Pastorin Frauke Niejahr. Foto: pr

Angela Dietz, Wilhelmsburg. Pastorin Frauke Niejahr vertritt im Kirchenkreis Ost Kollegen, die ein Sabbatical machen. Von April bis Juni diesen Jahres ist die 52-Jährige in der Kirchdorfer Gemeinde tätig, während Pastor Heye Osterwald seine Auszeit nimmt.
„Drei Monate sind zwar sehr kurz“, erklärt Frauke Niejahr, „es ist aber für mich sehr interessant. Und für die Kollegen ist es gut, mal rauszukommen, da sie oftmals ohne Pause studiert und abgeschlossen haben, Familie gegründet und in die Gemeinde gegangen sind.“ Sie „erbe“ quasi, was die Kollegen machen, treffe auf „gut aufgestellte Gemeinden“, die oft sehr aufgeschlossen seien. So lernt die Pastorin vier Gemeinden pro Jahr kennen.
Durch die Corona-Pandemie hat Frauke Niejahr nicht so viel von den Wilhelmsburgern direkt mitbekommen. Aber von den sichtbaren Gegensätzen ist sie fasziniert. „In der einen Himmelsrichtung sieht man eine jahrhundertealte hübsche Kirche, dreht man sich um, stehen da Hochhäuser, nebenan wiederum sind Ponys.“
Die Diskussionskultur der Kirchenvorstände und Gemeinden in der Pandemie hat sie allerdings beeindruckt. „Wir haben sehr viel diskutiert, wie wir mit der Situation umgehen“, erzählt sie. Dabei ging es etwa um die Frage, wie die Kirche Gottesdienste feiert, live oder als Livestream. „Alle waren sehr achtsam miteinander“, sagt die Vertretungspastorin, „obwohl alle sehr unter den Schließungen gelitten haben.“
Seit einigen Wochen feiern die Kirchdorfer wieder Gottesdienst, draußen und mit Abstand und Maske, Singen erlaubt. Frauke Niejahr freut sich besonders über zwei Frauen der Gemeinde. „Sie wollen ab sofort sonntags die Kreuzkirche wieder offen halten, von 14 bis 16 Uhr“, berichtet Niejahr fröhlich. Andere sind besorgt, wie die Jugend-Diakonin, weil sie von vielen durch die Kontakteinschränkungen nicht so genau weiß, wie es den Menschen geht.
Wilhelmsburg kommt der agilen Pastorin wie eine Kleinstadt vor. Sie selbst wurde in einem Pastoren-Haushalt in Schleswig Holstein groß. „Anders als andere arme Stadtteile wie Veddel oder Dulsberg ist die Größe hier ideal für gute Netzwerkarbeit“, findet Frauke Niejahr. „Die soziale Vernetzung ist hier toll! Es gibt viele Player, die sich um soziale Gerechtigkeit, öffentliche Räume und Vielfalt kümmern.“
Bevor sie dieses Jahr noch nach St. Markus in Hoheluft wechselt und später nach Neuenfelde, wünscht sie, dass es den Wilhelmsburgern gelingt, wachzuhalten, was auf einer Karte der Sozialdiakonie steht: „Vielfalt, Toleranz, Respekt.“

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