Viele Menschen entspannen sich an der Busanlage Eidelstedter Platz. Foto: da

Busanlage am Eidelstedter Platz im Rahmen eines EU-Projekts für 120.000 Euro modernisiert – Senioren in Planungen mit einbezogen

René Dan, Eidelstedt

Harald von Borstel hat eine Sitzbank ganz für sich, als er auf seinen Bus wartet, den Blick auf den Eidelstedter Platz gerichtet. Wie findet der 83-Jährige den neu gestalteten Busbahnhof? „Gut! Man kann sich hier ausruhen“, sagt der Eidelstedter, bevor er zu seinem gerade ankommenden Bus eilt. Zahlreiche Senioren teilen dieses positive Urteil über die 120.000 Euro-Umgestaltung. Auch wenn noch Handlungsbedarf besteht.

Gleich um die Ecke, im Wartebereich für den 21er, haben Marion Grahner (74) und Christel Runge (67) keine Sitzgelegenheit, dafür ist der Bereich zwischen Pavillon und Busspur zu schmal. Neue Kräfte können sie trotzdem sammeln: Ihr Rücken schmiegt sich an sogenannte „Anlehnhilfen“, eine Art Rückenlehne. „Das hier entspannt – es ist fast wie auf einer Bank“, freut sich die Eidelstedterin Grahner.

Auch sonst kommt die Umgestaltung des Eidelstedter Platzes gerade bei Senioren gut an. Kein Wunder: Standen sie doch im Mittelpunkt der 120.000 Euro-Maßnahme, die im Rahmen des Projekts der Europäischen Union (EU) „GreenSAM“ vom Bezirksamt Eimsbüttel verwirklicht wurde. Im Rahmen eines Beteiligungsprozesses wurde insbesondere der Bezirksseniorenbeirat Eimsbüttel in die Planungen mit einbezogen, wobei sich auch weitere Senioren an Workshops und Diskussionsformaten, beispielsweise im Internet, beteiligen konnten. Vom Erfahrungsschatz des Bezirksamts Eimsbüttel können auch Hamburg und die EU-Projektpartner profitieren. So wurde ein „Leitfaden seniorenfreundliche Umsteigepunkte“ ausgearbeitet. Auch an dessen Erarbeitung waren Senioren beteiligt.

Anlehnhilfen, Sitzbänke, Grünflächen, Radwege

 

Silke Edelhoff, Projektleiterin im Bezirksamt Eimsbüttel der Umgestaltung der Eidelsteder Busanlage und von „GreenSAM“ – „Grüne Mobilität 60+“, lobte die Beteiligung von Wilfried Röder (2. v. r.), Vorsitzender des Bezirksseniorenbeirats, und von Reinhold Knüppel, Mitglied des Landesseniorenbeirates (r.). Dieses ehrenamtliche Engagement weiß auch Eimsbüttels Bezirksamteiter Kay Gätgens zu schätzen. Foto: da

Außer den Anlehnhilfen und neuen Sitzbänken wurden auch der Radweg erneuert sowie die Grünflächen auf dem Busbahnhof erweitert: Sie wurden zu einer Art Hochbeet angehobe und mit Stein umfasst. „Man kann sich ausruhen und dabei wohlfühlen“, freut sich Reinhold Knüppel, Mitglied des Eimsbütteler und Hamburger Seniorenbeirats über den Umbau der Busanlage.

Weiterer Pluspunkt: „Wenn man aus dem Bus steigt, muss man jetzt nicht ständig gucken, ob ein Radfahrer auf einen zukommt“, so der 73-Jährige. Tatsächlich wurden die Radwegeführung etwas verändert und die Bereich zwischen Fuß- und Radweg optisch getrennt. So markieren dicke weiße Ränder mit flachen Noppen den Beginn und das Ende einer Fahrradfläche – speziell für Sehbehinderte gemachte Erleichterungen, sogenannte „taktile Leitelemente“.

Landesseniorenvertreter sieht noch Handlungsbedarf

Allerdings sieht Reinhold Knüppel noch Handlungsbedarf: „Die Beleuchtung muss verbessert werden“ und die grauen Wände der Pavillons sollten bunt werden. Silke Edelhoff, die Projektleiterin für „GreenSAM“ in Eimsbüttel sowie für die Umgestaltung am Eidelstedter Platz, kann jedoch Positives vermelden: „Zum Herbst oder Winter wird eine LED-Beleuchtung eingeführt.“ Und mit Blick auf eine farbliche Veränderung der tristen Pavillons würden Gespräche mit der Hochbahn geführt: „Wir sind optimistisch.“

Rad- und Fußwegführung sind – nicht nur zur Freude von Kay Gätgens – in der Busanlage jetzt klar getrennt, und die weißen Bereiche erleichtern Sehbehinderten die Orientierung.Fotos: da

Bezirksamtsleiter Kay Gätgens unterstrich sein positives Fazit zum Beteiligungsprozess und der Umgestaltung des Eidelstedter Platzes auch optisch: Auf seinem blauen T-Shirt prangte in großen weißen Buchstaben: „löppt!“. Doch nicht nur in Eidelstedt läuft es, so Eimsbüttels Verwaltungschef: „Wir sind ein Pilotprojekt für Hamburg und die Europäische Union.“

Leitfaden & Green SAM

Der „Leitfaden seniorenfreundliche Umsteigepunkte“ soll das eigene Auto zunehmend verzichtbar machen. Er soll Stadt- und Mobilitätsplanern helfen, eine Planung für ältere, aber auch jüngere Menschen zu realisieren. Hierfür wurden Senioren beteiligt. Das Ziel: Umsteigepunkte, an denen Menschen zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wechseln, beispielsweise in Bus und Bahn oder zu Carsharing-Angeboten, sollen attraktiver werden.
Der Leitfaden wurde im Rahmen des Projektes der Europäischen Union „GreenSAM – Green Silver Age Mobility“. Auf Deutsch tragt das Maßnahmenbündel den Titel „Grüne Mobilität 60+“, erläutert GreenSAM-Projekleiterin Silke Edelhoff vom Bezirksamt Eimsbüttel.
Sechs europäische Kommunen sind an diesem EU-Projekt beteiligt: Neben Eimsbüttel, das dänische Aarhus, Lettlands Hauptstadt Riga, Danzig, Tartu in Estland und das finnische Valonia. Hinzu kommen zwei wissenschaftliche Institute.
Mehr Informationen im Internet unter www.hamburg.de/eimsbuettel/greensam

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