Im Zentrum der Geothermie, umgangssprachlich „Erdwärme“, steht ein Wärmetauscher (o. li.), der dem heißen Wasser aus der Erde Wärme entzieht. Die wird dann über ein Heizwerk an die Haushalte weitergeleitet. Gtrafik: HH Energie/ Meinhard Weidner

In Wilhelmsburg sollen 5.000 Wohnungen mit CO2-neutral gewonnener Wärme versorgt werden.  Nach weiteren möglichen Geothermie-Standorten wird in Hamburg noch nicht gesucht

Olaf Zimmermann/Angela Dietz, Hamburg. Kann die Wärme aus den Tiefen der Erde in Hamburg für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden? Um diese Frage zu beantworten, wird in Wilhelmsburg ein 70 Millionen Euro teures Projekt gestartet. Allein 22,5 Millionen Euro steuert das Bundeswirtschaftsministerium bei.
An der Ecke Alte Schleuse/ Schlengendeich wird heißes Wasser aus rund 3.000 Meter Tiefe aus der Erde gepumpt. Die geplante Geothermieanlage ist das Herzstück des Projektes „IW3 – Integrierte Wärmewende Wilhelmsburg“. 2023 sollen die ersten Haushalte ans Tiefenwärme-Netz gehen.
Die Geothermie Wilhelmsburg (GW), ein gemeinsames Tochterunternehmen der stadteigenen Firmen Hamburg Energie (HE) und Hamburg Wasser, baut und betreibt die Anlage. Später soll sie 5.000 Wilhelmsburger Wohnungen mit Wärme versorgen, vorrangig in den künftigen Wohngebieten Rathausviertel, Elbinsel- und Spreehafenquartier. „Die erste Bohrung startet voraussichtlich Mitte des Jahres“, erläutert HE-Pressesprecherin Nicole Buschermöhle.
Geothermie funktioniert so: Dem aus der Tiefe an die Erdoberfläche gepumpten 130 Grad heißen Wasser wird Wärme entzogen, die ins Nahwärmenetz eingespeist wird. Dann wird das abgekühlte Wasser zurück unter die Erde gepumpt. Außerdem ist ein sogenannter „Aquiferspeicher“ geplant, der in 200 bis 400 Metern Tiefe warmes Wasser speichert. So soll in den wärmeren Monaten überschüssige Wärme erhalten werden, bis sie gebraucht wird. Zur Vorbereitung wurden laut GW unter anderem seismische Erkundungen durchgeführt und geologische Daten ausgewertet.
Gibt es Probleme mit der Stabilität des Untergrunds durch die Bohrungen? BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch hält die „Risiken bei sorgfältiger Ausführung (…) für überschaubar, da wir in keiner Erdbebenregion leben, wie etwa am Oberrheingraben.“ Die Vorteile überwögen: Denn die Wärme sei nahezu CO2-frei“ erzeugt.
Soll Geothermie auch in anderen Hamburger Quartieren genutzt werden? „Noch wird das Stadtgebiet nicht nach weiteren möglichen Standorten untersucht“, sagt Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde, „aber wenn die Tiefengeothermie auf der Elbinsel erfolgreich funktioniert, wäre zu prüfen, ob und wo in der Metropolregion diese klimafreundliche Energiequelle noch zum Zuge kommen kann.“
Begleitende Forschungen beim Projekt Geothermie Wilhelmsburg sollen helfen, „einen Standard für die nordwestdeutsche Tiefebene zu finden, um die Nutzung von Erdwärme leichter duplizierbar zu machen, sie einfacher erschließen zu können und das Fündigkeitsrisiko insgesamt zu minimieren“, so Behördensprecher Dube.
Für die großen Bauvorhaben wie Vogelkamp in Süderelbe, Neue Mitte Altona oder Oberbillwerder ist Tiefengeothermie noch kein Thema. Jan Dube: „Hier wird oberflächennahe Geothermie in Betracht gezogen.“

Oberflächennahe Erdwärmenutzung
Als Erdwärme wird die unterhalb der Erdoberfläche vorhandene thermische Wärmeenergie bezeichnet. Diese beruht im Wesentlichen auf der von der Sonne eingestrahlten Wärmeenergie einerseits und dem vom Erdinneren zur Erdoberfläche gerichteten Wärmestrom andererseits. Die Sonne beeinflusst die Temperaturen in den oberflächennahen Schichten bis zu einer Tiefe von etwa 10 bis 20 Metern.
In den tieferen Schichten ist der terrestrische Wärmestrom maßgebend. In Deutschland steigt die Temperatur pro 100 Meter Tiefe um etwa 3°Celsius an. Erdwärme kann dem Boden und Grundwasser durch Erdwärmesonden (vertikaler
Einbau), durch Erdwärmekollektoren (horizontaler Einbau), oder durch direkt abgepumptes Grundwasser (Brunnen) entzogen werden.
>> Der „Leitfaden zur Erdwärmenutzung in Hamburg“ findet man über www.hamburg.de/bukea/wasser-abwasser-geologie

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