Ein Stück altes Fischbek - die „Rauchkate“ ist in Gefahr. Das bedauert auch Besitzer Klaus Passau.Foto: WIT

W. Wittenburg, Süderelbe. Sehr ruhig liegt die rund 300 Jahre alte reetgedeckte 10 mal 16 Meter große Fischbeker Rauchkate am Stremelkamp im Herzen von Fischbek. Doch die Idylle trügt: Sollte sich nicht noch in letzter Minute ein Kaufinteressent mit der Bereitschaft zur Sanierung fehlen, droht der Abriss. Ein entsprechender Antrag wurde schon eingereicht. Das größte Problem: Die Kate ist stark mit Schadstoffen belastet.
Das wurde schon 2019 von der Behörde für Stadtentwicklung in einer Machbarkeitsstudie für rund 80.000 Euro untersucht. Dennis Imhäuser, Pressesprecher des Bezirksamts Harburg: „Dabei sind vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe festgestellt worden.“ Das Haus sei „großflächig“ belastet, und die Wände könnten dies ausdünsten, wovon Menschen krank werden könnten.
Marianne Kurzer, Sprecherin der Behörde für Kultur und Medien und damit des Denkmalschutzamtes, bestätigt den Abrissantrag. Man suche aber trotzdem weiter nach Käufern, die die Rauchkate erhalten wollen. In der Machbarkeitsstudie seien zwei mögliche Nutzungen genannt worden – „Wohnen“ gehört aber nicht dazu: Die Rauchkate könnte zur Sport- oder Veranstaltungskate umgebaut werden. Eventuell könnten stark durch Ruß belastete Flächen abgedeckt werden, was aber noch mit Fachleuten geklärt werden müsste.
Das Haus gehört Kraftfahrer Klaus (72) und Rita Passau (70). Klaus Passaus Großeltern hatten sich das kleine Bauernhaus gekauft und mit viel Eigenarbeit und noch mehr Fleiß gepflegt – damals stand es allein auf einer Wiese, mit einer prächtigen Birke davor. Bis vor zwei Jahren wohnte „Tante Mine“ darin: Hermine Passau war bekannt in Fischbek, und: „Niemals war sie krank, hat nie Tabletten nehmen müssen – und ist stolze 95 Jahre alt geworden“, erinnert sich Rita Passau.
Die Passaus wohnen nebenan, übernahmen das Häuschen vor 18 Jahren. Als „Tante Mine“ vor zwei Jahren starb, war klar, behalten wollten die Eheleute das Häuschen nicht. Sie beließen darin alles wie bei Tante Mine – sogar ihr Gehstock hängt noch über dem Stuhl in der Küche. Museumsdörfer wie am Kiekeberg und in Bliederstorf bei Stade zeigten Interesse, aber das Denkmalschutzamt stimmte einem Ab- und Aufbau nicht zu. Zuletzt war vor einem Jahr ein junges Ehepaar da, das sich die Kate gut als Familienhaus vorstellen konnte. Doch daraus wurde nichts.
„Wir haben Vorschläge gemacht und hatten einige Ideen, aber ich glaube, das sind hier alles Schätze, die wohl keiner haben will“, sagt Klaus Passau enttäuscht.

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