Das Beispiel Braunschweig: So sieht eine moderne Straßenbahn aus. Foto: pr

Zu teuer, zu aufwendig, viel zu lange Bauzeit: „Initiative Elbtram“ formiert sich.

Von Dirk Andresen. Nur noch wenige Monate, dann startet Hamburg das seit Jahren größte Bauprojekt der Hansestadt: Von Bramfeld über die City Nord an den Jungfernstieg und von dort über Eppendorf, Eimsbüttel und Stellingen zu den Arenen im Volkspark soll die neue U5 täglich mehr als 300.000 Fahrgäste befördern – doch jetzt gerät das Mammutprojekt immer mehr in die Kritik. Viel zu teuer, mit 15 Jahren eine viel zu lange Bauzeit und letztlich auch zu umweltfeindlich, so die Hauptkritikpunkte, mit der zum Beispiel die Bürgerplattform „Initiative Elbtram“ fordert, statt einer U-Bahn-Linie eine moderne Stadtbahn auf der neuen Strecke zu bauen.

Norbert Holtz, Sprecher der Bürgerinitiative sagt: „Das gesamte Projekt U5 dürfte weit über acht Milliarden Euro kosten, unfassbar viel, wenn man das mit den Kosten einer adäquaten Straßenbahn vergleicht, da würden die Baukosten für die gleiche Strecke gerade mal bei 500 Millionen Euro liegen. Und die Bauweise wäre zudem erheblich umweltfreundlicher als beim Bau einer U-Bahn im Schildvortriebverfahren.“

Und die vom Senat und HVV gerade frisch kolportierten Fahrgastzahlen hält Holz ebenfalls für nicht korrekt: „Da wurde schön nach oben frisiert, im Oktober erscheint eine neue Studie, die von deutlich niedrigeren Zahlen ausgeht.“ Was Holz ebenfalls anprangert: Die unfassbar aufwendige Bauweise für die neue U-Bahn-Trasse: „Da werden jahrelang bis zu 20 Meter und noch tiefere Baustellen über 200 Meter Länge wie schwärende Wunden auf Hamburgs Straße klaffen. Der Verkehr in unserer Stadt wird dadurch noch viel chaotischer.“

Allein für eine neue Station am Jungfernstieg müssten zehn Prozent der Binnenalster jahrelang trocken gelegt werden. Damit nicht genug, auch die neuen Stationen auf der zweiten Streckenhälfte über Uni/Bezirksamt, Hoheluft, Gärtnerstraße, UKE, Siemersplatz, Hagenbeck, Sportplatzring, Stellingen und schließlich an den Arenen werden im zweiten Bauabschnitt mindestens sechs Jahre Bauzeit und etliche Milliarden verschlingen. Holtz: „Fertig ist dort vor Mitte der Dreißigerjahre nichts. Logistisch und kostenmäßig ein abenteuerliches Unterfangen.“

Als Beispiel für eine kluge, umweltfreundliche und günstige Lösung preist Holtz dagegen diverse relativ neue Stadtbahnen in französischen Städten an: „Dort wurden für einen Bruchteil der hier zu erwartenden Kosten mehrere sehr effektive und vom Konzept her sehr viel kostengünstigere, attraktivere und umweltfreundliche Straßenbahnen gebaut.“

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