Gudrun Schittek und David Ghrim vor dem seit drei Jahren leer stehenden „Wasserturm“, einst ein wichtiger Treffpunkt in Moorburg. Foto: wit

Hat die Dorfgaststätte wieder eine Zukunft?
Stadt lässt Häuser seit Jahren leer stehen

Wolfgang Wittenburg/OZ, Moorburg. Hamburgweit fehlt es an Wohnungen, aber in Moorburg lässt die Stadt seit Jahren Häuser leer stehen. Fast 90 Prozent aller Gebäude in Moorburg gehören der städtischen Wohnungsgesellschaft Saga. Bei einer Tour durch den Stadtteil haben die Grüne Bürgerschaftsabgeordnete Gudrun Schittek und ihr Moorburger Parteifreund David Ghrim fast 25 leer stehende Gebäude gezählt.
„Die Saga hat offensichtlich kein besonderes Interesse daran, Gebäude zu erhalten und zu vermieten“, so Gudrun Schittek. „Es lohnt sich wirtschaftlich für die Saga nach eigenen Aussagen nicht, Häuser und Wohnungen zu sanieren und zu vermieten. Hier agiert die Saga nicht anders als kommerzielle Wohnungsbauunternehmen, dabei ist sie als städtisches Unternehmen dem Gemeinwohl und nicht der Gewinnmaximierung verpflichtet.“
Saga: „Hoher Sanierungsaufwand“
Das Problem: Moorburg, der älteste Stadtteil Hamburgs, liegt seit 1982 im Hafenerweiterungsgebiet. Hier regiert die Hamburg Port Authority (HPA). Enteignungen für Hafennutzungen sind einfacher möglich. Der Neubau, Umbau und Erwerb von privaten Immobilien ist in Moorburg stark eingeschränkt. Die Stadt besitzt für alle Häuser ein Vorkaufsrecht – und hat davon umfassend Gebrauch gemacht. Alles keine guten Voraussetzungen für eine künftige Dorfentwicklung.
Im Koalitionsvertrag haben sich Grüne und SPD daruf geeinigt, die Lebensbedingungen in Moorburg zu verbessern. Doch passiert ist wenig. Selbst der „Wasserturm“, früher erstes Restaurant am Platz und beliebter Dorf-Treffpunkt, steht seit 2018 leer. Dabei sollte er saniert und zügig vermietet werden. Gudrun Schittek: „Der ‚Wasserturm‘ muss zu einem günstigen Preis vermietet werden, damit wieder ein Treffpunkt in Moorburg und für Ausflügler geschaffen wird.“
Ziel: Nicht mehr Hafenerweiterungsgebiet
Nach Auskunft von Imme Mäder, der Sprecherin der Finanzbehörde, „sucht die Saga für die Dorfgaststätte ,Wasserturm‘ derzeit aktiv einen Betreiber und befindet sich dazu in Gesprächen.“ Dass Wohnungen leer stehen, liege an dem hohen Sanierungsaufwand der teils denkmalgeschützen Objekte. „Jedes Objekt wird wegen unterschiedlicher Rahmenbedingungen einer Einzelfallprüfung unterzogen.
Sofern die technischen und wirtschaftlichen Bedingungen es erlauben, führt die Saga eine umfassende Sanierung durch“, so Mäder. Zwei leerstehenden Häuser am Moorburger Kirchdeich 12 und 44 sollen jetzt saniert und anschließend vermietet werden.
Eine echte Zukunft hat Moorburg nur, wenn es aus dem Gebiet der Hafenerweiterung entlassen wird. Die Bezirksversammlung Harburg hat dies bereits vor Jahren gefordert – hat in dieser Angelegenheit aber wenig zu melden. Hier wäre die Bürgerschaft gefordert.

1 KOMMENTAR

  1. Es stehen in Moorburg nicht nur Häuser und Wohnungen leer, sondern auch viele voll erschlossene Grundstücke in einer Häuserreihe an der Straße liegen brach und dürfen nach dem Hafenentwicklungsgesetz nicht bebaut werden.
    Es war für die Sanierungen der Häuser kontraproduktiv, diese 2015 auf Basis von Erbbaurecht für 75 Jahre an die SAGA zu verkaufen. Warum das überhaupt gemacht wurde im Hafenerweiterungsgebiet ist mir bisher nicht klar geworden.
    Der einzige für mich erkannbare Effekt ist der, dass die Stadt jetzt nicht mehr an eine Sanierungsverpflichtung gebunden ist, zu der sie sich mehrfach in Mitteilungen an die Bürgerschaft bekannt hat. Die SAGA als Käufer kann jetzt in Bezug auf die Sanierungen handeln wie ein privater Eigentümer, nach rein monetären Gesichtspunkten.
    Es kommt hinzu, dass der Umfang von Veränderungen an den Gebäuden durch das HEG stark eingeschränkt ist und dafür nur befristete Baugenehmigungen bis 2035 erteilt werden.
    So ist z. B. die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum an einem Haus nur bis maximal 20 qm zulässig.
    Nachdem jetzt 40 Jahre völlig sinnlos an dem Ort herumgerupft wurde und der Hafen ganz sicher auch in einer fernen Zukunft keine zusätzlichen Flächen braucht, ist es ein Gebot der Vernunft, den Ort endlich aus der Hafenerweiterung zu entlassen…

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