Helmut Behr (l.) und Sönmez Ugurlu vor dem „Coronabeet“. Foto: Dirk Andresen

Von Dirk Andresen. Immer wieder bleiben die Menschen stehen, schauen, staunen, lächeln – oder halten einfach einen kleinen Schwatz mit den beiden Herren vor dem Haus Methfesselstraße 63. Der nur allzu offensichtliche Grund für die locker-freundliche Stimmung: Ein in allen Farben blühendes Beet, das sich zwischen Straße und Bürgersteig über gut zehn Meter Länge und zwei Meter Breite erstreckt.

Das „Corona-Solidaritätsbeet“, das die beiden Anwohner Helmut Behr (72) und Sönmez Ugurlu (56) bereits im April letzten Jahres anlegten (das Elbe Wochenblatt berichtete), ist auch in der jetzt ablaufenden Pandemie immer noch ein „Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts“ (Behr). Jeder kann dort mitgärtnern, Blumen oder Pflanzen säen und einpflanzen. Und das Angebot wurde sensationell angenommen.

Begeisterung bis nach Japan

Helmuth Behr: „Schon im letzten Jahr hatten wir einen unheimlichen Zuspruch. Inzwischen können wir schon gar nicht mehr zählen, wieviele Leute sich hier schon beteiligt haben. Es sind Hunderte. Und noch viel mehr, die hier vorbeikommen, stehenbleiben und sich einfach am Anblick freuen. Alte Menschen, Kinder, Männer in schnieken Anzügen und auch viele, die nicht viel haben.“

Letztere waren anfangs auch die eigentliche Zielgruppe. Sönmez Ugurlu, der direkt hinter dem Beet einen kleinen Handyladen betreibt: „Wir wollten gerade für Menschen, die möglicherweise auch noch mit Kindern in engen Wohnungen ohne Balkon durch diese schwere Zeit kommen mussten, ein Zeichen setzen: Kommt zu uns, lasst uns zusammen einen Garten anlegen, an dem wir uns alle erfreuen können.“ Das ist, soviel steht fest, vollauf gelungen. Und: Das Beet hat durchaus auch einen pädagogischen Nutzen. Helmuth Behr: „Bei uns haben Kinder aus der Nachbarschaft im Beet auch schon Tomaten und Zwiebeln gezogen und geerntet. Sowas zu erleben und ihnen dabei zu helfen, ihnen Tipps zu geben – das macht wirklich Freude.“

Für Gesprächsstoff sorgt der kunterbunte Straßenkanten-Kleingarten indes nicht nur in Eimsbüttel, selbst auf der anderen Seite des Planeten ist das Unterfangen inzwischen bekannt. „Neulich kamen hier zwei Japaner vorbei“, so Behr, „die kriegten sich vor Begeisterung gar nicht mehr ein. Nachdem wir ihnen erklärt hatten, was wir hier machen und warum wir es machen, liefen die gleich los, holten zwei schöne Pflanzen, buddelten sie ein – und haben sich mit uns zusammen einfach nur gefreut.“ Gelebte Solidarität, gemeinsame Freude an der Schönheit der Natur, jetzt auch noch eine neue deutsch-japanische Freundschaft in ganz gewiss nicht einfachen Zeiten – Helmut Behr: „Wir sind manchmal selber baff, zu was sich unsere kleine Idee ausgewachsen hat.“.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here