Aus dem Stadtteil nicht wegzudenken: Seit 30 Jahren gibt es die Kindervilla Fruchtallee. Foto: Dirk Andresen

Inklusive „Kindervilla Fruchtallee“ steht nach 30 Jahren vor dem Aus

Von Dirk Andresen. Es ist eine Institution mit Vorbildcharakter für die ganze Stadt. Seit 30 Jahren spielen und lernen in der „Kindervilla Fruchtallee“ drei bis sechs Jahre alte Kinder mit und ohne Entwicklungsauffälligkeiten gemeinsam nach dem Prinzip der Inklusion. Jetzt allerdings droht dem kleinen Paradies, wo behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen aufwachsen, das Aus. Der Grund: Der Besitzer der Kindervilla, die Kirchengemeinde der Christuskirche, will den bis 2023 laufenden Mietvertrag nicht verlängern – und hat Eigenbedarf angemeldet.

Auch nach langer, intensiver Suche gelang es der Elterninitiative Kindervilla Fruchtallee e.V. nicht, neue geeignete Räume für das soziale und pädagogische Vorzeigeprojekt zu finden. Jörn Springer, 1. Vorsitzender des Trägervereins: „Im Sommer 2023 läuft unser Mietvertrag aus. Jetzt fürchten wir das Aus für die Kindervilla.“

Äußerst merkwürdig dabei das Gebaren der Kirchengemeinde: Noch im Jahr 2012 schrieb sie als Vermieterin an die Mieter: „Diese inklusive Kindertagesstätte gehört seit 20 Jahren zu Eimsbüttel und ist eine schützenswerte Einrichtung, die wir auf jeden Fall erhalten möchten.“ 2013 versicherte man dann dem Kindervilla-Betreiber, dass der Vermieter nicht plane, die Räume der Kindervilla für sich in Anspruch zu nehmen: „Die Kindervilla Fruchtallee e.V. kann davon ausgehen, dass seine Nutzung des Hauses langfristig gesichert ist.“ Aufgrund dieses Versprechens investierten die Mieter eine hohe Summe für den Krippenausbau und die Schaffung neuer Elementarplätze. Dann der Schock: Ende 2016 kündigte die Kirchengemeinde Christuskirche plötzlich wegen „Eigenbedarfs“. 2021 wurde jetzt endgültig die Beendigung des Mietvertrages verkündet.

Es geht ums Geld

Kitaleiterin Anke Wortmann: „Wir sind bestürzt und fassungslos, wie leichtfertig unser Vermieter, Behörden und Politik den Verlust unserer Kita hinnehmen.“ Jörn Springer: „Dass unser Vermieter nach 30 Jahren ordentlichen Mietverhältnisses und nach umfangreichem Umbau Eigenbedarf anmeldet und auch die Behörden uns bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten keine Unterstützung geben können, erschüttert uns sehr.“

Claudia Dreyer, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates Christuskirche, rechtfertigt das Vorgehen der Kirche wie folgt: „Wir sind noch in Gesprächen mit dem Mieter. Aber wir wurden von der Landeskirche aufgefordert, zu überprüfen, wo wir noch weitere Einnahmen generieren können, weil unter anderem die Einnahmen aus der Kirchensteuer zurückgehen. Und wenn das betreffende Gebäude nicht in Eigenbedarf genutzt wird, geht die Hälfte der Mieteinnahmen an die Stadt.“ Im Klartext: Es geht ums liebe Geld. Und dafür ist die Kirche offenbar auch bereit, ein beispielhaftes soziales Vorzeigeprojekt für Kinder rauszuschmeißen.

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