hias Strelow im Innenhof der Bernstorffstraße 117. Foto: cvs

St.-Pauli-Gewerbehof wehrt sich weiter gegen Übernahme durch Investor

Von Christopher von Savigny. Sie haben Benefizkonzerte veranstaltet, private Kredite organisiert und bei etlichen Banken vorgesprochen: Rund sieben Millionen Euro haben die Gewerbetreibenden des Handwerkerhofs in der Bernstorffstraße 117 durch viel Fleiß, Einsatzbereitschaft und Kreativität zusammenbekommen. Eine geradezu unglaubliche Summe – vor allem, wenn man bedenkt, dass die wenigsten der etwa 110 Handwerker und Beschäftigten über größere Summen verfügen dürften.

Doch das Rückkaufangebot für das rund 4.700 Quadratmeter große Grundstück von 2017 wurde vom Investor abgelehnt. Allerdings wollen sich die Betroffenen damit nicht zufrieden geben. „Wir werden den Eigentümern ein neues Angebot unterbreiten“, sagt Matthias Strelow, zweiter Vorsitzender des Vereins „Viva la Bernie“. „Gemeinsam mit Mäzenen, Stiftungen, der Stadt Hamburg und vielen solidarischen Kreditgebern wollen wir den Kauf des Hinterhofs stemmen. Dass wir dazu in der Lage sind, haben wir schon einmal bewiesen,“ so Strelow.
Rückblick: Im Sommer 2017 war der mittlerweile auch überregional bekannt gewordene Gewerbehof, in dem neben Baufirmen, Umzugsunternehmen, Tischlereien und Autowerkstätten auch (Musik-)Künstler wie Fettes Brot und Rocko Schamoni zu Hause sind, von einem Berliner Investorenduo aufgekauft worden (das Elbe Wochenblatt berichtete). Seither sucht die zu dem Zweck gegründete Initiative „Viva la Bernie“ nach Wegen, das drohende Aus für das Nutzerkollektiv zu verhindern.

Die Gegenseite hüllt sich in Schweigen

Die meisten der ansässigen Handwerker kennen sich seit Jahren, wenn nicht sogar seit Jahrzehnten. Anfallende Reparaturen an den Gebäuden übernehmen die Nutzer im Regelfall selbst – dafür waren die Mieten stets günstig. Nun hängt alles in der Schwebe – auch weil keiner der Gewerbetreibenden einen langfristigen Vertrag hat. Strelow, Betreiber einer homöopathischen Praxis vor Ort, betont allerdings, die Käufer hätten sich stets fair verhalten: „Uns wurde zugesichert, dass es während der Verhandlungen keine Mieterhöhungen geben wird.“ Über die Summe, die „Bernie“ bieten will, möchte der Co-Vorsitzende nicht sprechen.
Auch die Gegenseite hat sich derzeit Stillschweigen auferlegt: „Ich möchte im Moment nicht spekulieren, da wir uns noch mitten in Gesprächen befinden“, sagt Matthias Onken, Berater der beiden Geschäftsleute Christoph Möll und Alexander Reschke aus Berlin. Allerdings habe man den Betroffenen schon einmal einen neuen Mietvertrag inklusive Vorkaufsrecht angeboten. Dies hätten die Nutzer jedoch abgelehnt.

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