Noch ist es eine große Baustelle: Markus Menke (li.)zeigt Matthias Bartke (SPD) und Philine Sturzenbecher (SPD) das neue Konservatorium in den Kolbenhöfen. Foto: Vogeler

Gaby Pöpleu, Sülldorf/ Ottensen

Das Hamburger Konservatorium in der Sülldorfer Landstraße 196 ist mit 112 Jahren die älteste Musikausbildungsstätte Norddeutschlands. Bis 2024 wird es in die Ottenser Kolbenhöfe an der Grenze zu Bahrenfeld umziehen, wo auf 4.500 Quadratmetern ein neues Musikzentrum mit Musik-Kita, Musikschule, Akademie, Musikförderzentrum für Norddeutschland und einem Konzertsaal entstehen wird.
Jetzt fiel die Entscheidung, ob es mit den großen Plänen – der Erwerb und der Umbau der Kolbenhöfe machen einen 24 Millionen Euro-Kredit nötig – etwas wird: Im Rahmen der Haushaltsberatungen entschied die Stadt Hamburg, einen entsprechenden Kredit abzusichern, teilte die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Philine Sturzenbecher mit.

Seit 1976 ist das Gebäude an der Sülldorfer Landstraße der Hauptstandort des Konservatoriums. Doch das Haus ist beispielsweise nicht barrierefrei, es fehlen Rettungswege, Heizung und Treppen sind marode. Außerdem soll die Miete erheblich erhöht werden, erklärte Konservatoriumsdirektor Markus Menke. Deshalb hatte man sich entschieden, einen neuen Standort zu suchen, der gekauft und an die Bedürfnisse einer modernen Musikakademie angepasst werden könnte.

In den Kolbenhöfen entsteht ein komplett neues städtisches Viertel mit gemischter Wohnungen und Platz für kleine und mittlere Betriebe. Vorteile fürs Konservatorium: Die Kolbenhöfe sind gut erreichbar und es werden zum Beispiel genug Kinder für eine Musik-Kita in der Nähe leben.
Der neue Konzertsaal wird auf 400 Quadratmetern Platz für 199 Besucher bieten. Zusätzlich entstehen 230 Quadratmeter Spielfläche auf dem Dach der neuen Gebäude. Der Saal wird nach Lilly Giordano, der Mutter des Schriftstellers Ralf Giordano, benannt: Sie war 1919 und 1920 Dozentin für Klavier am Klaerschen Konservatorium, wie das Hamburger Konservatorium früher hieß. Später wurde sie als Jüdin von den Nazis verfolgt und 1935 aus der Künstlerkammer ausgeschlossen.
Das Goßlerhaus in Blankenese wird aber auch in Zukunft ein weiterer Standort des Konservatoriums bleiben: Dort werden mehr als doppelt so viele Schüler wie bisher, vor allem die Jüngeren, unterkommen.

Blick von oben: In den Kolbenhöfen wird gewohnt und gearbeitet.
Visualisierung: Freiland Hamburg GmbH

Das sind die Kolbenhöfe

OTTENSEN. Auf dem ehemaligen Kolbenschmidt-Werksgelände an der Friedensallee 128 planen Rheinmetall Immobilien und Otto Wulf mit der Altonaer Spar- und Bauverein eG (altoba) ein neues Wohn- und Gewerbequartier. Bis 2025 entstehen rund 420 Wohnungen, davon muss – entsprechend der „Drittelmix“-Vorgaben der Stadt – mindestens ein Drittel geförderter Wohnungsbau mit günstigen Mieten sein. Trennte man früher wohnen und arbeiten, werden hier Handwerksbetriebe sowie Büros in direkter Nachbarschaft zu den Wohnungen gebaut.
Das Hamburger Konservatoriums wird in das bestehenden Magazingebäudes im Norden der Kolbenhöfe ziehen, das dafür umgebaut wird. Der Konzertsaal wird „baulich mit dem Magazingebäude verbunden werden“.
Auf dem benachbarten östlich gelegenen Henkel-Schwarzkopf-Areal (Kolbenhöfe II) werden 255 Wohnungen gebaut, auch hier wie vorgeschrieben, ein Drittel Sozialwohnungen. Auch hier ist eine Mischung aus Wohnungen und Gewerbe vorgesehen. Darüber hinaus werden zwei Kindertagesstätten in den Kolbenhöfen entstehen.
Die Bauarbeiten in den Kolbenhöfen haben im vergangenen Jahr begonnen. PÖP

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