Claus Günther bei einem Schulbesuch. Foto: archiv

Zeitzeuge Claus Günther (90) wurde vom Bayerischen
Rundfunk in der Reihe „Zeuge der Zeit“ porträtiert

Der Bayerische Rundfunk hat in seiner Reihe „Zeuge
der Zeit“ ein Portrait über Claus Günther gedreht. „Dieser
Film ist gewissermaßen mein Vermächtnis“, sagt der 90-Jährige.
Der gebürtige Harburger hat viel zu erzählen. Seine Vorbilder hießen Hitler, Göring und Goebbels. Seine Schulbücher waren bebildert mit Helden in Naziuniformen. Er hat gesehen, wie am Abend des 10. November 1938 die Harburger Synagoge in der Eißendorfer Straße brannte. Nicht einmal acht Jahre alt war er damals. Sein Vater hatte SA-Uniform an und trug die Fahne des Trupps, der zur Synagoge marschierte.
Nach Kriegsende erfuhr Claus Günther, dass seine eigenen jüdischen Nachbarn im Konzentrationslager ermordet wurden. Bis heute schämt er sich dafür, als Zehnjähriger jene Nachbarn antisemitisch beschimpft zu haben.
Seit vielen Jahren ist Claus Günther gerade durch diese Erkenntnisse ein Kämpfer für Demokratie und mahnt, stets wachsam zu beobachten, was im eigenen Umfeld geschieht: „Das Schlimme ist: Es waren sogenannte normale Menschen: Der Friseur, der da die Synagoge mit zerstört hat. Das ist es also, was eine Diktatur mit Menschen machen kann.“
Heute lebt Günther, der vor Corona regelmäßig an Poetry-Slams im Literarurcafé Mathilde teilnahm und dabei nicht selten gewann, in Stellingen. Als Zeitzeuge berichtet er in Schulen über die Schrecken der Nazi-Zeit; darüber, wie es war, als Bomben auf Hamburg fielen. Gerade erst war er, noch gehandicapt durch die Folgen eines Sturzes, zu einem Gespräch mit Schülern nach Heimfeld in Friedrich-Ebert-Gymnasium gekommen.
Vor der im September anstehenden Bundestagswahl hat Claus Günther zwei Befürchtungen: „Ich fürchte, dass die AfD hinzugewinnt und dass die Parteien, egal wie die Wahl ausgeht, die Probleme nicht in den Griff bekommen. Wir Menschen haben es geschafft, aus Bequemlichkeit und Unwissenheit, die Umwelt und die Erde binnen weniger Generationen so nachhaltig zu ramponieren, dass uns die Probleme über den Kopf gewachsen sind – wir kriegen sie nicht gelöst!“

>> Der Sendetermin des Portraits über Claus Günther steht noch nicht fest. In der Mediathek kann der Film bereits angeschaut werden.

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