Alt und ein bisschen gammelig: Die Bewohner der Häuser werfen der altoba vor, zu spät gehandelt zu haben. Foto: cvs

Luthergrund: 60 Jahre alte altoba-Häuser werden durch Neubauten ersetzt

Aus für die 57 Jahre alte Rotklinker-Wohnanlage am Luthergrund: Nach Angaben des Vermieters, der Altonaer Spar- und Bauverein e. G. (altoba), soll das gesamte Ensemble (132 Wohnungen) abgerissen und neu gebaut werden. Grund ist die schlechte Bausubstanz der 60er-Jahre-Wohnblocks. „Der Vorschlag ist es, die bestehenden Gebäude sukzessive zurückzubauen und durch Neubauten zu ersetzen“, sagt Silke Kok, Leiterin der Abteilung Kommunikation und Soziales bei der altoba. Damit wolle man unter anderem verhindern, dass die Mieter mehrmals umziehen müssten. Als frühesten Bau- beziehungsweise Abrisstermin nennt die Genossenschaft das Jahr 2024.

Laut Planung sind die neuen Wohnungen barrierefrei, wärmegedämmt und mit Gründächern sowie Fotovoltaikanlagen ausgestattet. Darüber hinaus sollen im Umfeld Nachbarschafts-Treffpunkte sowie Gemüsegärten und eine Wildblumenwiese entstehen. Die Wohnsituation würde sich ohne Zweifel deutlich verbessern. Dennoch gehen viele der – großenteils alteingesessenen – Mieter auf die Barrikaden. „Wir fühlen uns richtig schlecht behandelt“, sagt Frauke Roth, die wie die meisten ihrer Nachbarn ihren richtigen Namen nicht nennen möchte.

Darum geht es genau. Punkt eins: Rund 70 Prozent der Mieter seien bereits im Rentenalter. „Sie würden ihren Lebensabend mit Dreck und Baulärm verbringen müssen“, sagt die Bewohnerin. „Den Umzug in den Neubau würden sie wahrscheinlich gar nicht mehr erleben.“

Punkt zwei: die künftige Miete. Bei einer Mitgliederversammlung Ende Oktober wurde den Teilnehmern ein Aufschlag von zwei bis drei Euro pro Quadratmeter in Aussicht gestellt – offiziell macht die altoba dazu aber keine Angaben. „Ein Großteil von uns würde sich das eh nicht leisten können“, meint Roth. Die Mieter werfen der altoba vor, zu spät gehandelt zu haben. „Man hätte früher sanieren müssen, dort ist seit Jahren nichts gemacht worden“, so die Betroffenen.

Tatsächlich ist Mängelliste für die Gebäude ziemlich lang: Viele der Häuser haben Risse in den Außenwänden, Beton und Fugenmörtel platzen ab und lassen Feuchtigkeit eindringen. Sämtliche Versorgungsleitungen (Elektro, Frisch- und Abwasser) sind überaltert und teils bereits marode. Eine Sanierung – so die altoba – habe man zwar durchgerechnet, dann aber schnell wieder verworfen. „Unter Aspekten der ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit ist ein Neubau eindeutig zu favorisieren“, so Kok. Nach derzeitigem Planungsstand soll der erste neue Wohnblock an Stelle des jetzigen Parkplatzes gebaut werden.

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