Fordert eine ausreichende Finanzierung für soziale Einrichtungen: Kristin Alheit (Paritätischer Wohlfahrtsverband Hamburg). Foto: Paritätischer Hamburg

Suchthilfezentrum Lukas: Sozialverbände kritisieren städtische Politik der gedeckelten Budgets

Carsten Vitt, Hamburg-West

Wohnt selber in Lurup: Klaus Wicher (Sozialverband Deutschland) fordert, dem Lukas Suchthilfezentrum mehr Geld zu zahlen.
Foto: SoVD Hamburg

Im Lukas Suchthilfezentrum in Lurup bekommen Menschen Unterstützung, die mit einer Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Drogen zu kämpfen haben. Der Bedarf ist gestiegen, nicht zuletzt durch die Folgen der Corona-Pandemie. Aber das Angebot von Lukas musste eingeschränkt werden, weil der finanzielle Spielraum kleiner wird. Das Geld, das Lukas jährlich von der Stadt Hamburg für seine Arbeit bekommt, reicht nicht aus (das Elbe Wochenblatt berichtete). Die Kosten steigen, unter anderem für Personal – die gezahlte Summe bleibt aber gleich.

Diese Politik gleichbleibender Budgets wird von Sozialverbänden seit Langem kritisiert. „Im sozialen Bereich kämpfen wir seit Jahren immer wieder gegen Deckelungen, Planungsunsicherheiten und Befristungen an, was die Arbeit erschwert und zulasten der KlientInnen geht“, sagt Kristin Alheit, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hamburg.

An die psychischen Folgen gerade bei Menschen, die
vorher schon psychisch
am Limit waren, wird
zu wenig gedacht

Kristin Alheit,
Paritätischer Wohlfahrtsverband

„Suchthilfe ist generell unterfinanziert und muss auf eine neue Finanzbasis gestellt werden“, betont Klaus Wicher, Vorsitzender des Sozialverbands Deutschland in Hamburg. Zum Beispiel sollten die Zahlungen an die Einrichtungen jährlich steigen, um Tariferhöhungen beim Personal zu bezahlen. Alheit und Wicher sind sich einig, dass die Stadt Hamburg gerade jetzt mehr für soziale Beratung und Hilfsangebote ausgeben müsste. Die Corona-Monate mit Einschränkungen des Alltags haben bei vielen Menschen Spuren hinterlassen.

„Gerade was das Thema Sucht betrifft, weiß man, dass die Pandemie mit eingeschränkten Kontakten, Homeoffice und pausierenden Hilfsangeboten für viele Menschen und Familien eine zu große Belastung war und sie ihre Sucht viel schlechter oder gar nicht mehr im Griff haben“, so Alheit. Politisch sei einiges getan worden, um finanzielle Folgen abzufedern. „An die psychischen Folgen gerade bei Menschen, die vorher schon psychisch am Limit waren, wird allerdings zu wenig gedacht. Es bräuchte gerade jetzt ein verstärktes Beratungs- und Therapieangebot, um diese Menschen und ihre Familien wieder zu stabilisieren und diejenigen, die durch die Ereignisse in der Pandemie erstmalig in eine Sucht oder schwere psychische Erkrankung gerutscht sind, schnell wieder rauszuholen.“

Für zusätzliche Angebote und mehr Geld sieht die Sozialbehörde bisher keinen Anlass. Wicher dazu: „Die Stadt macht es sich sehr einfach, an gedeckelten Beträgen festzuhalten. Es dauert lange, aus einer Suchtproblematik rauszukommen, daher brauchen betroffene Menschen eine intensive und kontinuierliche Hilfe, zu der Beratungsstellen wie Lukas in die Lage versetzt werden müssen. Eine Behandlung muss sofort und zügig erfolgen und darf nicht an Wartelisten wegen Einsparungen scheitern.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here