Brauer Sascha Bruns von der Landgang-Brauerei in Bahrenfeld (v. l.), Foto: Jörg Marwedel

Buchtipp: Autor Jens Mecklenburg hat den gelungenen
Band „So trinkt der Norden“ vorgelegt

Von Jörg Marwedel. Jens Mecklenburg hat, so sagt er, in sechs Wochen 400 bis 500 alkoholische Produkte gekostet. Alle für das Buch „So trinkt der Norden“, das gerade herausgekommen ist. Man muss ja wissen, worüber man schreibt. Es ist ein „erzählendes Sachbuch“ geworden, das die Wikinger und ihren Met nicht auslässt und im hier und jetzt endet, nämlich bei jener lebendigen Szene junger Brauer und Schnapsbrenner, die ihre Erzeugnisse unter dem Motto „Nippen statt Kippen“ auf den Markt bringen.

Die Historie, angereichert mit Anekdoten (Reichskanzler Otto von Bismarck etwa hat oft versucht, seine Freunde und Gegner im Salon bei Bier und Schnaps von seinen politischen Ideen zu überzeugen), ist schon interessant. „Wer den Deutschen nicht aus der Kneipe kennt“, schrieb der Leiter der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark 1896, „wird seinen Esprit immer zu tief einschätzen“. Anderseits wird nicht ausgelassen, wie der Alkohol über Jahrhunderte zum Problem wurde.
Tote Tanten und Pharisäer an der Nordsee

Hamburg war im Mittelalter die Biermetropole Deutschlands, auch weil das Wasser der Alster besonders gute Qualität hatte. Aquavit, Korn und Rum prägen den Norden bis heute. An der Nordsee werden „Tote Tanten“ und „Pharisäer“ getrunken. Warum diese Rum-Getränke so heißen, steht ebenso in diesem Buch wie die überraschende Tatsache, dass sogar in Niedersachsen, Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Dänemark Wein angebaut wird.

Jens Mecklenburg, als Journalist lange Jahre Experte für Rechtsradikalismus, der in seiner Jugend mit Fußballweltmeister Andreas Brehme in der Nachwuchself von Barmbek-Uhlenhorst spielte, verschreibt sich inzwischen seit 20 Jahren dem Essen und Trinken. Er ist Herausgeber des Online-Magazins „Nordische Esskultur“.

Das neue Buch, an dem sieben Experten mitschrieben, ist das zweite eines Quartetts über lukullische Kostbarkeiten in Norddeutschland. Erst erschien „Mythos Labkaus“. Im September kommt „Das neue Hamburger Kochbuch“, das er mit dem Koch Thomas Sampl erstellt hat. Einen Monat später ist das Werk „Mythos Grünkohl“ fertig mit Rezepten von norddeutschen Spitzenköchen.

Jens Mecklenburg, der Feldforscher, nennt sie alle die „Genusshandwerker“. Und er versucht herauszufinden, wie Regionen schmecken. Zum Beispiel sind Obstbrände von der Ostsee nach seiner Meinung „lieblicher“ als von der Nordsee, weil es ein Binnenmeer ist und etwa Pflanzen wie Wegerich zum Geschmack beitragen.

Christoph Siegert, der mit seiner Frau Heike den „Edelhof 1514“ nahe Osterode betreibt, hat die Familientradition mit Obstbränden wie andere Kollegen auf eine neue Stufe gestellt. Er lässt die Obstwiesen ohne Dünger und Spritzmittel und verhilft einigen Äpfeln wie dem „Horneburger Pfannkuchen“ aus der Nähe von Stade erfolgreich mit einem Obstbrand zum Comeback. Früher gab es an die 2.000 Apfelsorten, heute werden nur noch maximal 15 Sorten verarbeitet.
Die Losung, die auf den Flaschen des Wendlandbräu steht, könnten fast alle kleinen Brauereien und Brennereien heute unterschreiben. Dort steht: „Global denken, lokal trinken“.

>> Jens Mecklenburg: So trinkt der Norden, KJM-Verlag, 248 Seiten, 22 Euro

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