Gut 20 aktive Mitglieder der BRH-Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg üben mit ihren Hunden regelmäßig auf einem früheren Industriegelände an der Alten Schleuse.
Labrador Retriever Fred balanciert sicher über Betonbrocken: Stefan Ossowski trainiert mit Fred die Trümmersuche.
Foto: Bergmann

Auf einem alten Industriegelände an der alten Schleuse üben Rettungshunde der BRH-Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg, wie man Menschen aufspürt

Emma Schulz, WILHELMSBURG. Sie kämpfen sich mit Freude durchs Brombeergebüsch, folgen Spuren notfalls kilometerweit über Asphalt und Steine, klettern unermüdlich über Betonbrocken und wackelige Balken – und haben auch noch Spaß daran: Rettungshunde. Auf einem früheren Industriegelände an der Alten Schleuse trainiert die Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg den Ernstfall.
Rauchschwaden ziehen über das alte Fabrikgelände, das jetzt keines mehr ist. Betontrümmer liegen herum, eingestürzte Wände, kaputte Leitungen und Betonstahl ragen aus der Erde. Immer wieder witternd zieht der schwarze Labrador Retriever Fred durch die Trümmerlandschaft. Er sucht nach Verschütteten.
Sicher bewegt sich Fred über den für die Hundepfoten nicht ungefährlichen Untergrund. Jetzt wird er unruhig, bellt kurz und versucht, so dicht wie möglich an die von ihm gewitterte Person zu gelangen. Es folgt lautes Gebell: Gefunden! Rettungshundeführer Stefan Ossowski – er ist auch Zweiter Vorsitzender der Staffel – ist zufrieden mit seinem Fred und belohnt ihn mit Würstchenstücken, Freds Lieblingssnack: „Gut gemacht!“ Fred hat diese Übung schon zigmal gemacht. Für ihn ist die Suche nach Menschen ein tolles Spiel: Er freut sich, wenn es eine Belohnung gibt und sein Hundeführer zufrieden ist.

Flächensuchhund Parsley wird von Alexandra Robrahn in die Suche geschickt. Foto: Bergmann

Wo es keine Trümmer gibt, kommen Flächensuchhunde zum Einsatz. Sie üben zum Beispiel im Wald, auf Wiesen und Freiflächen, auch nachts, denn der Ernstfall kann auch nach Sonnenuntergang eintreten: Am Rande eines Waldstücks sind Martinshörner zu hören, Blaulichter zucken durch die Nacht. Während Einsatzleiter und Erster Vorsitzender Holger Grinnus im Einsatzleitwagen das Gebiet einteilt und den Suchtrupps ihre Teilgebiete zuweist, rüsten Rettungshundeführer ihre Hunde mit GPS-Sendern, Kenndecken und Glocken aus. Jedes Team besteht im Einsatz aus Hund, Hundeführer und Suchtrupphelfer, der die Technik und den Funkverkehr im Blick hat.
In großen Bögen durchkämmen die Hunde den Wald, suchen menschliche Witterung, winzige Partikelchen, die in der Luft schweben. „Witterung ausarbeiten“, heißt das im Fachjargon. Schließlich ein kräftiges und andauerndes „Wau! Wau! Wau! Gefunden! Australian Cattledog Parsley zeigt Hundeführerin Alexandra Robrahn an, dass sie einen Menschen gefunden hat. Parsley ist zwar erst gerade drei Jahre alt, hat aber schon vor einem Jahr die erste Rettungshundeprüfung bestanden.

Ralf Bergmann und Dackel Earl haben gerade die Mantrailer-Prüfung bestanden.

Vor allem in der Stadt werden Mantrailer eingesetzt: Diese Hunde suchen einen ganz bestimmten Menschen, dessen Geruch sie vorher von einem Kleidungsstück, einem Taschentuch, einem benutzten Kopfkissen aufnehmen, und folgen unermüdlich der Spur dieses Menschen. Wenn es sein muss 10, 15 Kilometer weit.
Zum Beispiel Kurzhaardackel Earl: Zügig kommt der bodennahe Jagdhund aus der Seitenstraße. Er zögert kurz, überprüft die kleine Kreuzung in alle Richtungen und folgt der Geruchsspur. Im Schlepptau hat Earl an einer langen Leine Hundeführer Ralf Bergmann. Sie queren eine Fußgängerzone und biegen ins belebte Einkaufszentrum ein, jagen eine Treppe hinauf, weichen Passanten aus. Earls Nase klebt am Boden, der Geruchssinn arbeitet auf Hochtouren.
Plötzlich stoppt er vor einer Person auf einer Bank, Jubel hallt durch das Einkaufszentrum: Gefunden! Earl hat Teamkollegin Valerie aufgespürt. Während Earl sich über seine Rinderleber-Belohnung freut, gibt es Feedback von den Kollegen: Ralf bekommt noch ein paar Hinweise, was er verbessern könnte. Denn ein Rettungshund lernt ständig dazu. Auch wenn er, wie Earl, die Mantrailer-Prüfung schon bestanden hat.
Bis Hund und Hundeführer das geschafft haben, kann es ganz schön lange dauern. Vier Jahre sind bei einem guten Mantrailer keine Seltenheit, die Ausbildung zum Flächenhund dauert mindstens zwei Jahre, auch die zum Trümmersuchhund. Am Ende stehen mehrere umfangreiche Prüfungen durch den Bundesverband Rettungshunde, bei dem die Staffel Hamburg und Harburg Mitglied ist, die außerdem regelmäßig wiederholt werden müssen. Schließlich müssen Hund und Hundeführer erst zu einem gut funktionierenden Team zusammenwachsen. Damit die Suche auch klappt, wenn aus einem Übungsspiel im Einsatz Ernst wird.

BRH Rettungshundestaffel
Hamburg und Harburg
Tel 0151 26 23 05 83
E-Mail kontakt@rhs17.de

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