Bei Konzerten von Lotto King Karl ist der Rieckhof stets ausverkauft. Foto: pr

Andreas Göhring, Harburg. Wird es im Rieckhof künftig eine „Wärmestube für Obdachlose“ und einen Raum geben, in dem „Jugendliche ungestört abhängen können“? Das sind zumindest die Vorschläge, die ein so genanntes „Begleitgremium“ für die Zukunft des beliebten Harburger Freizeitzentrums im Seeveviertel hat.
Entschieden ist noch gar nichts. Diese und eine Reihe von anderen Vorschlägen sollen nur die Grundlage für ein Auswahlverfahren sein, mit dem ein neuer Betreiber des Rieckhofs gefunden werden soll. Er soll dann am 1. Juli 2022 einen Neustart wagen.
Im April hatte das Bezirksamt angekündigt, dem Verein „Freizeitzentrum Hamburg-Harburg“ 37 Jahre nach der Eröffnung die Trägerschaft für den Rieckhof zu entziehen. Wer letztlich die Initiative zu diesem Schritt ergriffen hatte, blieb lange unklar. Dann verkündete Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann aber: „Diese Entscheidung haben wir getroffen.“ Ganz ohne Rückendeckung der Bezirkspolitiker wäre das allerdings kaum möglich gewesen. Und so bekannte sich unter anderem Heinke Ehlers von den Grünen zu einer Neuausrichtung des Rieckhofs: „Wir müssen prüfen, welches Konzept für die Zukunft des Stadtteils angemessen ist.“
Aber: Welches Konzept ist angemessen? Das sollte das von Jobmann eingesetzte Begleitgremium klären. Dazu wurden unter anderem der Bezirksseniorenbeirat, der Harburger Integrationsrat und das Studierendenparlament der TU eingeladen. Eingeladen – aber nicht erschienen – war die Fegebank-Behörde, die für die Bezirke zuständig ist. Keine Einladung erhielt dagegen SuedKultur, der lockere Zusammenschluss der Harburger Kulturschaffenden. Diese Initiative hatte sich wiederholt kritisch zur Kulturpolitik des Bezirksamts geäußert.
Nachdem das Begleitgremium seine Arbeit aufgenommen hatte, stellte sich heraus, dass viele der jüngeren Mitglieder überhaupt nicht wussten, worüber sie reden sollten. Sie kannten den Rieckhof nicht, sind noch nie dort gewesen. So ist es kein Wunder, dass einige der Vorschläge in den vorhandenen Räumen nicht umgesetzt werden können. Jörn Hansen, langjähriger Geschäftsführer des Rieckhofs, hat es geahnt. Als neue Konzepte für das Zentrum gefordert wurden, sagte er: „Es nimmt immer noch niemand zur Kenntnis, dass die dafür erforderlichen Räume schlicht nicht vorhanden sind.“
Erstaunlich: Ideen wie eine „Soliküche“, Bildungsmöglichkeiten für Jung und Alt oder niedrigschwellige künstlerische Aktivitäten ähneln dem Angebot des autonomen Zentrums „Sauerkrautfabrik“, das nur einen Steinwurf vom Rieckhof entfernt ist.
Erst nachdem (!) der neue Betreiber Mitte 2022 seine Arbeit aufgenommen hat, soll es „eine umfangreiche Beteiligung der Harburger Bevölkerung“ geben, um das neue Konzept „zu konkretisieren“. Eines scheint schon jetzt schon festzustehen: Der Rieckhof wird dann „Bürgerhaus Harburg“ heißen.

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