1925/26 musste die 1893 erbaute Sternbrücke erneuert und verbessert werden, um der Belastung durch den zunehmenden Eisenbahnverkehr gerecht zu werden. Foto: Altonaer Stadtarchiv Vacano

Von Reinhard Schwarz

ALTONA/EIMSBÜTTEL. Fast ein Jahrhundert tat sie ihre Dienste, indem sie einfach da war: die Sternbrücke. Seitdem aber bekannt wurde, dass die 1925/26 in ihrer jetzigen Gestalt errichtete Brücke durch einen Neubau ersetzt werden soll (siehe unten), kämpfen zahlreiche Gruppen im Schanzenviertel und in Altona um den Erhalt des denkmalgeschützten Baus.
Ursprünglich verlief die Bahnlinie, die ab 1866 Hamburg und das damals noch selbstständige preußische Altona verbinden sollte, ebenerdig. Die offizielle Bezeichnung lautete „Hamburg-Altona-Verbindungsbahn“. Die Züge dampften quasi durch die Wohnviertel. Das ging wohl eine Zeit lang gut. „Aufgrund des zunehmenden Verkehrs entstand 1893 die erste eiserne Sternbrücke, eine Vollwandbalken- und Fachwerkbogenbrücke mit reich verziertem Geländer“, erläutert der Denkmalverein Hamburg in einer Stellungnahme zur Historie der Sternbrücke. „Schon nach wenigen Jahrzehnten konnte die Brücke jedoch die steigenden Verkehrslasten nicht mehr tragen, so dass 1925/1926 der Neubau der heutigen Konstruktion erforderlich war – ein kühnes Vorhaben angesichts der engen Wohnbebauung und des weiterlaufenden Bahnverkehrs.“

75 Meter Länge, 17 Meter Breite, aufgelöst in zwei Brückenelementen
In dieser Epoche des Eisenbahn-Booms entstanden in zeitlich kurzem Abstand die Bahnhöfe Holstenstraße (1893), Dammtor (1903) und Hauptbahnhof (1905), damals noch als wilhelminische Pracht- und Repräsentationsbauten. Der neue Altonaer Bahnhof war bereits 1895 in Dienst genommen worden, obwohl die gesamte Anlage erst 1898 offiziell eingeweiht wurde.
Die Sternbrücke „ist 75 Meter lang und 17 Meter breit und ist aufgelöst in zwei Brückenelementen mit je zwei Gleisen“, erläutert der Denkmalverein in seinem Plädoyer für den Erhalt des Bauwerks. „Die Formensprache ist streng aus dem Werkstoff und der Konstruktion abgeleitet und die Gestaltung anspruchsvoll.“ Bei der Übergabe 1926 wurde die Brücke als „Glanzleistung deutscher Technik“ gefeiert. „Verwendet wurde hochfester Stahl St 48, eine besonders gute Stahlqualität, die von der Bahn in der Zeit überall neu eingesetzt wurde.“ Die hohe Qualität des Stahls sei auch der Grund dafür, dass die Brücke noch eine lange Lebensdauer habe.
Nach Auffassung der Deutschen Bahn hingegen hat „das Bauwerk nach rund 100 Jahren in Betrieb das Ende seiner technischen Nutzungsdauer“ erreicht. Die Bedeutung des Eisenbahn Booms im 19. Jahrhundert erläutert ein Autor in dem Buch „Preußen – Politik, Kultur, Gesellschaft“: „Der Eisenbahnbau wurde zum Antriebsrad der Industrialisierung Preußen-Deutschlands, indem er direkt oder indirekt eine enorme Steigerung der Eisen- und Kohleproduktion nach sich zog.“ Insofern handelt es sich bei der Sternbrücke um ein technisches Denkmal der Industrialisierung, für dessen Ersatz auch noch zahlreiche andere ältere Bauten geopfert werden müssten.

Die Pläne der Bahn
Nach den Plänen der Deutschen Bahn AG (DB) soll nicht nur die alte durch eine neue Eisenbahnbrücke ersetzt werden, sondern für die Installation des Neubaus müssten auch benachbarte historische Häuser abgerissen werden. Die Implantierung der neuen Brücke bedeutete auch das Aus für die seit Jahren bestehende Klub-Szene mit der Astra-Stube, dem „Fundbureau“ und dem „Waagenbau“.

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