O‘Donoghue‘s Pub in Dublin. Foto: Wikimedia/Kglavin

Neues vom Nachbarn – Wochenblatt-Kolumne von Oliver Lück

Jetzt, wo man ja auch mal wieder in die Kneipe gehen darf, mal eine Geschichte von damals, als wir Kinder waren. Vielleicht 30 oder 35 Jahre her, nicht allzu lange, aber trotzdem eine ganz andere Zeit.

Das Fernsehen sendete nicht ununterbrochen. Es gab noch Telefonzellen, aber noch keine CD-Player, die man mit einer Fernbedienung auf Trab halten konnte. Es gab eine TV-Werbung, in der Maiskolben zu Radetzky marschierten – jeder kennt die Zeilen heute noch auswendig: „Bonduelle ist das famose Zartgemüse aus der Dose!“ Und in meinem Heimatdorf – nicht weit von Hamburg – gab es tatsächlich noch eine echte Kneipe, die unseren schon damals eher gesichtslosen Ort mehr prägte als alles andere: das Fiasko.

Beinahe täglich war ich dort. Viele Jahre. Und irgendwann machte ich mir auch keine Gedanken mehr über den etwas schrägen Namen. Nur dann, wenn Freunde von außerhalb zu Besuch kamen und sich lustig machten, fiel es mir wieder auf. Wo treffen wir uns? Zur Happy Hour im Fiasko – wo sonst!?

Es ist ja gar nicht so einfach, einen guten Namen für eine Kneipe zu finden. Ähnlich wie bei einem Hund. Kurz und einprägsam sollte er sein. Vielleicht sogar ein bisschen witzig. Einmal, nun auch schon wieder zehn Jahre her, war ich in einem irischen Pub namens He`s not here.

Das ist ein extrem guter Name für eine Kneipe. Und überhaupt: Wer durch Irland fährt, wird sich irgendwann über die lustigen Namen der Pubs freuen und vielleicht ein wenig wundern.

Hier nur eine kleine Auswahl: Talk of the Town. Come In. Dry Dock. Welcome Stranger. Fight Pub. The Hairy Lemon. Preacher’s Pub. Und: The Hungry Monk. The Fat Monk. The Dead Monk – und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Natürlich sind auch Tiere sehr beliebt im ländlichen Irland: The Drunken Duck. The Dirty Pig. The Big Pig. The Flying Pig. The Pink Elephant. Oder einfach The Horse, The Sheep oder The Pig. Treffen wir uns später noch auf ein Bier im Schwein?

Einmal wurde ich beim Betreten einer Kneipe in Portrush in Nordirland mit dieser Frage begrüßt: „Bist du ein Terrorist?“ Kurzes Schweigen. Dann korrigierte sich der lustige Kerl: „Ich meinte natürlich: Bist du ein Tourist?“ Er lachte und lachte und lachte. Als Einziger. Und der Name des Pubs passte irgendwie: Nobodys Inn.

 

Oliver Lück.
Foto: www.heiderose-gerberding.com

Oliver Lück

… ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Der Strandsammler
(Rowohlt Verlag, 144 Seiten)

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

> www.lueckundlocke.de

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