Sind während des Lockdowns virtuell in Kontakt geblieben, damit das Gemeinschaftsgefühl nicht verloren geht: die „Inseldeerns“ aus WilhelmsburgFoto: simone capell

Maren Langenbach, Hamburg. Darauf haben alle Sänger, die Chören angehören, sehnsüchtig gewartet: endlich wieder proben zu dürfen. Aufgrund der guten Entwicklung der Pandemie sind in Hamburg seit 1. Juni Chorproben im Freien auf Distanz wieder erlaubt.
„Das ist wunderbar und für unsere Seniorinnen und Senioren ungemein wichtig“, sagt Jonas Kannenberg, Kantor der evangelisch-lutherischen St. Simeon-Kirchengemeinde Alt Osdorf und Leiter des Kinderchores und Seniorensingkreises. Dessen Mitglieder sind zum Teil bereits 90 Jahre alt: „Ich wurde oft von ihnen angesprochen, wann wir endlich loslegen können. Der Wunsch, sich wieder zu begegnen, war groß.“
Ganz viel zu besprechen haben sicher auch die „Inseldeerns“, hatten die Sängerinnen des Wilhelmsburger Frauenchors sich doch während der Pause nur virtuell gesehen. „Vor dem Computer zu sitzen und zu singen ist natürlich nicht ideal, da man sich nicht so gut hört“, erinnert sich Katja Brandmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Chors, der nun für die bevorstehenden Auftritte im August und September in den Gärten zweier Chorschwestern probt.
Vor dem PC zu sitzen und zu singen „ist nicht ideal“
„Das war vielleicht eine Freude, als wir uns wieder hatten, umarmen dürfen wir uns ja nicht, aber es war gleich eine Nähe da. Davor hatten wir Angst, dass das Wir-Gefühl verloren geht.“
Von der großen Sehnsucht, wieder gemeinsam zu singen, kann auch Peter Oelkers vom Neugrabener Männerchor „Sängerlust Scheideholz“ erzählen: „Doch außer Vorstandssitzungen, bei denen wir überlegen, wie es weiter gehen soll, findet bei uns noch nichts statt. Leider. Das tut schon weh“, bedauert der 81-Jährige, der dem Chor seit fast 40 Jahren angehört.
„Wir sind alle um die 80 Jahre alt, da sind wir vorsichtig. Proben mit Abstand sind nichts für uns, ich muss meinen Nebenmann hören. Unmöglich auf 2,5 Meter Distanz.“ Also warten die 16 Chorbrüder ab, bis in der Seniorenresidenz, in der sie üben, Proben wieder in Innenräumen erlaubt sind. „Wir alle lieben das Singen, die gemeinsamen Auftritte, die Chorausflüge, das fehlt uns. Sehr.“
Feste Chorreisen, etwa an die Ostsee nach Scharbeutz, sind neben den Proben und Auftritten ebenfalls fester und lieb gewonnener Bestandteil des „Popchor Sing it!“, der von Andreas Gries, Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook, geleitet wird. Noch ist der Chor nicht wieder vollständig im Bauerngarten einer Chorschwester, dem momentanen Probenort, „angetreten“. „Einige sind über die Pause weggeblieben, andere halten sich noch zurück“, weiß Gero Lange. „Unsere Hoffnung ist, dass alle wieder kommen. Sehr gern auch neue Mitglieder.“

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