeist der Achtziger

Ian Dury spielte einen Pyromanen und agierte vor der Kamera erstaunlich professionell. „Natürlich hatte er typische Rock-Star-Allüren. Mädels hatten nach seiner Pfeife zu springen“, so Jesse-Kniesel, die das im Jahr 2000 verstorbene New Wave-Idol als eher schüchternen ganz charmanten, netten Kerl kennenlernte. „Wenn man so Kostüme macht, ist man an den Personen ja sehr nahe dran und greift in deren Persönlichkeitssphäre ein.“ Dury habe ihr anfangs gleich gesagt, dass er wisse, welche Sachen er anziehen wolle. Er fragte mich, was mein Freund so trug. Tatsächlich habe ich ihn mit vielen Sachen meines damaligen Freundes ausstaffiert.“
Für Jesse-Kniesel spiegelt der Film den damaligen Zeitgeist.

„Ich habe den Film meinen Kindern gezeigt. Die haben sich köstlich amüsiert, weil sie heute alle Schanzengänger sind. Ganz charmant findet jetzt die Jugend unseren Klamottenlook, der gerade wieder angesagt ist. Lustig finden sie auch die Art, wie wir gesprochen haben und wie außergewöhnlich unser Gebrauch der englischen Sprache war. Als ein Stück damaliger Gentrifizierungsstudie über den Schanzen-Kiez ist der Film durchaus zeitrelevant.“

Heute ist Sabine Jesse-Kniesel nicht mehr als Film-Ausstatterin tätig, sondern arbeitet in ihrem Atelier in der Dosenfabrik an der Stresemannstraße als Kunstmalerin.

>> Kinos und Termine unter www.eine-stadt-sieht-einen-film.de/was-passiert-wo-2021

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