Richtig was los: Vor dem Phoenix Center bildete sich in der vergangenen Woche eine über 200 Meter lange Warteschlange von Impfwilligen aus der gesamten Region – Wartezeit vier Stunden! Foto: André Lenthe Fotografie

Noch ein Corona-Winter … auch Hamburg erlebt gerade die vierte Welle der Pandemie. Die Inzidenz liegt bei durchschnittlich 223,2 (Geimpfte: 32,2, Ungeimpfte 715,5) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Stand 24. November), Tendenz steigend. Dass es sich hier um eine „Pandemie der Ungeimpften“ handelt, legen diese Zahlen nahe. Auch dies ein Hinweis: Die überwiegende Zahl der schwer Erkrankten sei nicht geimpft, sagten Mediziner im NDR.
73,8 Prozent aller Hamburger sind vollständig geimpft (Stand 24. November). Da Geimpfte meist keinen schweren Krankheitsverlauf haben, falls sie sich anstecken, zielt das neue Bundesinfektionsschutzgesetz darauf ab, wieviel Schwerkranke vom Gesundheitssystem versorgt werden müssen. Die Hospitalisierungsrate ist hier wichtig: Sie gibt an, wie viele von 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage wegen Corona ins Krankenhaus mussten. In Hamburg stieg sie in den vergangenen Tagen von 1,62 (18. November) auf 2,92 (24. November). 49 Covid-19-Patienten werden auf Intensivstationen behandelt (Stand 22. November).

Neues Infektionsschutzgesetz: Schwellenwert „drei“
Hamburg liegt damit als eines von nur noch zwei Bundesländern mit der Hospitalisierungsrate unter dem neuen Schwellenwert drei. Ab diesem Wert gilt nach dem neuen Infektionsschutzgesetz in einem Bundesland flächendeckend für Veranstaltungen die 2G-Regel, ab einem Wert von sechs „2G plus Negativtest“. Ab einem Wert von neun sollen weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen hinzukommen.
Was tun? Hier hilft nur noch impfen, impfen impfen, findet Bürgermeister Peter Tschentscher: „Entscheidend für die Pandemiebekämpfung bleibt eine hohe Impfquote.“ Für Impfverweigerer ist jetzt Schluss mit lustig: Sie werden durch die 2G-Regel von vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen (das Elbe Wochenblatt berichtete). Auch ein Test nützt dann nichts mehr. Das wird auch kontrolliert. Bei Verstößen drohen Strafen von 150 bis 5.000 Euro. Am vergangenen Wochenende wurden schon 420 Betriebe überprüft, in 50 wurden Regeln nicht eingehalten und Strafen verhängt.
Vom Bus- und Bahnfahren und am Arbeitsplatz werden Ungeimpfte zwar nicht ausgeschlossen – hier gilt 3G –, sie müssen sich aber vor Fahrt und Arbeitsantritt bei einem Testzentrum oder Arzt testen lassen. Ein Selbsttest zuhause reicht nicht.

Die rote Kurve zeigt die Anzahl der täglichen Ansteckungen, die graue den der 7-Tage-Inzidenz in Hamburg seit März 2020. Die vierte Welle ist bei der roten Linie deutlich zu erkennen. Grafik: RKI

Kommt die Impfpflicht für bestimmte Berufe?
Die Zustimmung zu einer Impfpflicht wächst: Mindestens Mitarbeiter in Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeeinrichtungen werden sich vielleicht bald impfen lassen müssen, um Alte und Vorerkrankte nicht in Lebensgefahr zu bringen. Wie hoch die Impfquote beim medizinischen und pflegenden Personal ist, wird in Hamburg nicht erfasst, teilte Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde, mit. Seniorenvertreter sind jedenfalls alarmiert: Wenn „noch heute in den Einrichtungen teilweise nur die Hälfte des Personals geimpft“ sei, dann „müssten die Alarmglocken schrillen“, findet Birgit Przybylski von der Seniorenunion Harburg.
In den Schulen schreitet die Impfkampagne voran. Schüler wollen offenbar auf keinen Fall noch einen Winter am heimischen Schreibtisch zubringen. 46,7 Prozent aller Schüler ab zwölf Jahren haben den Piks schon hinter sich, teilte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde mit. Für alle Schulabschlüsse im kommenden Jahr hat Schulsenator Ties Rabe Erleichterungen angekündigt.
Da die Ständige Impfkommission die Booster-Impfung jetzt für alle ab 18 Jahren empfiehlt und der Druck auf Ungeimpfte steigt, gab es bei den lokalen Impfangeboten, zum Beispiel im Harburger Phoenix Center, ordentlich Andrang mit mehreren Stunden Wartezeit. Die gerade erst geschlossenen Impfzentren für die Auffrischungsimpfungen („Booster-“) wieder zu öffenen ist Sozialsenatorin Melanie Leonhard aber kein Thema. Sie setzt weiter auf Haus-, Betriebs- und Fachärzte, mobile Impfzentren in Pflegeheimen und Stadtteileinrichtungen (Siehe Seite 2).

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