Fast jeder Spieler hat ein Maßband in der Tasche, um die Abstände zwischen den Kugeln messen zu können und Streitigkeiten zu vermeiden. Foto: sl

SABINE LANGNER, HARBURG. Konzentriert bewegen sich die 14 Menschen auf dem Platz. Ab und zu durchbricht das Klacken von aufeinandertreffenden Eisenkugeln die Ruhe. Hier auf dem Bouledrome der Sportanlage „Wilstorfer Höh“ in der Wasmerstraße, wo früher Tennisspieler schwitzten, wird jetzt Boule, beziehungsweise Pétanque, wie man diesen aus Frankreich stammenden Sport auch nennt, gespielt. Jeden Mittwoch und Freitag treffen sich die Spieler ab 17 Uhr zum gemeinsamen Spiel.
Bei diesem Spiel wirft ein Spieler eine kleine Holzkugel, das sogenannte „Schweinchen“, sechs bis zehn Meter weit von sich. Anschließend versuchen die anderen, mit einer etwa 700 Gramm schweren Eisenkugel so dicht wie möglich an die Holzkugel heranzukommen.
„In Frankreich hat jedes Dorf einen Bouleplatz“, erläutert Günter Meiners, Leiter der Boulesparte der FSV Harburg-Rönneburg. „Da kommen die Menschen jeden Tag zu einer kleinen Partie zusammen.“ Auch in Rönneburg haben die Spieler in Zeiten vor Corona französische Lebensart genossen. „Da stand schon öfter mal eine Flasche Wein oder ein Teller mit Käse auf dem Tisch“, berichtet Vize-Abteilungsleiterin Birgit Ellefsen. Daran ist im Moment nicht zu denken, aber die „Bouliden“ sind schon froh, dass sie überhaupt wieder ohne Maske auf den Platz dürfen.
Nach Ende des Lockdowns
erst mal ein „Tête-à-Tête“
Als Auftakt zu den Lockerungen wurde im Frühjahr das „Tête-à-Tête“ genehmigt, wie das Spiel von eins gegen eins – wie in Frankreich – genannt wird. Doch dann wurde die beliebte „Doublette“ erlaubt: „Es war wunderbar, wieder zwei gegen zwei spielen zu dürfen“, erinnert sich Günter Meiner. Mittlerweile kann man sogar die besonders anspruchsvolle Triplette, wenn zwei Dreier-Teams das „Schweinchen“ jagen, auf dem Platz bewundern.
Alle Spieler sind sich einig: Boule hat etwas mit Sport zu tun, obwohl Schweiß hier selten fließt. „Das ist ein Präzisionssport und hat viel mit Konzentration zu tun“, sagt Günter Meiners. Auch könne es durchaus mal sein, dass ein Spiel vier bis fünf Stunden dauert. „Dabei läuft man bei jedem Wetter die ganze Zeit herum“, erläutert Birgit Ellefsen.
Die Harburgerin ist seit vier Jahren mit dabei. Zuvor war sie aktive Handballerin. Günter Meiners hat in der Vergangenheit Rugby gespielt und widmet sich seit drei Jahren Pétanque. Inzwischen können sich die beiden ein Leben ohne Boule nicht mehr vorstellen. „Es ist diese Mischung aus Spaß und Geselligkeit, Mannschaftssport, Entschleunigung und Entspannung, die mich begeistert“, sagt Günter Meiners. „Wir haben hier Mitglieder jeden Alters, Männer und Frauen. Und alles, was man braucht, sind drei Eisenkugeln, ein Lappen, zum Putzen der Kugeln, und ein Maßband, falls es mal Diskussionen über den Abstand der Kugeln gibt.“
Wer Lust hat, einmal selber die Kugeln zu werfen, ist herzlich willkommen bei den Bouliden am Mittwoch oder am Freitagnachmittag.
Mehr Infos unter www.fsvharburg-roenneburg.de

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