Seltenes Bild: Die Haspa-Filiale im Born Center ist ansonsten zu den Öffnungszeiten gut besucht. Foto: Andreas Lettow

Bezirksamtsamtsleiterin Stefanie von Berg führt Gespräche mit der Geschäftsführung der Bank

Margret Heise, Sprecherin der Borner Runde, hat eine klare Haltung zur geplanten Schließung der Haspa-Filiale an der Bornheide. „Die Haspa muss hier vor Ort bleiben, sie gehört zur Grundversorgung dazu.“ Am Osdorfer Born leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen, die kein Onlinebanking betreiben.

Vertreter der Bank wollen nun die Schließungspläne in Sitzung der Borner Runde am Dienstag, 10. August, verteidigen. Es sei geplant, im Born Center ein „SB-Center“ mit Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker zu erhalten. Nachdem die Postbank vor zehn Jahren trotz großer Proteste der Borner ihre Filiale schloss und nicht einmal einen Geldautomaten zurückließ, will es das mit dem in ein Herz montierten Slogan „Gut für Hamburg“ werbende Bankinstitut besser machen. Offenbar ist man vom scharfen Gegenwind aus Osdorf überrascht worden, nachdem die gleichzeitig bekanntgewordene Schließung der Filiale Elbgaustraße bislang ohne größere Proteste der Anwohner hingenommen wurde.

Der Vermieter der Haspa, das Born Center, hat der Bank bislang vergeblich angeboten, ihr entgegen zu kommen, was zum Beispiel die Größe des Mietobjektes angeht. Eine zusätzliche Unterstützung des Bezirks, um die Filiale im Stadtteil zu halten, „wäre aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen“, so Sprecherin Monia Meier vom Bezirksamt.

Ergebnis steht Mitte November fest

Für den Erhalt der „letzten Bank“ im Osdorfer Born setzt sich seit Wochen die Bezirkspolitik ein. Die Fraktionen von SPD und CDU bekamen eine Mehrheit für ihren Antrag, dass Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) das Gespräch mit der Geschäftsführung der Haspa suchen soll. Einen ähnlichen Antrag hatte es Anfang des Jahres gegeben, als in Blankenese die Postfiliale geschlossen wurde. Nun konnte wenigstens noch ein sogenannter Zustellstützpunkt in einem benachbarten Rewe-Supermarkt als Ersatz geschaffen werden. Im Fall der Haspa wurden die Gespräche „aufgenommen und dauern an“, so Meier. Was dabei herausgekommen ist, werde der Bezirksversammlung Mitte November mitgeteilt.

Klaus Wicher, Vorsitzender des Sozialverbands Deutschland in Hamburg, reicht das Engagement der Parteien nicht aus. Der Senat – in dem CDU von 2001 bis 2011 und seitdem die SPD den Ton angeben – sei verantwortlich dafür, dass sich in Osdorf ein Stadtteil mit zu geringer Kaufkraft entwickelt habe. „Hier wurde zugelassen, dass sich Infrastruktur zurückentwickelt hat.“ Es sei für den sozialen Zusammenhalt, gerade im Osdorfer Born, wichtig, dass die Menschen direkte Ansprechpartner haben und nicht hilflos vor dem Computer sitzen.

Wicher sieht den Staat in der Pflicht, wenn „die Privatwirtschaft Infrastruktur wie Bank- und Postfilialen, Cafés, Einkaufsmöglichkeiten, Beratung und Kulturangebote nicht stellen könne“. Der Staat könne beispielsweise durch mehr bewusst gesteuerte niedrigschwellige Anreize setzen, die es Anbietern leichter mache, im Stadtteil zu bleiben.: „Infrastruktur bedeutet Lebensqualität. Wenn wir es Älteren ermöglichen wollen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben, müssen wir die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Und zwar in jedem Stadtteil in Hamburg. Es ist behinderten, alten und kranken Menschen nicht zuzumuten, lange Wege auf sich zu nehmen, um Dinge des täglichen Bedarfs zu erledigen.“

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