Melina Schmerse (15) aus Rönneburg ließ sich in ihrer Schule impfen. Sie freut sich, dass sie nun nicht mehr so viele Tests machen muss. „Außerdem schütze ich so meine Oma.“ Foto: André Lenthe Fotografie

Die zahlenmäßig größte noch nicht gegen Corona geschützte Risikogruppe – Kinder und Jugendliche – wird nach langem Zögern jetzt geimpft: Nachdem die Ständige Impfkommission STIKO die Impfung vor drei Wochen auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen hat, hat die Schulbehörde nachgezogen.
Drei Harburger Schulen waren zuerst am Start. Dort können sich – freiwillig – alle Schüler ab zwölf Jahren in Begleitung eines Sorgeberechtigten von mobilen Impfteams der Sozialbehörde impfen lassen – und müssen dann auch nicht mehr an den Tests in den Schulen teilnehmen. Begleitende Eltern können sich ebenfalls den schützenden Piks abholen. Geimpft wird mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech, nach drei Wochen ist die zweite Impfung vorgesehen.

Weitere allgemeinbildende Schulen sollen folgen, jene zuerst, die in Stadtteilen mit niedriger Impfquote liegen. Bisher wurde nur an Berufsschulen geimpft, da dort ältere Schüler lernen, viele schon volljährig sind, so dass sie allein entscheiden können, ob sie sich schützen lassen wollen.
Eltern, die ihre Kinder impfen lassen möchten, bevor die eigene Schule das anbietet, können sich in fünf Hamburger Krankenhäuser (siehe Infotext S.3) Impftermine holen, nachdem das Impfzentrum Messehallen am vergangenen Dienstag aus Kostengründen und mangels Auslastung geschlossen wurde. Für besonders gefährdete Kinder mit Vorerkrankungen hat das Asklepios Klinikum Nord ein Kinderimpfzentrum eingerichtet, falls das Kind nicht – wie empfohlen – bei einem Arzt geimpft werden kann.

Die Impfquote bei den 12- bis 17-Jährigen liegt inzwischen wohl schon bei über 20 Prozent. Wieviele Hamburger insgesamt geimpft sind, ist dagegen wieder unklar: Mindestens 70.000
Impfungen wurden von Haus- und Betriebsärzten nicht wie vorgeschrieben beim Robert-Koch-Institut gemeldet. Grund: Man habe Schwierigkeiten mit der Technik gehabt, entschuldigt die Kassenärztliche Vereinigung KV das Versäumnis. KV-Chef Walter Plassmann machte einen weiteren Hemmschuh fürs Impftempo bei Ärzten aus: Es müssten erst ausreichend Impfwillige „gesammelt“ werden, bis vom Kassenarzt eine Spritze aufgezogen werden könne. Denn jede Ampulle enthält mehrere Dosen. Plassmann: „Es wäre enorm hilfreich, wenn die Impfdosen künftig einzeln angeliefert würden, wie es bei anderen Impfungen die Norm ist.“ Dann könnte schneller geimpft werden.

Ungeschützt bleiben weiter Kinder bis zwölf Jahre, auch jene, die in Kitas und Grundschulen mit vielen anderen, mit Erziehern, Betreuern und Lehrern zusammen sind. Denn für sie ist immer noch kein Impfstoff offiziell zugelassen. Schulsenator Rabe empfiehlt: „Der beste Schutz für Kinder unter zwölf Jahren gegen Corona-Infektionen, aber auch gegen die Einschränkungen des alltäglichen Lebens, besteht darin, dass sich die Erwachsenen in größtmöglicher Zahl impfen lassen.
Immerhin ist ein kindgerechter so genannter Lolli-PCR-Test auf dem Markt. Nachteil: Die Auswertung des Tests muss in Labors durchgeführt werden, dauert mindestens etwa 24 Stunden. Die Schulbehörde startete am Montag trotzdem solche Tests an neun Grund- und Sonderschulen mit Vorschulklassen vor allem im Bezirk Mitte, darunter die Schule auf der Veddel und die Wilhelmsburger Schulen Elbinselschule, die Grundschule Kirchdorf, die Schule an der Burgweide und die Grundschulabteilung Stübenhofer Weg. Nach drei Monaten will man sehen, ob die Lollitests nützlich sein können, sagt Anja Segert, Sprecherin der Sozialbehörde.
In Kitas werden sie nur angewendet, wenn die Einrichtung sie mit eigenem Geld anschafft. Die Stadt bezahlt wöchentlich zwei der üblichen Antigen-Schnelltests. Segert: „Das Verfahren sieht vor, dass die Kinder zu Hause getestet werden, das heißt, bevor sie sich in die Einrichtung begeben – und logischerweise den Weg in die Einrichtung nicht antreten, wenn das Ergebnis positiv ausfällt.“ Das sei besser, als in der Kita andere anzustecken, bis das Ergebnis des aufwendigeren Lollitests da ist.

 

Kurzes Partyvergnügen: Polizei und Gesundheitsamt kontrollierten die 120 Feiernden und machten den Klub nach zwei 2G-Stunden dicht.
Foto: André Lenthe Fotografie

Ein anderer „Versuch“ läuft jetzt eine Woche, bei steigenden Inzidenzzahlen: Trotz viel Kritik können Hamburger Veranstalter und Gastronomen weiter die Anwendung der so genannten 2G-Regel beantragen: Sie lassen nur Geimpfte und Genesene zur Veranstaltung oder ins Lokal und müssen das auch kontrollieren, dürfen im Gegenzug wieder die volle Besucherzahl ohne Abstandsregel und Sperrstunde einlassen. Das klappte mäßig gut: Schon nach zwei Stunden am ersten Tag im 2G-Betrieb war zum Beispiel das „Blankenese: Kiezinternat“ von Inhaber Said Abou-Chabab auf dem Kiez in der Großen Freiheit 10 wieder dicht, berichtete die Mopo. Kontrollen durch Polizei und Gesundheitsamt hatten ergeben: Der Betreiber hat ungeimpftes Personal beschäftigt und offenbar nicht alle 120 Gäste kontrolliert, so dass einige Ungeimpfte unter den Feiernden waren. Rund 300mal wurde am vergangenen Wochenende eine 2G-Genehmigung bei der Stadt beantragt.

Corona-Zahlen

Die Sieben-Tage-Inzidenz (Anzahl der durchschnittlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) liegt bei 91,4 (Stand 31. August). Derzeit (Stand: 30. August) befinden sich 49 Personen wegen Corona auf Hamburger Intensivstationen.
Laut Robert-Koch-Institut sind bislang 1.642 Menschen in Hamburg an Corona gestorben (Stand: 30. August).
Bis zum 30. August waren mindestens 1.174.388 Hamburger vollständig geimpft.
An Schulen gab es in den vergangenen zehn Tagen 455 Corona-Infektionen, 437 Schüler, 15 Schulbeschäftigte (Stand 27. August). Für 78 Klassen (Vorwoche 63) wurde Quarantäne angeordnet.

Welche Impfstoffe gibt es?

In Deutschland sind bisher vier Impfstoffe von den Herstellern Biontech (Impfstoff: Corminaty), Moderna (Spikevax), Astra Zeneca (Vaxzevria) und Johnson&Johnson (Janssen) zugelassen. Alle vier sind so genannte „genbasierte Impfstoffe“, das heißt: Ein Gen, also ein Stück Erbgut des Virus, wird in den menschlichen Körper gebracht. Er kann anhand dieses Baupläne „Antigene“ als Waffen gegen das Virus entwickeln. Mit dem menschlichen Erbgut, der RNA, hat das aber nichts zu tun.
Zwei Impfstoffe, Corminaty und Spikevax, sind so genannte „mRNA-Impfstoffe“: Sie sind auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. MRNA-Impfstoffe enthalten gar keine Viren sondern nur ein – an sich harmloses – Gen in Form so genannter „Messenger-RNA“ des Corona-Erregers. Anhand dieses „Corona-Bauplans“ stellen die Körperzellen Abwehstoffe her.
Die beiden vektorbasierten Impfstoffe Jansson und Vaxzevria sind nur für Erwachsene ab 18 Jahren zugelassen. Sie werden vorzugsweise bei älteren Menschen eingesetzt, weil sie von ihnen offenbar besser vertragen werden. Bei den Vektorimpfstoffen wird ein harmloses Virus als Transportmittel, „Vektor“ genannt, verwendet, um ein – harmloses – Gen des Coronavirus‘ in den Körper zu schleusen. Daraufhin produziert der Körper eine zeitlang ein Antigen, dass auch gefährliche „echte“ Coronavieren abtöten kann.

Wo gibt es Corona-Impfstationen?

Bei Redaktionsschluss standen diese Termine fest:

>> AWO
Gefionstraße 3
Sa 4. September, Uhrzeit nicht angegeben
Biontech und Einmalimpfstoff Johnson&Johnson

>> FC St. Pauli Stadion, Millerntor, Harald-Stender-Platz 1
So 5. September, 12 – 19 Uhr
Biontech (nur Zweitimpfung) und Einmalimpfstoff Johnson&Johnson

>> Elbe Einkaufszentrum
Osdorfer Landstraße 131-135
So 5. September, 15 – 18 Uhr
Biontech (nur Zweitimpfung) und Einmalimpfstoff Johnson&Johnson

>> Christuskirche Othmarschen
Roosens Weg 28
Mo 6. September, 9 – 15 Uhr
Biontech und Einmalimpfstoff Johnson&Johnson

>> Kirchengemeinde Stellingen
Molkenbuhrstraße 6
Mo 6. September, keine Zeit angegeben
Biontech und Einmalimpfstoff Johnson&Johnson

>> Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook
Schenefelder Landstraße 200
Mi 8. September, 13 – 19 Uhr
Biontech (nur Zweitimpfung) und Einmalimpfstoff Johnson&Johnson

>> Impfungen für Kinder: Altonaer Kinderkrankenhaus (12-17 Jahre), AK Nord Langenhorn (ab 12), AK Harburg (ab 12), im Agaplesion Diakonie Klinikum Eimsbüttel (ab 15), Bethesda Bergedorf (Kinder ab 15).

Terminvergabe unter Telefon 116 117

> www.hamburg.de/corona-impfstationen

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