Ein Haus mit Geschichte: Im Gebäude am Eichenplatz 16 war zwischen 1937 und 1973 die alte Osdorfer Apotheke untergebracht. Nun wird es wohl abgerissen.

Das alte Haus mit der Adresse Am Eichenplatz 16 fängt an, zu verfallen: Die Farbe blättert von der Holzverschalung, Gras und Kräuter wuchern zwischen den Steinplatten vor dem Eingang. Seit rund fünf Jahren stehe das Gebäude leer, schätzt Nachbar Klaus Jarr. Die Besitzer ließen das Anwesen, die frühere Osdorfer Apotheke, nach seiner Ansicht absichtlich verrotten. „Ständig stehen alle Fenster offen, sogar die Dachluken“, hat Jarr festgestellt. Das ganze Haus sei feucht und modere vor sich hin.
Für das Flurstück mitten im Herzen von Alt-Osdorf hat jetzt das Immobilienunternehmen Nobtus einen Bauantrag gestellt: zwei Stockwerke, oben drauf nochmal zwei Staffelgeschosse, insgesamt 14 Wohnungen – und eine Tiefgarage, deren Zufahrt fast um das ganze Grundstück herumführt, und damit direkt an den Gärten der Alteingesessenen vorbei.
Die wollen sich das nicht gefallen lassen. „Wir hätten nicht nur mehr Verkehrslärm zu verkraften, sondern müssten uns auch mit einem riesigen Klotz abfinden, der hier gar nicht hinpasst“, sagt Jarr, der stellvertretend für eine Eigentümergemeinschaft spricht. Auch unter Beachtung einer denkbaren Verdichtung von Wohngebieten sei ein derartiger Massivbau in einer kleinen Wohnstraße „unsinnig und übertrieben“.
Wie ist die Rechtslage? Der Bebauungsplan „Osdorf 40“ schreibt für das Gebiet zwischen Diekweg und Osdorfer Landstraße eine Höchstanzahl von zwei Geschossen vor. Zum Thema Staffelgeschosse findet sich jedoch nichts.

Ist das erlaubt? Die Bezirkspolitik gibt vorerst Entwarnung: „Diesen Antrag wird der Bauherr nicht genehmigt bekommen“, sagt Sven Hielscher, CDU-Fraktionschef und stellvertretender Vorsitzender im Altonaer Planungsausschuss. Es sei lediglich ein Staffelgeschoss zugelassen, dessen Grundfläche höchstens zwei Drittel so groß sein dürfe wie die der unteren Stockwerke. Ganz und gar ablehnend klingt Hielscher jedoch nicht: „Ich kann die Kritik der Anwohner nachvollziehen“, sagt er. „Aber wenn jemand bauen möchte und das rechtlich in Ordnung ist, dann darf er das auch. Das ist nun mal so in einer wachsenden Stadt.“
Interessant: Erst vor wenigen Monaten hatte der Bezirk einem anderen Bauvorhaben in unmittelbarer Nähe (Am Eichenplatz 7) eine Absage erteilt. Die Begründung: Das Gebäude – geplant waren ebenfalls vier Stockwerke – sei zu groß, zu nah an den Nachbargebäuden und nehme zu viel Licht weg. Bei sämtlichen Neubauprojekten ist laut Bebauungsplan zu berücksichtigen, dass „der für den Stadtteil Osdorf historische Dorfkern mit reetgedeckten Bauernhöfen, Katen und Hofflächen als Milieugebiet erhalten bleibt“.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here