Idylle mit Kletterpflanzen: das kleine „Chauffeurshäuschen“ war offenbar dem Villenbau im Weg. Foto: PR

von Jörg Marwedel, Flottbek

Architekt Bastian Grell wirbt damit, „mit einer großen Verbundenheit zu den Elbvororten“ dafür sorgen, „dieses besondere Milieu mit stilvoller Architektur zu prägen“. Gemeinsam mit seinem Partner Christian Kröncke sei er „fest verankert mit der Hansestadt Hamburg“ Man lebe die „Werte und Tugenden Hamburger Kaufleute“. So steht es auf der Website der Immobilien-Entwickler Grell&Kröncke. Viele Anwohner der Polostraße in Klein Flottbek bezweifeln diese Selbsteinschätzung.

Was war geschehen? Auf einem 3.010 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Heimburgstraße, das Grell&Kröncke erworben hat, um darauf vier Villen zu bauen, wurde vergangene Woche das sogenannte Chauffeurshäuschen nebst Garage abgerissen. Dabei lag auf Initiative von 30 Anwohnern ein Antrag vor, das reetgedeckte Häuschen unter Denkmalschutz zu stellen. Grell und Kröncke kamen einer Entscheidung des Denkmalschutzamtes aber zuvor, indem sie das Häuschen liquidierten. Sogar die herbeigerufene Polizei konnte das nicht verhindern, da das Gartenhaus zum Zeitpunkt des Abrisses eben noch nicht unter Denkmalschutz stand. Rechtlich sei das zulässig, sagen Juristen.

Es sei „sehr bedauerlich, dass das Ergebnis dieser Prüfung nicht abgewartet wurde“, sagte Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde. Man hätte ja womöglich „einen gemeinsamen Weg zum Erhalt des Hauses gefunden“. Die „Nacht-und Nebel-Aktion“, so heißt es in einem Schreiben der Anwohner, habe vor allem das Ziel gehabt, „eine möglichst große verkaufbare Fläche zu schaffen“. Zudem habe man Sorge, dass auch mehr als hundertjährige Bäume auf dem Grundstück ohne Genehmigung gefällt oder beschädigt würden, um das Bauvorhaben umzusetzen. Überhaupt fallen bei den Anwohnern Worte wie „Frevel“ oder „Unding“.

Grell&Kröncke-Geschäftsführer Christian Kröncke, sagt dazu: „Die großen Alleebäume sind ein prägendes Merkmal der Lage und sollen erhalten bleiben.“ Man habe in der Vorentwurfsphase „umfangreiche Baumgutachten und Wurzelsuchgrabungen durchführen lassen, um unsere Planung mit dem vorhandenen Baumbestand in Einklang zu bringen“.
Sollten trotzdem Bäume unerlaubt gefällt werden, sieht die Hamburgische Baumschutzverordnung Bußgelder für diese „Ordnungswidrigkeit“ bis zu 50.000 Euro vor. Zurzeit liegt ein Bauantrag vor, der sich noch in der Prüfungsphase befindet. Es sind Befreiungen vom Planrecht beantragt, was womöglich auch einige Bäume betrifft. Die Anwohner haben angekündigt, das Grundstück genau im Blick zu behalten und „um jeden gefährdeten Baum zu kämpfen“.

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