KiBaHo-Leiter Gerd Horn mit ein paar Ziegen: Insgesamt gibt es dort rund 290 Tiere – von der Farbmaus bis zum ausgewachsenen Pony ist alles dabei. Foto: cvs

Bezirk möchte dort Jugendliche, die nicht mehr zuhause leben können, zeitweilig unterbringen – KiBaHo-Leiter Gerd Horn unterstützt den Vorschlag

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Der Kirchdorfer Kinderbauernhof (KiBaHo) könnte bald zu einem wichtigen Teil der bezirklichen Kinder- und Jugendhilfe werden. Laut einer aktuellen Drucksache der Bezirksversammlung Mitte soll der vor rund 35 Jahren gegründete KiBaHo künftig als „Schnittstellenangebot“ zwischen Schule und stationären Jugendhilfeeinrichtungen fungieren.
Sobald die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, könnten am Stübenhofer Weg schwer beschulbare Kinder und Jugendliche oder solche aus schwierigem Elternhaus zumindest zeitweise unterkommen. Das Jugendamt möchte auf diese Weise erreichen, dass die Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. „Unser Bestreben ist es – in den Fällen, in denen das möglich ist – Angebote für zeitweilige Unterbringungen zu schaffen, in denen wichtige Bezüge für Kinder und Jugendliche erhalten bleiben“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte.
Für den KiBaHo bedeutet diese Nachricht unter anderem eine große Chance auf dauerhafte finanzielle Absicherung. „Ich bin jetzt 67 und werde das sicherlich noch machen, bis ich umfalle“, sagt Leiter Gerd Horn. Trotzdem müsse man an die Zukunft denken. „Der Kinderbauernhof muss solide gemanagt werden. Es ist nicht verkehrt, das Ganze in professionelle Hände zu geben“, so Horn.
Noch fehlt es auf dem KiBaHo an Übernachtungsmöglichkeiten, übernachten müsste Platz für pädagogische Betreuung geschaffen werden. Gerd Horn ist von der Idee angetan. Die Erfahrung zeige ihm, dass Kinder und Jugendliche durch den Umgang mit Tieren positiv beeinflusst würden. „Manchmal dauert es vielleicht ein bisschen, bis der eine oder andere den richtigen Zugang findet. Aber es ist unbestritten, dass das Zusammensein mit Tieren und das Übernehmen von Verantwortung die Kinder ausgeglichener und empathischer macht.“
Auf dem Kinderbauernhof (Öffnungszeiten täglich von 12 bis 18 Uhr) arbeiten zur Zeit fünf Angestellte als Minijobber, die von der Sozialbehörde finanziert werden. Weitere zehn bis 20 Personen arbeiten ehrenamtlich oder als Praktikanten mit. Die Einrichtung finanziert sich großenteils über Spenden, Veranstaltungen (Kindergeburtstage) und über Besuche von Schulklassen. Außerdem gibt es projektbezogene Unterstützung vom Bezirksamt.

Jugendhilfe
Pro Quartal bringt das Jugendamt Mitte durchschnittlich knapp 600 Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr zuhause leben können, in entsprechenden Einrichtungen unter. In rund der Hälfte der Fälle handelt es sich dabei um Orte außerhalb Hamburgs – etwa im Landkreis Dithmarschen oder im Wendland.
„Das wollen wir ändern, weil wir die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen haben und vermeiden wollen, dass neben familiären Beziehungsunterbrechungen auch Freundschaften oder Beziehungen in Schule oder Kita Schaden nehmen“, sagt Weiland. In den vergangenen drei Jahren habe man diese „Unterbrechungen“ bereits reduzieren können.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here