Das Messehallen- Impfzentrum schließt am 10. August: Jetzt wird in den Stadtteilen geimpft. Foto: Panthermedia

Die Infektionszahlen in Hamburg steigen wieder. Die gute Nachricht: Die Auslastung der Intensivstationen steigt bisher nicht in gleichem Maß. Das heißt: Es stecken sich zwar wieder mehr Menschen an, aber nur sehr wenige werden jetzt durch das Corona-Virus lebensbedrohlich krank. Der Grund könnte sein: Die meisten für einen schlimmen Verlauf anfälligen Älteren und Vorerkrankten sind meist schon geimpft. Das heißt aber auch: Das beste Mittel gegen die Pandemie ist offenbar die Impfung. Deshalb wird in Hamburg bei der Impfkampagne nochmal auf die Tube gedrückt.

„Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will und sein ‚altes Leben‘ wieder leben will, der kommt langfristig um eine Impfung nicht herum“, meint Schulsenator Ties Rabe. Schon früher hatte Virologe Drosten darauf hingewiesen: Wer nicht geimpft sei, werde sich früher oder später unweigerlich anstecken. Deshalb wird im neuen Schuljahr auch an Schulen geimpft. Während die allgemeinbildenden Schulen noch außen vor sind, gibt es mit dem neuen Schuljahr an berufsbildenden Schulen Impfangebote. Immerhin rund 48.000 Berufsschüler sind im impffähigen Alter über zwölf Jahre.
Keine Impfungen an allgemeinbildenden Schulen

Mehrere Berufsschulen, darunter die Berufliche Schule Eidelstedt (BS24) in der Reichsbahnstraße 53 machen schon mit und bereiten Impfungen zusammen mit Sozialbehörde und DRK vor. Rund 635 Schüler dieser Schule sind 18 Jahre und älter, können also selbst über die Impfung entscheiden.

Die 135 16- oder 17-Jährigen brauchen das Einverständnis ihrer Sorgeberechtigten.
Schwieriger würde eine Impfung an den allgemeinbildenden Schulen: Für Grundschüler gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Relativ problemlos könnten Schüler ungefähr ab Klasse 7 (zwölf Jahre) mit dem Biontech-Impfstoff geimpft werden, falls die Eltern zustimmen. Zwar liegt noch immer keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission STIKO für Kinder vor, die Stiko rät aber auch nicht von Impfungen ab. „Es fehlen noch weitere Daten“, sagte STIKO-Chef Thomas Mertens im NDR.

In Harburg hat die Elterninitiative „StadtteilEltern Heimfeld“ und „Harburg-Kern“ vom Verein Insel das Thema aufgegriffen: Sie werden beim morgigen verkaufsoffenen Sonntag in mehreren Sprachen für das Impfen werben. „Es geht darum, Menschen über ihre verschiedenen Muttersprachen besser zu erreichen, damit sie genug Vertrauen haben, um sich impfen zu lassen“, sagt David Feidler vom Verein Insel. Die StadtteilEltern sprechen neben Deutsch zum Beispiel Arabisch, die persischen Sprachen Dari und Farsi, Türkisch und Polnisch. Harburger können sich zum Beispiel ohne Termin am Sonntag, 8. August, im Einkaufszentren Harburg Arcaden, ab Mitte August auch im Phoenix Center ihre Impfspritze geben lassen (siehe Infokasten).

Außer in Arztpraxen können Kinder ab zwölf Jahren jetzt auch im Asklepios-Klinikum Harburg geimpft werden – nach ausführlicher Beratung und in Begleitung eines Erziehungsberechtigten. Gudrun Schittek, Ärztin in Blankenese und Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete aus Süderelbe findet das gut, denn „immer mehr Daten sprechen für die Impfung von Kindern, weil auch Kinder von schweren Krankheitsverläufen bei einer Coronainfektion bedroht sein können.“ Neuere Daten aus den USA und Israel zeigten das.

Wer sich partout trotz aller Angebote nicht impfen lassen will, muss zukünftig wohl ins eigene Portemonnaie greifen, wenn er sich – zum Beispiel für einen Restaurant- oder Kinobesuch – testen lassen will. „Für Bedürftige ist das nicht zu stemmen“, kritisiert dagegen Klaus Wicher, Vorsitzender des Sozialverbandes SoVD Hamburg. „Wie sollen sich das Menschen mit wenig Einkommen leisten können?“ Er geht von einem Preis von etwa 30 Euro pro professionell durchgeführtem Test aus. Statt mehr Druck aufzubauen, sollten seiner Meinung nach lieber Impfbusse vor allem in die ärmeren Stadtteile fahren, um Vertrauen in die Impfung aufzubauen.

Eine ähnliche Strategie verfolgt neuerdings auch Sozialsenatorin Melanie Leonhard: Mit „dezentralen Angeboten“ in den Stadtteilen will man über „gut vernetzte Institutionen“ möglichst viele Menschen erreichen, teilte Anja Segert für die Sozialbehörde mit (siehe Infotext unten).

 

Wo gibt es Impfstationen?

Bei Redaktionsschluss standen die folgenden Termine für Impfstationen in den Stadtteilen fest:

▶ Harburg Arcaden,
Lüneburger Straße 39
So, 8. August, 13-18 Uhr,
So, 5. September, 13-18 Uhr
So, 10. Oktober, 13-18 Uhr
▶ Kulturhaus Süderelbe,
Am Johannisland 2
Di, 10. August, 9-15 Uhr
▶ Bürgerhaus Bornheide, Bornheide 76
Do, 12. August, 9-15 Uhr
▶ Michaeliskirchengemeinde, Cuxhavener Straße 323
Sa, 14. August, Zeit erfragen
▶ Cornelius-Kichengemeinde, Fischbeker Weg 26a
Sa, 21. August, ab 9 Uhr
▶ Bürgerhaus Lenzsiedlung, Julius-Vosseler-Straße 193
Mo, 23. August, Zeit erfragen
Mo, 13. September, Zeit erfragen
▶ Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20
Mi 25. August, 9-15 Uhr
▶ Kinder- und Jugendzentrum, Beerentalweg 35c
Do, 26. August, 9-15 Uhr
▶ Bürgertreff Altona-Nord, Gefionstraße 3
Di, 14. September, 9-15 Uhr

Das Angebot soll laufend erweitert werden. Die Termine stehen auf
> www.hamburg.de/corona-impfstationen

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