Auf der frisch sanierten Straße befinden sich jede Menge Spurrillen und Unebenheiten. Foto: andre lenthé fotografie

Olaf Zimmermann, Harburg. Jetzt hat auch der Bezirk Harburg eine Fahrradstraße. Auf der Denickestraße haben zwischen der Technischen Universität und der Weusthoffstraße nun erstmals Radfahrer Vorrang. Durch die Diagonalsperre an der Gazertstraße und die Kehre am Wilhelm-Busch-Weg wird der Durchgangsverkehr aus der Denickestraße herausgehalten. Die Herrichtung der 820 Meter langen Fahrradstraße hat zehn Monate gedauert und rund eine Millionen Euro gekostet.
Die Denickestraße ist Teil der Veloroute 11 und somit eine wichtige Hauptroute für den Radverkehr. Die 17,5 Kilometer lange Veloroute 11 verbindet die Hamburger Innenstadt über Wilhelmsburg mit dem Bezirk Harburg. Von der Süderelbbrücke aus führt die Route über Hannoversche Straße, Harburger Ring, Eißendorfer Straße und Denickestraße bis hin zur Triftstraße.
„Fahrradstraßen bieten ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort für Radfahrende und sind somit ein echter Motor der Mobilitätswende“, lobte sich Mobilitätswendesenator Anjes Tjarks.
Erste Kritik an der Heimfelder Fahrradstraße kommt ausgerechnet von Radfahrern. Die Straße gleiche einem Flickenteppich und habe viele Unebenheiten. Je kleiner die Räder, desto heftiger seien die Erschütterungen. „Unglaublich, was die in zehn Monaten Bauzeit hier hingelegt haben“, hadert Radfahrer Günter Sivers.
Wie kann das sein? Laut Bezirksamt soll der Belag tatsächlich so sein wie er jetzt ist. Der Zustand der Straße habe keine Grundsanierung erfordert. Wegen des Unterbaus aus Kopfsteinpflaster sei eine einfache Sanierung nicht möglich gewesen. Deswegen wurde eine besondere Methode angewandt. „In diesem Verfahren werden Risse, Schlaglöcher und andere Unebenheiten mit einer speziellen Gussasphaltmixtur abgezogen und somit verfüllt und versiegelt“, erklärt Sandra Stolle (Pressestelle Bezirksamt Harburg). „Um diese Versiegelung zu unterstützen, werden die Gussasphaltbahnen mit einer Überlappung von zehn Zentimetern aufgebracht.“ Die so entstandenen Überlappungskanten sind ein „zeitlich begrenztes optisches Manko“ und werden sich „erfahrungsgemäß mit der Zeit abrunden“.

Welche Regeln gelten in einer Fahrradstraße?
>> Radfahrer dürfen nebeneinander fahren.
>> Das Zusatzeichen „Anlieger frei“ macht deutlich, das Autos weiterhin zugelassen sind, sofern es sich um Fahrzeuge von Anwohnern oder Besuchern handelt. Autos sind hier Gäste und haben auf den Radverkehr stets besondere Rücksicht zu nehmen.
>> An Einmündungen gilt nicht mehr die Vorfahrtsregelung „rechts vor links“. Stattdessen ist der in die Denickestraße einbiegende Verkehr nunmehr wartepflichtig!
>> Tempo 30 gilt unverändert.
>> Die 4,60 Meter breite Fahrgasse dient dem Fahrverkehr. Seitlich wurden mit weißen Linien 0,75 Meter breite Sicherheitsstreifen abgetrennt. Parkende Autos sind künftig rechts vom Sicherheitsstreifen abzustellen.

Leserin Ewelina Pleban-Wassiliadis kommentiert: „Dass die Kritik ausgerechnet von Radfahrern kommt, ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Noch mehr Kritik kommt jedoch von uns Anwohnern dieser Straße – und das ist sehr bedauerlich.
Es ist unfassbar zu lesen, wieviel der Umbau gekostet haben soll (unsere Steuergelder wohlgemerkt!), wenn man bedenkt, dass sich im Zuge dessen so viel zum Negativen verändert hat. Schon vor dem Umbau war die Parkplatz-Situation katastrophal. Für eine ganze Siedlung mit rund 300 Wohnungen wurden gerade mal knapp über 30 Stellplätze in der Tiefgarage gebaut.
Nach dem Umbau können wir Anwohner beinahe gar nicht mehr hier parken. Wir werden seitdem regelmäßig von der Polizei behelligt und erhalten Strafzettel!
Wie soll man vernünftig parken, wenn die Parklätze von Autos blockiert werden, die nicht zugelassen sind und auch nicht abgeschleppt werden?! Es wäre schön, wenn sich jemand darum kümmern würde, dass diese Wagen abgeschleppt werden. Statt dessen läuft die Polizei jeden Morgen die Denickestraße entlang, um Strafzettel an die Anwohner zu verteilen.
Durch die Fahrradstraße haben sich die Parkplätze um mehr als die Hälfte halbiert und niemand hat uns Anwohner gefragt. Es wurde einfach beschlossen und umgesetzt. Ich kritisiere, dass die Anwohner nicht informiert, geschweige denn gefragt worden sind.
Egal, wie sehr wir uns über die Vorteile einer solchen Straße freuen (weniger Lärm, gut für das Klima etc.), bleibt die Parksituation unerträglich. Sollte dieses durch die Hintertür dazu führen, dass die Anwohner ihre Autos abschaffen? Anders können wir uns das nicht erklären.

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