Foto: Aktion-Groß-Sand-bleibt

Seit fast einem Jahr verhandelt das Erzbistum Hamburg mit Interessenten über einen Verkauf des Wilhelmsburger Stadtteilkrankenhauses Groß-Sand. Jetzt scheint sich eine ökumenische Lösung anzudeuten. Die Immanuel Albertinen-Diakonie und die St. Franziskus-Stiftung Münster möchten Groß-Sand gemeinsam betreiben.
Außerdem streben beide eine komplette oder teilweise Übernahme der Ansgar-Gruppe an – eines Verbunds der katholischen Krankenhäuser Marienkrankenhaus Hamburg, Kinderkrankenhaus Wilhelmstift und des Marien-Krankenhaus Lübeck, Gesellschafter sind der Erzbischöfliche Stuhl zu Hamburg und das Erzbistum Hamburg.
Die Verhandlungspartner haben in einem so genannten Letter of Intent ihre Absicht zu ernsthaften Verhandlungen bekräftigt. „Beide Seiten bitten insofern um Verständnis, dass zwischen den Verhandlungspartnern vereinbart wurde, zum Stand der Gespräche vorerst keine weiteren Auskünfte zu erteilen“, heißt es in einer Mitteilung des Erzbistums.
Vom Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg wird die neue Entwicklung vorsichtig positiv bewertet. „Damit steigt die Chance, das Haus mit seinen für die Versorgung im Hamburger Süden unverzichtbaren Grundelementen zu erhalten: Als ein allgemeines Krankenhaus der Grund – und Regelversorgung mit einer Notfallversorgung rund um die Uhr. Jederzeit auf kurzem Wege erreichbar für die Menschen im Stadtteil und Notfälle in den zahlreichen umliegenden Betrieben – unabhängig vom Stau auf den Elbbrücken“, sagt Manuel Humburg. „Von der Stadt darf jetzt erwartet werden, den jahrelangen Investitionsstau zu überwinden. Über die angekündigten 20 Millionen für einen neuen OP hinaus muss in bedarfsgerechte und nachhaltige Versorgungsstrukturen für den Hamburger Süden investiert werden.“
>> Am 14. September findet auf Einladung des Vereins Zukunft Elbinsel im großen Saal des Bürgerhauses, Mengestraße 20, ab 18 Uhr eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Groß-Sand statt. Das Erzbistum hat eine Teilnahme zugesagt, ebenso die Sozialbehörde, der Geschäftsführer von Groß-Sand sowie die gesundheitspolitischen Experten von SPD, CDU, Grünen und Linken.

Stimmen aus der Politik
Claudia Loss (SPD-Gesundheitsexpertin): „Die Immanuel Albertinen Diakonie ist ein freigemeinnütziger Partner, auf den sich die Hamburgerinnen und Hamburger in der hiesigen Krankenhauslandschaft stets verlassen konnten. Es bleibt jetzt abzuwarten, welche Pläne und welches Konzept die neuen Träger für das Krankenhaus haben. Eines ist klar: Die Stadt Hamburg wird die reservierten zwanzig Millionen Euro an Investitionsmitteln nur für ein realistisches und tragfähiges Konzept bereitstellen können.“
CDU-Gesundheitsexperte Stephan Gamm: „Mit dem Albertinen Krankenhaus übernimmt ein freier Krankenhausträger den Betrieb, der in Hamburgs Krankenhauslandschaft bereits lange fest verankert und für seine hohen Gesundheits- und Sozial-Standards bekannt ist. Wilhelmsburg als wachsender Stadtteil braucht auch in Zukunft ein leistungsfähiges Krankenhaus und das wird mit der heutigen Entscheidung sichergestellt.“
Deniz Celik (Gesundheitsexperte der Linken): „Es ist gut, dass es für die Beschäftigten und die Menschen auf der Elbinsel wieder Hoffnung gibt. Denn alles ist besser als eine Schließung. Entscheidend ist jetzt, dass die Grund- und Regelversorgung erhalten bleibt. Das erwarten wir von dem neuen Träger und dafür müssen wir uns weiterhin einsetzen.“

Hintergrund:
Die Immanuel Albertinen Diakonie ist am 1. Januar 2019 aus dem Zusammenschluss des Albertinen-Diakoniewerks in Hamburg und der Evangelisch-freikirchlichen Immanuel Diakonie in Berlin hervorgegangen. Ihre Gesellschaften und Einrichtungen sind in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen aktiv. Die rund 6.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Immanuel Albertinen Diakonie erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 580 Millionen Euro. Der Sitz des Unternehmens ist Hamburg.

Die gemeinnützige St. Franziskus-Stiftung Münster ist eine der größten konfessionellen Krankenhausträgerinnen in Deutschland. Die Stiftung ist verantwortlich für derzeit 15 Krankenhäuser mit über 4.000 Betten und neun Behinderten- und Senioreneinrichtungen in den Ländern Nordrhein-Westfalen und Bremen. Darüber hinaus hält sie Beteiligungen u. a. an ambulanten Rehabilitationszentren, Pflegediensten und Hospizen.

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