Auch jüngere Erwachsene dürfen sich impfen lassen: Die Priorisierung wurde auch für das Impfzentrum in den Messehallen aufgehoben. Foto: PÖP

Während die einen sorgenvoll auf die erwartete rasante Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus blicken, feiern junge Leute den Sommer mit riesigen „Flashmob-Partys“ mit viel Alkohol und bis zu 4.000 Feiernden im Schanzenviertel und im Stadtpark. An der Elbe in Blankenese sei es zu handgreiflichen Konflikten zwischen Jugendlichen und Polizei gekommen, berichtet „Andy-Bar-jetzt“ auf Twitter.
Die Polizeigewerkschaft wies darauf hin, die Regeln seien kaum durchzusetzen, die Polizisten überlastet. Der Senat erleichtert nun das Partyleben (siehe Infotext Seite 3). Im NDR erklärte Bürgermeister Peter Tschentscher: Auf besonderen Flächen, von Innensenator Andy Grote „Open Air Clubs“ genannt, darf seit gestern unter freiem Himmel getanzt werden. Gastwirte sollen sie betreiben, für Kontaktverfolgung und Einhaltung der Hygieneregeln verantwortlich sein. Problem: Clubs haben kaum solche Außenflächen, zumal, wenn Anwohner nicht belästigt werden sollen.
Für die Anwohner der Schanze war der Corona-Lockdown auch eine Pause im Dauerparty-Lärm-und-Dreck-Wahnsinn auf der Straße. Jetzt geht es offenbar wieder rund. 1,2 Tonnen Müll ließen die Feiernden allein im Stadtpark zurück.

Luca-Schlüsselanhänger nicht akzeptiert
Kontaktnachverfolgungen dürften bei Massenpartys schwierig sein. Bei vielen Restaurants, Einrichtungen und Geschäften sind sie weiter nötig. Wer gehofft hatte, auch ohne Smartphone mit dem kostenlos beim Bezirksamt abzuholenden Luca-Schlüssselanhänger das lästige Ausfüllen der Kontaktdatenzettel sparen zu können, wurde enttäuscht. „Das ist sehr ärgerlich“, findet Brigitte M. (71, Name der Redaktion bekannt) aus St. Pauli: Sie hatte für sich und eine ältere Nachbarin die Anhänger besorgt. Dann die Enttäuschung: „Achtmal wurde ich bei Altonaer Geschäften, auch bei großen, abgewiesen“, ärgert sie sich, „Zweimal kannte man den Anhänger gar nicht.“
Tatsächlich entscheiden die Geschäfte selbst, welches Registrierungssystem sie anbieten. Beispiel H&M: „Wir nutzen in Hamburg und an vielen weiteren Standorten die Luca-App (fürs Smartphone, Anm. d. Red.)“, sagt ein Sprecher der Modekette, der nicht namentlich genannt werden möchte. Schlüsselanhänger nutze man aber nicht. Warum nicht? Diese Frage beantwortet der Sprecher nicht.
Das Bezirksamt hat in Altona und Blankenese insgesamt 317 Anhänger ausgegeben. Von dem geringen Nutzen habe nur eine Besucherin berichtet, so Bezirkssprecher Mike Schlink. 30.000 Euro hat Hamburg für 45.000 Anhänger bezahlt, weiß Imme Mäder von der Sozialbehörde.

Impfpriorisierung aufgehoben
Seit vergangener Woche ist die bevorzugte Impfung bestimmter Alters- und Berufsgruppen („Priorisierung“) auch im Impfzentrum aufgehoben. In Arztpraxen ist das schon länger so, für die mobilen Impfteams gilt sie weiter. Das heißt: Alle erwachsenen Hamburger können sich jetzt unter ( 116 117 oder online unter www.impfterminservice.de um einen Impftermin bemühen. Neue Termine gibt es immer, wenn neuer Impfstoff geliefert wurde, 41.000 zum Beispiel am vergangenen Montag, weitere sollen folgen. Vorerkrankte Kinder und Jugendliche, für die von der Ständigen Impfkommission eine Impfung empfohlen wird, können nur in Arztpraxen geimpft werden.
Während Universitätspräsident Dieter Lenzen seine Mitarbeiter trotz Mangel an anderen Impfstoffen nicht mit AstraZeneca-Impfstoff immunisieren lassen wollte, dürften die vor einer Woche im Seemannsklub Duckdalben geimpften Seeleute weniger wählerisch gewesen sein: Am „Tag des Seemanns“ erhielten Sie – unabhängig von Alter oder Herkunft – ein Impfangebot. Bürgermeister Tschentscher (55) erhielt in der vergangenen Woche seine erste Impfdosis in den Messehallen.
Unterdessen hat die Schulbehörde trotz versemmelter Aufgabenstellung beim Bio-Abitur und viel Kritik wegen mangelhafter Digitalisierung der Schulen eine positive Bilanz des vergangenen Corona-Schuljahres gezogen: Das Abitur sei in diesem Jahr mit einem Notendurchschnitt von 2,27 besser ausgefallen als in den vergangenen zehn Jahren (Notenschnitt 2,36 bis 2,46). Auch die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss liegen über denen des Vorjahres.

Die neuen Regeln
Der Hamburger Senat hat am vergangenen Dienstag neue Corona-Regeln bekanntgegeben, die seit Freitag, 2. Juli, in Kraft sind:
• Maximal 250 Personen dürfen mit Anmeldung, Hygieneregeln und Kontaktnachverfolgung an Tanzveranstaltungen im Freien teilnehmen.
• Alkohol ist im Stadtpark freitags und samstags sowie vor Feiertagen von 21 bis 6 Uhr des nächsten Tages verboten.
• Antigenschnelltests sind jetzt 48 (statt bisher 24) Stunden gültig.
• An Bord eines Kreuzfahrtschiffes darf man nun auch mit Antigenschnelltests.
• Sitzplätze bei Sportveranstaltungen dürfen im Schachbrettmuster angeordnet werden. Stehplätze müssen weiter mit einem Abstand von 1,5 Metern angeordnet werden.
• Mannschaftssport und Kontaktsport ist wieder unabhängig von der Personenzahl drinnen und draußen zulässig. In geschlossenen Räumen ist eine Person je zehn Quadratmetern Fläche erlaubt. Auflagen wie zum Beispiel die Testpflicht bleiben bestehen.

Corona-Zahlen
Die Sieben-Tage-Inzidenz (Anzahl der durchschnittlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) beträgt in Hamburg 9,8 (Stand 29. Juni).
Seit Beginn der weltweiten Pandemie haben sich 77.342 Hamburger mit Corona angesteckt, rund 75.200 Personen gelten inzwischen als geheilt (Stand 29. Juni). 640.500 Hamburger sind schon vollständig geimpft (Stand 29. Juni).
Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts sind bislang 1.590 Menschen in Hamburg an Corona gestorben (Stand: 29. Juni). Die zuerst in Indien entdeckte Delta-Virusvariante ist in Hamburg auf dem Vormarsch und wurde bislang in 62 Fällen im Labor nachgewiesen (Stand 29. Juni).

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