Noch immer in tiefer Trauer: Elena Klaus an der Stele am der Gemeinschaftsgrabstelle. Auf der Säule prangen kleine Schilder mit den Namen der Verstorbenen. Hier dürfen Blumen und kleine Mitbringsel hingestellt werden. Foto: Privat

Von Maren Langenbach, Blankenese

Elena Klaus geht jeden Tag an das Grab ihres Mannes Wolfgang auf dem Friedhof Blankenese, seitdem er im Oktober 2020 mit 77 Jahren nach einem Schlaganfall und langer Krankheit gestorben ist. Doch dort ist kaum Platz für Ihre Trauer, hat sie festgestellt.
47 Jahre waren die gelernte Zahnarzthelferin und der Polizist verheiratet, waren auch nach ihrer Trennung eng verbunden. „In seinen letzten Jahren habe ich ihn gepflegt, nun bin ich allein. Täglich an seine Grabstelle zu kommen hilft mir in meiner großen Trauer“, so die 64-Jährige. Das Problem: Wolfgang Klaus hatte sich eine namenlose Grabstätte gewünscht, ein Platz auf dem Friedhof, wo mehrere Menschen beerdigt sind. Dort gibt es weder Grabsteine noch Kreuze, nur eine Stele mit kleinen Schildern mit den Namen der Verstorbenen.
„Jedes Mal bilde ich, als Zeichen der Liebe, ein Herz auf dem Platz, wo er liegt. Mal aus Rosenblättern, mal einfach mit dem Stiel meiner Harke gezeichnet“, erzählt die Iserbrookerin. Doch diese Geste wird auf dem Friedhof nicht gern gesehen. „Jedes Mal, wenn ich wiederkomme, ist das Herz zerstört. Das macht mich sehr traurig, da ich nicht verstehe, was das soll.“

Für die Friedhofsverwaltung ist die Sache klar, verstößt Elena Klaus eindeutig gegen die Regeln. „Das namenlose Urnenfeld ist eine Gemeinschaftsanlage, auf der viele Urnen beigesetzt sind. Das bedeutet, dass das individuelle Grab nicht erkennbar ist.“ Dies habe man den Angehörigen bei der Grabwahl mitgeteilt, erläutert Friedhofsverwalterin Ulrike Drechsler. Und: Für Grabgaben der Angehörigen gibt es eine zentrale Ablagestelle. Auch das würde den Angehörigen mitgeteilt, auch Elena Klaus, die das auch mit dem Vertrag unterzeichnet habe. Schließlich würden andere Angehörige fragen, warum eine individuelle Gestaltung auf einer Gemeinschaftsgrabstelle zugelassen werde. Drechsler: „Vielleicht wäre in diesem Fall eine andere Grabart, die man individuell gestalten kann, passender gewesen.“ Man sei zu Gesprächen bereit.
Elena Klaus ist trotzdem entsetzt: „Auch ein Herz aus Sand muss zerstört werden? Das ist unmenschlich. Wir Hinterbliebenen wollen so nur unseren Schmerz lindern.“ Nun müsse man sich wohl mit der Situation abfinden, auch, wenn es schwer sei.

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