Strom vom Dach: Die Photovoltaik-Anlage auf dem Neubau neben der Paul-Gerhardt-Kirche versorgt seit diesem Sommer die Mieter mit Sonnenenergie.Foto: EnergieNetz Hamburg

Paul-Gerhard-Gemeinde liefert mit Energie-Genossenschaft günstigen Solarstrom an ihre Mieter

Die Paul-Gerhardt-Gemeinde beliefert seit diesem Sommer 28 Mieter mit günstigem Solarstrom von einem Hausdach. Dieses gehört zu einem Mietshaus neben der Kirche, das von der Gemeinde barrierefrei unter anderem für Menschen in schwierigen Lebenslagen oder mit Unterstützungsbedarf gebaut wurde, Stichwort: lebenswerter Wohnraum für alle mit guter Ökobilanz. Das neue 160 Quadratmeter große Solardach soll ein – freiwilliger – Beitrag zum Klimaschutz sein.

Wie funktioniert das? Das Kontrukt ist bestechend einfach: Die Kirchengemeinde vermietet ihr Hausdach an die Genossenschaft EnergieNetz Hamburg ENH. Die plant, finanziert und baut auf dem Dach eine Solaranlage und wird sie in den kommenden 20 Jahren auch betreiben. Den erzeugten „Strom vom eigenen Dach“ können die Mieter von der Genossenschaft günstig kaufen.

Reicht der erzeugte Strom nicht aus, kauft die Genossenschaft Ökostrom von geprüften Anbietern dazu. Wird mal zuviel produziert, speist die Anlage für einen festgelegten Preis ins Energienetz ein. Vorteil für die Mieter: Sie müssen sich um nichts kümmern, kommen auch ohne eigenes Dach an günstigen Solarstrom.

Mindestens zehn Prozent billiger

Knapp 30 Kilowatt leistet die neue Anlage. Im vergangenen Jahr wurde immerhin die Hälfte des von den Mietern benötigten Stroms vom Solardach erzeugt, übers Jahr gerechnet wird es wohl ein Drittel sein, nimmt Ava Augsten von ENH an. Wieviel günstiger ist der Strom? „Der Preis liegt mindestens zehn Prozent unter dem örtlichen Grundversorger-Tarif.“

Tatsächlich machen fast alle 28 Mietparteien mit. Da ENH eine Genossenschaft ist, können die Mieter außerdem Anteile kaufen und selbst Miteigentümer „ihrer“ Solaranlage werden. Etwa zehn Prozent der Mieter machen das, meistens, weil sie „die Energiewende voranbringen“ wollen, so Augsten. Insgesamt gehören 320 Mitglieder zur Genossenschaft, die auch Projekte zum Beispiel beim Eimsbütteler Turnverband ETV und beim Handwerkerhof Ottensen unterhält.

Gemeinde will ökologisch handeln

Was treibt eine Kirchengemeinde, als Vermieter aufzutreten und sich um die Energieversorgung der Mieter zu kümmern? Man wollte etwas Nachhaltiges für die Gemeinschaft umsetzen, sagt Pastorin Miriam Knierim, habe deshalb soziale Aspekte beim Bauen berücksichtigt. Die Gemeinde wolle ökologisch handeln, habe sich dafür einen Partner gesucht. EnergieNetz Hamburg gehe es als Genossenschaft nicht nur um Profit, sondern auch um Nachhaltigkeit.
Könnte das ein Modell für andere sein? ENH-Vorstandsmitglied Matthias Ederhoff findet schon: Der von ENH erstellte Solaratlas (www.hamburgenergie.de/ueber-uns/energieerzeugung/solaratlas/) zeige: Viele der bisher ungenutzten Hamburger Dächer wären für Solaranlagen geeignet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here