Ein Hingucker: das Flaschenballett der Initiative „Knallt am dollsten“. Foto: Theo Bruns

Von K.-P. Flügel/ G.Pöpleu

Die Bürgerinitiative „Knallt am dollsten“ lehnt den städtebaulichen Vertrag der Stadt mit dem Investor ab. Das Elbe Wochenblatt hat Theo Bruns von der Initiative „Knallt am dollsten“ nach den Gründen gefragt: Soll es nicht endlich voran gehen?

Elbe Wochenblatt: Warum lehnen Sie den Vertragsentwurf ab? Immerhin verspricht der Vertrag doch, dass mehr als 1.200 Wohnungen gebaut werden sollen, darunter 365 Sozialwohnungen.
Theo Bruns: Der Entwurf des städtebaulichen Vertrags zum Holsten-Quartier stellt eine Kapitulation vor dem Investor und eine Katastrophe für die Stadt dar. Dem Bezirk fehlt es an politischem Willen und Mut, den maßlosen Renditeanspruch des Immobilienunternehmens zurückzuweisen.

EW: Immerhin sollen doch auch geförderte, also günstige Wohnungen gebaut werden…
Th. B.: Maximale Profite und eine annähernd solidarische, sozialverträgliche und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung schließen einander aus. In Hamburg hat die Hälfte der Bewohner*innen Anspruch auf eine Sozialwohnung. Doch deren Zahl sinkt seit Jahren. Der in der Hansestadt übliche Drittelmix geht völlig an den tatsächlichen Bedarfen vorbei.

EW: Aber Wohnungbau ist doch dringend notwendig, oder nicht?
Th. B.: Auf dem Holstenareal dürfen zudem bis zu 50 Prozent der geförderten Wohnungen im zweiten Förderweg vergeben werden, was erschwinglichen Wohnraum weiter verknappt. Die je 50 Wohnungen à 12,90 beziehungsweise 14,90 Euro netto kalt pro Quadratmeter als preisgedämpfte Mieten zu verkaufen, ist ein schlechter Scherz, zumal dies nur für die Erstvermietung gilt.

EW: Was ist mit den Baugemeinschaften? Der Anteil der Baugemeinschaften für Wohnen wurde von den vorgesehenen 20 auf 13,5 Prozent gesenkt. In der Summe werden wenigen bezahlbaren Wohnungen zwei Drittel sündhaft teure Apartments gegenüber stehen. Dies wird negative Auswirkungen auf das gesamte Wohnumfeld haben und zu weiterer Gentrifizierung (Verdrängung durch Besserverdienende, Anm. d. Red.) und steigenden Preisen führen.

EW: Was sollte man denn mit dem Gelände tun? Der Vertrag veranschaulicht in krasser Weise, dass der freie Markt nicht geeignet ist, menschengerechtes Bauen und Wohnen zu verwirklichen. Die Lösung kann nur eine Kommunalisierung (Überführung in Gemeinschaftsbesitz, Anm. d. Red.) des Geländes sein. Alle zur Verfügung stehenden Instrumente (Baugesetzbuch, Art. 14/15 GG) müssen dazu in Anspruch genommen werden. Das städtische Vorkaufsrecht muss gestärkt werden und auch bei sogenannten „Share Deals“ gelten.

EW: Was kann man jetzt noch tun? Wir fordern den Bezirk auf, den Vertragsentwurf in der vorliegenden Form nicht zu unterzeichnen und dem Investor kein Baurecht zu erteilen. Anders wäre das zukünftige Quartier für eine solidarische Stadt verloren.

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