Horst Becker (2. v. l.), Vertrauensperson des angestrebten Bürgerbegehrens, will – unter anderem – mit Wolfgang Gerlach, Peter Schreiber und Wolfgang Düvel (v. l.) den Bau von rund 17 Vonovia-Gebäuden auf Grünflächen stoppen. Foto: pr

Ein Bürgerbegehren soll geplante Nachverdichtung mit bis zu 300 Wohnungen rund um den Redingskamp verhindern

René Dan, Eidelstedt

Seit Jahren rumort es im und rund um das sozial benachteiligte Eisenbahnerviertel in Eidelstedt: Der Wohnungskonzern Vonovia plant dort eine Bebauung mit bis zu 300 Wohnungen. Jetzt haben Eidelstedter die Unterlagen für ein Bürgerbegehren eingereicht, um die Nachverdichtung zu verhindern. Motto: „Eisenbahnerviertel retten – Vonovia-Pläne stoppen.“ Das Elbe Wochenblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Ausgangslage?
Das Eisenbahnerviertel liegt zwischen der Eisenbahntrasse, der Elbgaustraße und der Lohkampstraße/Eidelstedts Zentrum. Der „Bebauungsplanentwurf Eidelstedt 76“ (kurz: B-Planentwurf), den das Bezirksamt mit Unterstützung von Grün-Schwarz in die Wege geleitet hat, ermöglicht in einem Teil dieses Bereichs eine Bebauung. Hierzu fand eine sogenannte „Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“, in der Bürger in ihre Anliegen einbringen konnten, statt. Deren Ergebnisse werden ausgewertet. Über den Bebauungsplan entscheidet die Bezirksversammlung, in der Grün-Schwarz die Mehrheit hat.

Dem Eisenbahnerviertel droht eine Gettobildung
Horst Becker,
Sprecher des Bürgerbegehrens

Was ist geplant?
Vonovia plant am Redingskamp und an weiteren Straßen neue Gebäude zu errichten. Dabei sollen bis zu 300 Wohnungen entstehen. Laut Eimsbüttels Bezirksamtssprecher Kay Becker sei vorgesehen, auf „Garagen und Parkplätzen zu bauen, um die zusätzliche Versiegelung von Grünflächen zu vermeiden“. Zudem sehe der B-Planentwurf die „Schaffung von Kita, Gemeinschaftsräumen, Ärztehaus“, einem öffentlichen Spielplatz und bessere Wegeverbindungen vor. Dem Bezirkssprecher zufolge werde das Ziel verfolgt, unterschiedlich große Wohnungen anzubieten, damit „Wohnraum für junge und alte Alleinstehende, Paare und Familien geschaffen werden kann“.

Warum ist die Nachverdichtung erforderlich?
Ali Mir Agha, Fraktionschef der Grünen: „Da wo Flächen versiegelt sind – weil Garagen zum Beispiel vor allem als zweite Keller genutzt werden – macht es Sinn, Wohnungen zu bauen.“ Die Fällung alter Bäume lehnt Mir Agha ab. Nach der Auswertung der Bürgerbeteiligung im Rahmen des B-Planverfahren solle mit dem Investor verhandelt werden: „Ich glaube nicht, dass Vonovia zu 100 Prozent bekommt, was es will.“ Er wolle einen „Deal“ mit Vonovia, der zu einer Verbesserung in den bestehenden Wohnungen und in der Umfeld führt. Ähnlich Bezirkssprecher Becker: Das Eisenbahnerviertel komme für eine Nachverdichtung in Frage, „da es aufgrund der bisher geringen baulichen Dichte geeignet ist“ und sich gleichzeitig eine Verbesserung der Wohnumgebung anbiete.

Was sagen die Kritiker?
„Ich mache mir sorgen um das Quartier und den Stadtteil“, so Horst Becker, Sprecher des Bürgerbegehrens. Bereits jetzt reiche die Infrastruktur nicht aus. „Es gibt bei Kitas eine ellenlange Warteliste und es fehlt auch an ausreichenden Grundschulklassen.“ An Ärzten mangele es ebenfalls bereits jetzt. Wenn aber „durch die Nachverdichtung 1.000 bis 1.500 weitere Menschen ins Eisenbahnervierteil ziehen, droht eine Gettobildung“, warnt Becker. Mit Blick auf die vielen Neubauprojekte im Stadtteil sagt Ini-Mitglied Peter Schreiber: „Eidelstedt geschieht eine große Ungerechtigkeit.“
Kritiker des Bauvorhabens verweisen zudem auf die „Vernichtung großer Grünflächen und alter Bäume“. Es käme zu mehr Verkehr und weniger Sicherheit für Kinder.

Wer sind die Initiatoren?
Sie kommen aus Eidelstedt: Sprecher des Bürgerbegehrens ist der jetzt parteilose Horst Becker, er saß als Grüner in der Bürgerschaft. Vertrauensperson Frank Döblitz war langjähriger CDU-Bezirksabgeordneter und Uwe Koßel SPD-Bürgerschaftsabgeordneter.

Wer unterstützt die Ini?
Die SPD begrüßt das Bürgerbegehren. Bezirksfraktionschef Gabor Gottlieb: „Wir sind der Meinung, dass das Eisenbahnerviertel eine solche Nachverdichtung nicht verträgt.“ Und: „Vonovia ist kein verlässlicher Partner für Hamburg.“

Wie geht es weiter?
Horst Becker rechnet mit einer schwarz-grünen Mehrheit für die Nachverdichtung. Daher gelte: „Wir haben ein Bürgerbegehren gestartet, um Zeit und Geld zu sparen – ein Bebauungsplanverfahren kosten einen sechsstelligen Betrag.“
Wenn das Bezirksamt grünes Licht für das Bürgerbegehren gibt, haben die Aktivisten rund sechs Monate Zeit, um rund 6.000 Unterschriften zu sammeln. Horst Becker rechnet mit einem Erfolg: „Viele Menschen kennen Vermieter wie Vonovia und wollen nicht, dass sie noch mehr Einfluss in der Stadt bekommen.“
In diesem Fall müsste sich die Bezirksversammlung mit dem Ansinnen der Ini befassen. Wird eine Einigung verfehlt, kommt es zum Bürgerentscheid.

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