Parkplatzschwund im dicht bebauten Ottensen: die Anwohner Christian Kaiser und Nicky Fesché an der Keplerstraße. Fotos: cvs

Die Kreuzung Rothestraße/Arnoldstraße verdeutlicht vielleicht am besten, womit Ottensens Autofahrer zurzeit zu kämpfen haben: Praktisch der gesamte Bereich wird von rotweißen Absperrbaken dominiert. Parkplätze sind Mangelware, falls man das überhaupt so sagen kann – denn eigentlich sind sie gar nicht mehr existent. „Im Moment parke ich mein Auto in der Elbchaussee, das bedeutet zehn Minuten Fußweg. Wenn es so weitergeht, werde ich irgendwann auf Othmarschen ausweichen müssen“, sagt Anwohner Nicky Fesché.

Auch das direkt an der Kreuzung gelegene Café Olé ist betroffen. „Zweimal pro Woche bekomme ich neue Ware angeliefert“, berichtet Betreiber Morteza Nader Nejad. „Die Sachen sind schwer, man kann sie nicht zu Fuß transportieren.“ Als das Lieferfahrzeug neulich einmal zehn Minuten vor dem Absperrzaun hielt, habe die Polizei ihm prompt einen Strafzettel über 15 Euro aufgebrummt. „Ist das jetzt ein Dauerzustand?“, fragt der Cafébetreiber.

Problem Nummer eins: Seit August letzten Jahres wird die Veloroute 1 im Abschnitt Ottensen ausgebaut. Betroffen sind Klaus- und Eulenstraße (Richtung Westen), sowie Kepler-, Arnold- und Lobuschstraße (Richtung Osten). Der Asphalt wird erneuert, Radler erhalten durchgängige Schutz- beziehungsweise Fahrradstreifen. Nebeneffekt: Im Zuge der Bauarbeiten fallen nach Auskunft des Bezirksamts 139 „Parkstände“ ersatzlos weg. „Die Arbeiten dieses Veloroutenabschnitts in Ottensen sollen im Dezember 2021 abgeschlossen sein“, berichtet Amtssprecher Mike Schlink.

Problem Nummer zwei: Im April hat der Landesbetrieb Verkehr (LBV) in Ottensen das Anwohnerparken eingeführt. Wer in den entsprechenden Parkzonen wohnt, kann dort ohne Zeitlimit und Gebühr parken, Außenstehende zahlen zwei Euro pro Stunde bei einer maximalen Parkdauer von drei Stunden. Um die Anordung auch wirklich durchzusetzen, wird derzeit gnadenlos kontrolliert und abgezettelt. „Ich kann den Ärger der Anwohner verstehen“, sagt Altonas Verkehrsexpertin Eva Botzenhart (Grüne). Es habe sich innerhalb der letzten 20 Jahre ein Sanierungsstau gebildet. „Dass die neue Parkregelung mit den Baustellen – auch mit dem Umbau der Elbchaussee – kollidieren, ist womöglich nicht zu vermeiden.“

Das sagt die Verkehrsbehörde:
Dennis Krämer, Sprecher der Verkehrsbehörde (BVM) sagt, der Parkplatzmangel habe auch schon vor dem Ausbau der Veloroute bestanden. Eine Befragung der Bewohner vor Ort habe ergeben, dass diese mit großer Mehrheit das Bewohnerparken wünschen. Immerhin können so „gebietsfremde Dauerparker“ ferngehalten werden. Die Kontrollen seien verschärft worden, um Fußgänger, Radfahrer und gehandicapte Menschen besser gegen „gefährdende Parkvorgänge“, zum Beispiel das Parken auf dem Bürgersteig oder in zweiter Reihe, zu schützen.

Parkhäuser:
dringend einen Parkplatz benötigt, kann unter Umständen auf Parkhaus ausweichen. Aber es gibt nicht viele freie Plätze. Eine Auswahl:
▶ APCOA-Parkhaus, Scheel-Plessen-Straße 16: Monatsgebühr 105 Euro
▶ Contipark, Mercado (400 Stellplätze): 90 Euro pro Monat, derzeit keine freien Plätze
▶ Parkhaus Ottensen, Piependreiherweg 2 (über 200 Stellplätze): 82 Euro pro Monat, Warteleiste für Dauerparker
▶ Parkhaus Zeisehof, Behringstraße, Ecke Friedensallee (ca. 120 Stellplätze): Knapp 110 Euro pro Monat. Wartezeit ein bis zwei Jahre.

Anwohnerparken:
Bewohnerparkzonen, davon vier in Ottensen. Im Juli kommen weitere vier Zonen in Altona-Nord und Eimsbüttel dazu. Ein Anwohnerparkausweis kostet 50 Euro pro Jahr (45 Euro, wenn er online beantragt wird). Einen Garantie auf einen Abstellplatz bietet er jedoch nicht. Für Gäste können Besucherparkausweise beantragt werden. Diese sind kostenlos und einen Tag lang gültig.

 

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit „gebietsfremden (Dauer-)parkern“ machen jetzt die Bewohner der an das Anwohnerparken angrenzenden Gebiete Bekanntschaft. Bislang funktionierende Gebiete werden mit Ausweicherparkern überflutet. Müllwagen finden kein Durchkommen, was die Bewohner zusätzliche Gebühren kostet. Erstaunlicherweise haben die Ottenser Autofahrer nicht sofort ihren Autos abgeschafft. Im Vorteil ist, wer sich das Geld für einen Stellplatz leisten kann. „Grün“ kann oder will eben nicht sozial.

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