Im Stadtteilgesundheitszentrum Poliklinik Veddel wird seit Anfang Mai geimpft. Foto: cvs

Olaf Zimmermann, Veddel. Vor zwei Wochen lagen die Corona-Inzidenzen auf der Veddel nach NDR-Angaben bei über 350 – der Spitzenwert in Hamburg. Wie läuft auf der Veddel der Kampf gegen die Corona-Pandemie? Nachgefragt bei Jonas Fiedler, Arzt in der Veddeler Poliklinik.

Gibt es an der Poliklinik Corona-Schutzimpfungen? Seit wann? In welchem Umfang wird geimpft? Könnten Sie mehr verimpfen? Woran fehlt es: an Personal bei der Poliklinik, an Impfstoff oder an Impfwilligen?

​Seit Anfang Mai führen wir im Impfzentrum der Poliklinik Veddel Corona-Schutzimpfungen durch. Der Umfang hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, die sich im Laufe der Zeit auch verändert haben. Anfangs mangelte es zum Teil noch an Impfstoff, später war es vor allem ärztliches Personal, das uns fehlte, da die Ärzt*innen ehrenamtlich gearbeitet haben und wir so nicht immer alle Schichten besetzen konnten und in der jüngeren Vergangenheit war auch auf der Veddel der Rückgang in der Impfbereitschaft zu spüren, wobei wir diese nach wie vor als recht hoch einschätzen und zuletzt auch auch wieder ein Anstieg zu verzeichnen war.

Impfaktionen der Sozialbehörde mit mobilen Teams finden auf der Veddel gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang statt. Halten Sie weitere Impfangebote auf der Veddel für erforderlich? Welche Standorte wären geeignet? Auch die Stadtteilschule?

​Lokale Impfaktionen hat es vor allem deutlich zu spät gegeben. Viel früher hätte man aktiv in stark betroffene Stadtteile gehen müssen, um dort die Menschen zu impfen, wie dies beispielsweise in Bremen geschehen ist. Den Erfolg sieht man dort jetzt an der hohen Impfquote. Generell haben wir ja ein niedrigschwelliges Impf-Angebot auf der Veddel geschaffen, so dass die Lösung eher in der Unterstützung unseres Vorhabens gelegen hätte, als in einem weiteren Angebot.
Generell sollte bei lokalen Impf-Angeboten immer eruiert werden, inwiefern mit lokalen Initiativen zusammengearbeitet werden kann. Das schafft Vertrauen und Erreichbarkeit. Jetzt wo die STIKO auch die Impfungen für 12-17-Jährige frei gegeben hat, ist die Stadtteilschule sicherlich ein spannender Ort, an dem man viele potentiell Impflinge erreichen kann.

Die offizielle Impfkampagne scheint die Menschen auf der Veddel nur teilweise zu erreichen. Was lief falsch? Wie lässt sich das noch ändern?

​Im Allgemeinen war die Informationspolitik von offizieller Seite sehr dürftig. Erst ca. ein Jahr nach Beginn der Pandemie wurde beispielsweise mehrsprachiges Informationsmaterial herausgegeben. Auch wurde sich zu wenig damit auseinandergesetzt, über welche Kanäle man die Menschen am besten erreichen kann. Bei der Impfkampagne war das nicht anders. Was wir jedoch erlebt haben, dass sich unser Ansatz, das Impfzentrum gemeinsam mit Bewohner*innen der Veddel umzusetzen, auf vielen Ebenen bezahlt gemacht hat. Die Personen vor Ort haben nicht nur beim Ausfüllen der Anamnesebögen geholfen, sondern darüber hinaus auch für eine breite Bekanntheit und Akzeptanz des Impfzentrums im Stadtteil gesorgt.
Ähnliches haben wir beim Corona-Infostand erlebt, mit dem wir ein Mal pro Woche im Stadtteil über aktuelle Corona-Themen informiert haben. Diese Art der Informations- und Aufklärungsarbeit, die die Menschen in ihrem Alltag abholt, war vor allem dann erfolgreich, wenn Multiplikator*innen aus dem Stadtteil mit am Stand aktiv waren. Genau so müssen Informationsangebote auch in Zukunft organisiert sein – niedrigschwellig und unter Einbeziehung der Community.

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