Party fast wie früher: Tanzen soll bei 2G-Veranstaltungen für Geimpfte und Genesene wieder ohne Maske und Abstand möglich sein. Foto: André Lenthe Fotografie

Kleine Freiheit: Ab dem heutigen Sonnabend gilt, wer in sein Geschäft oder seine Veranstaltung nur Geimpfte und Genesene lässt, darf wieder die volle Kapazität ausschöpfen und die Maskenpflicht entfällt – beim Tanzen, aber auch bei Sportveranstaltungen. St. Pauli und HSV stehen noch in den Startlöchern, kämpfen noch mit organisatorischen Problemen. Nach anderthalb Jahren Corona-Krise zeigen sich jetzt Langzeitfolgen der Pandemie: das Long Covid Syndrom sowie Personalmangel im Hotel- und Gastgewerbe.
Unterdessen hat sich herausgestellt, dass Kinder weit weniger ansteckend sind als gedacht. Das haben Forscher der Berliner Charité in einer Studie herausgefunden, die vergangene Woche im Uniklinikum Eppendorf vorgestellt wurde. Der Grund: Kinder atmen nicht so kräftig und pusten dadurch weniger Aerosole in die Luft als Erwachsene: 2,8-mal weniger beim Atmen, 5,9-mal weniger beim Sprechen, 13,4-mal weniger beim Singen. Entscheidend ist der sogenannte „Schalldruckpegel“, also der Druck beim Ausatmen.
Trotzdem haben viele Eltern Angst, dass ihre Kinder unter zwölf sich – zum Beispiel bei ungeimpften Erwachsenen – anstecken könnten: Für sie gibt es immer noch keine Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Impfungen bald in Vereinen möglich?
Für alle anderen gehen die Impfungen weiter: Die Sozialbehörde ruft jetzt Vereine und andere Organisationen auf, Impfaktionen zu organisieren: Schließlich könnten sie viele Ungeimpfte erreichen, denen der Weg zum Impfen weiter geebnet werden soll (Impftermine in den Stadtteilen siehe Infotext Seite 4). Dafür soll es zwei Möglichkeiten geben, entweder zusammen mit einem niedergelassenen Arzt oder mit einem mobilen Impfteam der Behörde. Vereine, die geeignete Räume haben, können sich unter corona@soziales.hamburg.de melden.
Hotels und Gaststätten in Hamburg leiden weiter unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Eine Situation, die verschärft wird, weil viele Beschäftigte im Zuge von Lockdown, Kurzarbeit und Jobverlust der Branche den Rücken gekehrt haben. Die Folge: Vielen Betrieben fehlt jetzt das Personal, um wieder Einnahmen zu erzielen.
Nach Ansicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG ist aber nicht nur Corona schuld: „Der Grund für diese prekäre Situation liegt ganz klar bei den niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen“, sagt Silke Kettner von der NGG. So verdiene selbst eine ausgelernte Fachkraft nach Tarifvertrag heute gerade einmal 11,07 Euro pro Stunde. Dazu kämen unbezahlte Mehrarbeit und Arbeitszeiten, die das Privatleben schwierig machten. Kettner: „Wenn sich das nicht ändert, wird es auch für die Betriebe keine gute Zukunft geben.“

Bis zu ein Drittel Long-Covid-Betroffene?
Ob sie überhaupt je wieder arbeitsfähig sein können, fragen sich viele, die eine Corona-Infektion zwar überstanden haben, aber noch monatelang über Herzklopfen, Kurzatmigkeit, eingeschränkte Lungenfunktion, chronische Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Denken, Depressionen und Schlaflosigkeit leiden. „Long Covid“ oder auch „Post-Covid-Syndrom“ PCS wird das genannt. Betroffene klagen über bis zu 200 verschiedene Symptome.
Man nimmt an, „dass es sich allein in Hamburg um 10.000 bis 25.000 Menschen handelt“, schreibt die „Zeit“: Nach internationalen Studien könnten sogar 10 bis 30 Prozent der ehemals Infizierten betroffen sein. Deutsche Mediziner, zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, schätzen den Anteil in einer gerade erschienenen Leitlinie auf 15 Prozent. Kinder sind eher selten betroffen, haben britische Forcher laut Ärzteblatt herausgefunden.
Die DAK hat inzwischen eine Long-Covid-Hotline (Telefon 325 32 59 22, mo bis fr 9 bis 14 Uhr, auch für Versicherte anderer Krankenkassen) eingerichtet. Dort informieren Gesundheitsberater über Behandlungsmöglichkeiten.

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