Schäden vor der Haustür: Im Eingangspodest ist eine breite Fuge entstanden. Auch die Außenwand hat feine Risse bekommen. Foto: pr

CH. v. Savigny, Wilhelmsburg. Das Ehepaar Simsek lebt gerne in Georgswerder. „Ein ländliches Idyll – und trotzdem ist man in wenigen Minuten in der Hamburger Innenstadt“, bringt Suzen Simsek die Vorteile des Stadtteils auf den Punkt. Seit etwa sechs Monaten verwandelt sich das einstige Eigenheim-Idyll am Niedergeorgswerder Deich jedoch immer mehr in eine Hölle auf Erden: Terrassenfliesen versinken im Erdboden und lassen gefährliche Stolperfallen entstehen, Mauern bekommen tiefe Risse, Fenster und Balkontüren lassen sich auf einmal kaum noch bewegen. „Es ist kaum noch auszuhalten“, sagt Suzen Simsek.
Als Verursacher machen die Bewohner den schlechten Straßenbelag verantwortlich. „Wenn hier ein Laster durchfährt, fühlt es sich an wie ein Erdbeben“, berichten die Simseks. Zunächst sei es nur der Kabelschacht vor dem Haus gewesen, dessen Deckel hochstand. Nachdem die Telekom diesen Missstand behoben habe, sei es jedoch keineswegs besser geworden. Im Gegenteil: Die durch den Autoverkehr verursachten Erschütterungen ließen Stufen absacken und so große Fugen entstehen, dass mittlerweile sogar Mäuse durchs Haus flitzten. Nur am Wochenende habe man einigermaßen Ruhe.
Die Simseks, die seit 2004 am Niedergeorgswerder Deich wohnen, fordern eine schnelle Straßensanierung oder zumindest vorerst ein Tempolimit. Trotz etlicher Telefonate und E-Mails mit dem Bezirksamt sei der Erfolg bisher gleich null gewesen. „Es tut weh, dass die Stadt spart, und wir dafür die Rechnung zahlen müssen“, sagen sie.
Die Chancen auf Hilfeleistung oder Wiedergutmachung stehen schlecht: „Inhaltlich sieht unser Rechtsamt keine Aussicht auf Erfolg, da der Stadt, dem Bezirk oder auch – wegen Tempolimit – der Innenbehörde kein schuldhaftes Fehlverhalten vorgeworfen werden kann“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte. Somit liege keine Amtspflichtverletzung vor, weshalb ein Schadensersatzanspruch gegen die Stadt Hamburg ausscheide. „Ebensowenig würden wir einen Gutachter bezahlen“, so Weiland weiter. Grundsätzlich läge es in der Verantwortung des Eigentümers, das Gebäude so zu errichten und zu unterhalten, dass es auf Basis der Anforderung des Baugrunds und der Umgebung standsicher sei.

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