Der gebürtige Hamburger Mojib Latif, Professor am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel, gilt als einer der führenden Klimaexperten Deutschlands. Foto: geomar

Interview mit dem Klimaexperten Mojib Latif zum verheerenden
Unwetter, das über 150 Todesopfer gefordert hat

Olaf Zimmermann, Hamburg. Heftiger Dauerregen und Unwetter haben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen für große Überschwemmungen gesorgt. Aus Bächen wurden reißende Ströme, es kam zu Erdrutschen, zerstörten Häusern, überspülten Straßen. Bislang forderte die Unwetterkatastrophe in Deutschland über 150 Todesopfer. Wie kann das Wetter so aus den Fugen geraten? Nachgefragt beim Klimaexperten Mojib Latif von der Universität Kiel.

Was genau ist geschehen? Wie konnte es zu so einer Katastrophe kommen? Hier sind mehrere Dinge zusammengekommen. So führt die globale Erwärmung zu mehr Wasserdampf in der Luft. Bei entsprechender Wetterlage kann es dann mehr regnen. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Wasserdampfgehalt exponentiell. Ein Grad mehr bedeutet sieben Prozent mehr Wasserdampf. Außerdem hat sich das Tief kaum bewegt, weswegen der Starkregen fast nur West- und Südwestdeutschland getroffen hat.

Ist so ein Szenario auch in Norddeutschland, in Hamburg, möglich? Starkregen ist prinzipiell überall in Deutschland möglich. Das zeigen die Auswertungen der Radarmessungen durch den Deutschen Wetterdienst sehr deutlich. Die Auswirkungen hängen aber auch von den örtlichen Gegebenheiten ab, wie zum Beispiel dem Grad der Versiegelung oder ob es Hänge gibt, die ins Rutschen kommen können.

Müssen wir uns darauf einstellen, dass solche Unwetter künftig regelmäßig stattfinden? Davon gehe ist fest aus. Das wäre physikalisch plausibel und auch die Modelle sagen das vorher, wenn die globale Erwärmung weiter fortschreitet, wovon auszugehen ist.

Was kann, was muss auf lokaler, aber auch auf internationaler Ebene getan werden, um derartige Klimaveränderungen zu stoppen? Klar ist zunächst einmal, dass wir uns besser für die Zukunft wappnen müssen. Dies gilt für Starkregen wie auch für Hitzewellen, die beide durch die globale Erwärmung häufiger und intensiver werden. International müssen den Vereinbarungen endlich auch mal Taten folgen. Im Moment gibt es nur einen „gefühlten“ Klimaschutz. Es werden ambitionierte Ziele formuliert, aber kaum Maßnahmen ergriffen. Beim Klimaschutz sind aber alle Bereiche gefordert, insbesondere auch die Wirtschaft und natürlich jede(r) Einzelne von uns. Die Energiewende muss auf allen Ebenen gelingen wie auch mehr Energieeffizienz.

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