Gibt die Hoffnung nicht auf: Der Hamburger Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Dr. Achim Ahrendt steht einem längst fertiggestellten Brücke-Teil der Hybridfähre. Foto: wit

Endgültiges Aus der Traditionswerft droht. Letzte Hoffnung:
Der Bund könnte Abschlag für sein in Auftrag gegebenes Saugbagger-Schiff zahlen

Wolfgang Wittenburg, Neuenfelde. Die Hoffnung, dass der Betrieb auf der traditionsreichen Pella Sietas-Werft weitergehen kann, schwindet. „Die Kassen sind leer. Der Zeitraum fürs Insolvenzgeld ist für viele Mitarbeiter abgelaufen, und die Auftraggeber sind zu Recht verärgert“, fasst Insolvenzverwalter Achim Ahrendt die Lage zusammen. Der Insolvenzantrag sei viel zu spät gestellt worden. Das Management haben statt dessen auf 68-Millionen Euro aus dem Corona-Hilfsfonds gehofft. „Das macht mich wütend, denn es ist blanke Zockerei um die 68-Millionen-Karotte ohne jede Rücksicht auf die Belegschaft“, so der Rechtsanwalt.
Erst Ende Juli hatte Pella Sietas Insolvenz angemeldet. Direkt danach kündigten über 70 Beschäftigte, da sie drei Monate keinen Lohn erhalten hatten. „Es ist schade um jeden Einzelnen, denn damit ging auch wichtiges Fachwissen“, sagt Betriebsrat Georg Netuschill. Unter der Belegschaft herrscht großer Zusammenhalt. „Hier sind Leute, die Knowhow haben, die Schiffe bauen und die unbedingt arbeiten wollen“, sagt Georg Netuschill, der in den 1980er Jahren bei der Sietas-Werft Schiffbauer gelernt hat. Allerdings sei die Stimmung unter den aktuell 222 Beschäftigten und vier Auszubildenden „gedrückt“. Alle stellen sich die bange Fragen: „Ist Rettung in Sicht? Was wird nun?“
„Wir brauchen eine schnelle Entscheidung der Auftraggeber, um den Fortbestand dieser Werft zu sichern“, sagt Emanuel Glass (IG Metall Region Hamburg). Von den vier Auftraggebern werden zwei eher nicht helfen: Für den Bau einer Bodensee-Fähre hat die Stadt Konstanz als Auftraggeber bereits signalisiert, das Schiff lieber in der Region bauen lassen zu wollen. Und der Auftrag für einen Eisbrecher kommt vom Pella-Stamm-Unternehmern aus St. Petersburg, von wo keine Hilfe erwartet wird.
Am schnellsten könnet die Arbeit an einer modernen Hybridfähre, ein Auftrag der Norden-Frisia Reederei, aufgenommen werden. Weil der vereinbarte Liefertermin von Pella Sietas nicht eingehalten werden kann, will Norden-Frisia ein vereinbartes Rücktrittsrecht ausüben.
Bleibt als letzte Hoffnung der Auftrag des Bundes für den Bau eines Saugbagger-Schiffs „Behörden können vieles, aber nicht unbedingt schnell. Und wir brauchen eine Anschubfinanzierung binnen 14 Tagen“, sagt Dr. Ahrendt. Wenn dies nicht gelingt, droht Anfang Oktober das endgültige Aus für die Neuenfelder Werft.

1 KOMMENTAR

  1. Sietas war der letzte Anker des „richtigen“ Schiffbaus in HH, in guten Jahren mit 10 bis 13 vollausgestatteten Dampfern pro Jahr. Das soll erst mal Einer nachmachen.
    Dann hat die liebe HSH Nordbank den Alten rausgejagt und die beiden familienfremden HSH Manager reingesetzt. Jeder konnte sich ausmalen, dass es schief geht. Eine Werft ist nunmal kein Bahnhofskiosk.
    Bitter f. die loyale Belegschaft, und ihr Jahrzehnte lang erworbenes Fachwissen und Können geht verloren. Schade

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